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Kapitel 53 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

„Tokio Hotel – Unzählige Mädels, einen Dreier und jetzt schwul?“

„Also doch! Tokio Hotel Mitglieder Bill und Gustav ein Paar!“

„Tokio Hotel – Heimliche Beziehung nach heftigem Streit beendet?!

„Bill und Gustav von Tokio Hotel…“
 

Gepeinigt wende ich den Blick von den unzähligen Zeitungen ab, die uns David auf den Frühstückstisch gepfeffert hat. Sehr viele und alle haben das gleiche Thema auf der Titelseite. Bill und mein gestriger, grandioser Auftritt im Cafe. Mich erstaunt es immer wieder aufs Neue wie schnell sich solche Neuigkeiten innerhalb so kurzer Zeit verbreiten. Wie konnten wir uns nur so gehen lassen? Am Anfang gaben wir noch Obacht auch, wenn es nicht zu vermeiden war, dass die Personen, die in unserer unmittelbaren Nähe saßen, etwas aufschnappten, aber das hätten wir bzw. unsere Produzenten schon hinbekommen. Doch nach unserer 1A Einlage zum Schluss, das nunmehr überhaupt keiner überhören konnte, haben wir uns selbst den Paparazzis und allen anderen da draußen zum Fraß vorgeworfen.

Lebe deinen Traum und lebe mit den Konsequenzen. Wenn ich ehrlich bin und es nach mir ginge, würde ich unsere Beziehung in die Welt herausbrüllen, wären da nicht die Leute, die uns in der Luft zerreisen würden und das was für Bill und mich das Glück ist, mit ihren Lügen und Intrigen zerstören. Es gibt genug Hasser, die nur darauf warten uns am Boden zu sehen.Sollten wir das vielleicht nicht sogar riskieren? Sollten wir nicht stark genug sein und diese Hürde gemeinsam durchstehen?

Wir haben nicht nur uns, sondern auch Georg und Tom und unsere Familien hinter uns, und sollte es tatsächlich hart auf hart kommen, wird der Rest unseres Teams uns sicherlich nicht im Stich lassen. Hoffe ich zumindest.

Neben mir seufzt Bill laut auf, schmeißt die Zeitung, die er sich geschnappt hatte, zurück auf den Tisch. Der schmale Körper rutscht auf dem Stuhl eine Etage tiefer und wirft den Kopf zurück. Kurz erhasche ich den roten Fleck unter seinem linken Ohr, den ich ihm gestern verpasst habe und bekomme rote Ohren. Das ist überhaupt kein guter Zeitpunkt an letzte Nacht zu denken. Nicht hier und jetzt, wo wir uns in einer Krisensitzung befinden. Und nicht zu vergessen ein sticksauer aussehender David uns gegenüber sitzt und jeden unsere Bewegungen genau analysiert. Tom und Georg sitzen ebenfalls am Tisch, doch halten sich vorerst diskret zurück. Nun sind wir erst einmal auf uns allein gestellt. An uns liegt es dieses ganze Chaos und das ganze hin und her zu erklären. Selbst für uns ist das ganze Chaos ein Riesenberg ohne Durchsicht.

Wo sollen wir nur anfangen? Wie sollen wir das alles unseren Fans erklären? Sollen wir es verleugnen oder sollen wir nach all den beweislastige Artikeln zu der Beziehung stehen? Oder ... oder ...

„GUSTAV!" Erschrocken schaue ich David an, dessen Kopf bereits bedrohlich anfängt vor Wut rot anzulaufen. „Hör auf Bill anzuschmachten und konzentriere dich auf das hier", faucht er und deutet unmissverständlich auf die Artikeln. Knurrend werfe nun ich ihm einen bösen Blick zu und verschränke abwehrend die Arme vor der Brust. Seine blöden Kommentare kann es sich sparen, dafür bin ich echt zu angepisst. Dennoch bemerke ich wie nach dieser Anmerkung meine Ohren noch heißer werden.

„Hört mir jetzt gefälligst zu, das ist ein ernstes Thema." Ich fühle mich unwohl, wenn man bedacht, dass wir dieses ernste Thema sind. Vielleicht hat es der ein oder anderes mitbekommen, ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt. Und das ist definitiv eine Sache, die mich in diese unangenehme Position bringt. Bill blickt mir kurz fest in die Augen und richtet sich wieder senkrecht auf dem Stuhl auf.

„Dann fangt mal an zu erklären!“, wirft David in die schweigede Runde ein, worauf Bill auch prompt antwortet. „Was gibt es da zu erklären, wir sind halt zusammen.“ Die Luft ist wie elektrisiert und ich kann den anfliegenden Ärger schon riechen. Der auch sofort folgt.

„Willst du mich verarschen“, herrscht unser junger Produzent Bill an, der weiterhin ruhig neben mir sitzt. „Natürlich gibt es Erklärungsbedarf. Dass ihr zusammen seid, davon konnte ich mich mit eigenen Augen überzeugen, aber was sollte dann dieser überflüssiger Streit vor der gesamten Öffentlichkeit? Macht ihr das absichtlich? Liebt ihr es mir immer mehr Scheiße in die Schuhe zu schaufeln?“

„Jetzt mach aber mal halb lang, David“, melde ich mich endlich zu Wort und beuge mich über die Zeitungen. „Glaubst du uns macht dieser ganze Rummel spaß? Es war nicht beabsichtigt, dass alle von diesem kleinen Zwischenfall mitbekommen.“ Hah, so klein war der gar nicht, wenn ich an die Misere von gestern denke. Ich dachte für kurze Zeit ernsthaft, ich hätte Bill mit meinem blöden Gerede und den Vorwürfen endgültig verloren. Mal wieder. Wenn es so weiter geht, verstehe ich sogar warum die Presse immer so einen Rummel drüber macht. Wir bieten ihnen ja immer wieder genügen Gelegenheiten. Und mit unserem Status sind wir nun mal gefundenes Fressen. Wir sollten zukünftig darauf achten, in der Öffentlichkeit Diskretion zu bewahren. Egal, ob sie am Ende von unsere Beziehung wissen oder nicht. Ich möchte nicht, dass auf jeder Zeitung irgendwelche private Fotos zu tage kommen.

David seufzt, scheint sich aber wieder einzukriegen und reibt sich über die Schläfe. „Ok“, setzt er an, lehnt sich zurück und greift nach einer der vielen Zeitungen. Die Stirn in tiefe Falten gelegt huschen seine Augen über die Zeilen. Auf der Zeitung pragt sein großen Bild, das kurz bevor ich das Cafe verließ, geknipst wurde. Bill sitzt und ich bin gerade dabei auszustehen. Unsere Gesichter sind darauf wutverzerrt. Wieso muss diese blöde Technik so weit vorgeschritten sein, dass bereits jedes Kind ein Handy mit Fotofunktion besitzt? David sieht uns wieder an. „Erklärt mir doch einfach was dort vorgefallen ist, dass ihr euch nicht beherrschen konntet und eure Beziehung einfach so herausschreien musstet. Zumindest das seid ihr mir schuldig!“

Wo er Recht ha hat er Recht. David hat eine Erklärung für all das Chaos verdient. Er hat schon so viel für uns gemacht und in all der Zeit mehr als nur einmal den Kopf für uns hingehalten.  Bills Bein streift kurz das meine, worauf ich meinen Kopf zu ihm drehe. Wir tauschen einen Augenblick, der mir wir eine Ewigkeit vorkommt, einen intensiven Blick aus, bevor Bill sich an David wendet und die Schultern straft. Bin ich froh, dass er das Reden übernimmt, denn ich wüsste nicht wie ich anfangen sollte.

„Es fing alles damit an, dass wir hier einen kleinen Streit hatten“, berichtet Bill und deutet mit einer unbestimmten Handbewegung um uns. Mein Herz verkrampft sich schmerzlich bei der Erinnerung. „Ich habe danach einfach einen Verschnaufpause benötigt, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Also habe ich in dieses Cafe gesetzt und vergessen mich vorher zu verkleiden. Sorry!“ Zerknirscht verzieht Bill das Gesicht. Sein Blick deutet von völliger Aufrichtigkeit. „Gustav ist mir kurze Zeit später hinterher und kam ebenfalls ins Cafe wie du unschwer übersehen kannst. Aufjedenfall haben wir anfangs noch darauf geachtet, dass niemand etwas mitbekommt. Wir waren von unserem Streit noch so aufgewühlt, dass uns spätestens, als wir uns wieder in die Haare bekamen, alles völlig egal wurde. Leider sind uns unseren Gesprächen Begriffe wie Beziehung, Liebe und Sex gefallen, bis wir uns letztendlich nur noch angekeift haben.“ Bill beendet seinen Monolog und lässt die Worte erst einmal auf alle betreffenden wirken.

„Wir wissen wie Falsch das alles war. Wir hätten uns zusammenreisen sollen. Aber sobald es um persönliche Angelegenheiten geht, verliert man schnell die Vernunft. Es tut uns wirklich leid, David.“ Schnell strecke ich unter dem Tisch meine Hand aus und verschränke sie mit seiner. Eine angenehme Wärme und Geborgenheit strömt über diese kleine Berührung durch meinen Köper und drosselt mein schnell schlagendes Herz. Bill schenkt mir einen dankenden Blick und drückt fester zu.

David seufzt ein weiteres Mal und schließt die Augen. Die anderen Bandkollegen sitzen die ganze Zeit still dabei  und lassen ihre Blicke über die Artikel schweifen.

„Am liebsten würde ich euch den Hals umdrehen.“ Knurrend wirft David die Zeitung im hohen Bogen über seine Schulter, die zerblättert und zerstreut auf dem Boden landet.

Er lächelt plötzlich zynisch und zuckt mit den Schultern. „Tja, das Showbiz ist nicht jedermanns Sache.“

„Aber-“, werfe ich empört ein, doch werde von einer klaren Handbewegung seitens David unterbrochen. Schnaubend verdrehe ich die Augen. So habe ich David wirklich noch nie gesehen.

Sein zynisches Lächeln wird etwas milder und seine dunklen Augenringe werden sichtbar. Er sieht sehr geschafft aus. „Ihr trennt euch aber nicht gleich wieder, oder?“ Die Augenbrauen skeptisch in die Höhe gezogen deutet er mit dem Zeigefinger auf Bill und mich.

„Natürlich nicht!“, wirft Bill wie aus der Kanone geschossen ein und entfacht ein Feuerwerk in mir. Mein Herz rast vor Glück, während sich sein breites Grinsen nicht verkneifen lässt. Unsere umschlungenen Hände schmiegen sich noch fester einander und  es ist ein stummes Versprechen, das wir hier und jetzt damit besiegeln. Die ganze Mühe und das ganze Leid soll nicht umsonst gewesen sein. Egal wie viel davon noch auf uns zukommen wird.

„Der Vorfall tut uns wirklich leid“, versuche ich unseren Produzenten noch ein bisschen zu beschwichtigen. Bills Daumen streicht immer wieder sanft über meinen Handrücken.

Davids Lächeln wird noch eine Spur sanfter.

„Schon gut, ich weiß, dass ihr es nicht mit Absicht gemacht habt und ändern können wir es jetzt nun mal auch nicht mehr.“ Ich bin wahrlich verblüfft.

„Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt war das Team von Universal über diese Neuigkeiten nicht sehr erfreut. Ich hatte die ganze Nacht über mehrere lange und sehr nervenaufreibende Gespräche“, betont David scharf und wirft uns abwechselnd strenge Blicke zu. Mir wird gleich ganz anders und meine Fantasie malt sich schon die schlimmsten Szenarien aus. Unruhig rutsche ich auf dem Stuhl hin und her und sehe von der Seite, dass auch Bill sehr beunruhigt wirkt.

„Es war nicht leicht eine Lösung für diese Aufruhe, den ihr ausgelöst habt, zu finden. Wir haben viele Möglichkeiten durchgespielt und haben sie Gegeneinander abgewogen und letztendlich blieben nur zwei Wege übrig.“  Gespannt halte ich den Atem an. „Entweder ihr leugnet eure Beziehung, streitet alle Vorwürfe ab, für die wir passende Antworten finden werden. Solltest ihr diese Variante wählen, seit euch bewusst, dass ihr ab da an noch mehr auf euerer Verhalten in der Öffentlichkeit achten müsst. Wenn ihr euch unauffällig benimmt wird sogar das Thema bald uninteressant werden und ihr würdet von der Presse nicht zerfleischt werden. Oder ihr bekennt euch offen zu eurer Beziehung und müsst mit den Konsequenzen leben.“

Wieder ist es Bill, der ohne langes Zögern antwortet: „Die Welt glaubt ohnehin, dass ich schwul bin. So bekommen sie eben ihre Genugtuung. Ist mir egal!"

Wieso fragt David eigentlich noch, ist die Antwort nicht von vorneherein klar?

„Und denkt daran. Diese Sache betrifft die ganze Band“, erinnert David uns, erhebt sich und verlässt den Raum.

Stille.

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