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Kapitel 49 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~ 

Wieder einmal habe ich es vermasselt, ich wusste es, ich bekomm nichts hin. Immer mache ich alles kaputt, anstatt das Glück einfach mal zu genießen. Ich wusste, dass es ein Fehler ist mit Tom zu sprechen und doch tat ich es. Warum tue ich Dinge, wenn ich bereits im Voraus weiß, dass sie falsch sind, warum? Ich bekomm wirklich gar nichts zu Stande, außer für Schlagzeug bin ich zu nichts fähig. Ich kann keine Beziehung führen, kann meine Bedürfnisse nicht richtig zum Ausdruck bringen und kann schon gar nicht mit solchen Situationen wie ich in einer stecke umgehen. Warum wohl hatte ich bisher noch keine wirklich richtig lang anhaltende Beziehung? Darum, weil ich es nicht kann.

Aber ich liebe Bill doch und ich wünsche mir nichts sehnlichster, als endlich mal glücklich mit ihm zu sein, mit ihm über alles reden zu können. Über die Bedürfnisse, Sorgen und Liebe sprechen. Einfach offen ihm gegenüber sein. Nicht mal eine so einfache Sache bekomme ich hin.

Unschlüssig laufe ich im Vorhof auf und ab, hin und her gerissen was ich jetzt tun soll. Soll ich zurück in das kleine Haus und darauf warten bis Bill zurückkehrt, oder soll ich ihm nach und so zeigen, wie wichtig er und alles drum herum ist? Blöd herum sitzen, Trübsal blassen und vor mich hin rotten wäre jetzt genau das Falsche, also entschließe ich mich kurzfristig doch in die Richtung zu laufen, in der ich Bill hab ziehen lassen. Vielleicht ist er dann gewillt zu reden und mir zu verzeihen, wieder einmal. Soll unsere Beziehung nur daraus bestehen, dass mein Freund mir immerzu für irgendwelche Dinge verzeihen muss? Bill sagte zu mir, er habe mir mit der Sache mit Mia verziehen und vertraut mir, dass ich so etwas nie mehr wieder tue, und nun mit so einer kleinen Sache, bringe ich das neu gewonnenen Vertrauen ins Schwanken. Kann so eine Beziehung überhaupt funktionieren?

Umhersuchend trotte ich durch die kalte Straße und kassiere hier und da seltsame Blick von Passanten. Wohlmöglich weil mich der ein oder andere erkennt oder einfach nur, weil ich ein seltsames Auftreten nach außen hin habe. Immerhin trage ich meine schlapprige Jogginghose, Schuhe deren Schnürsenkel ich in der Eile nicht geschlossen hab und eine viel zu weite Jacke um meinen Leib. Ohne zu schauen schnappte ich mir beim Verlassen des Hausens irgendeine Jacke, die gerade griffbereit am Hacken hing und jetzt befürchte ich doch glatt Toms überdimensionale große erwischt zu haben. Ich sehe aus wie ein Clown in der Kleidung. Kein wunder, wenn mich alle so angaffen, als sei ich ein Penner.

Ratlos verbleibe ich an einer Kreuzung, keine Ahnung welchen Weg ich nun einschlagen soll. Verlaufen möchte ich mich lieber nicht. Tief seufzend mache ich einige Umdrehungen um meine eigen Achse gucke zisch mal in jede verfluchte Richtung, in der Hoffnung irgendetwas auffälliges, was Bills Aufenthaltsort ausfindig machen könnte, zu finden. Plötzlich bleibe ich sogar stehen, starre geradeaus in ein kleines Cafe, in dem ich ein wuscheligen Bündel schwarzer Harre sehe. Die können nur Bill gehören, keine Zweifel. Ohne viel darüber nachzudenken, überquere ich die Straße zum Cafe, betrete diesen und lasse mich mit einem unguten Gefühl im Magen Bill gegenüber auf die Bank nieder. Ich hatte Recht, es ist Bill, ihn würde ich sogar unter einen Haufen tausender Menschen wieder erkennen. Einen Augenblick sieht er mich überrascht an, wendet jedoch den Blick gleich darauf säuerlich zur Seite und schaut blicklos aus dem Fenster.

Unauffällig lasse ich meinen Blick kurz einmal über das gesamte Cafe gleiten, um nachzuschauen dass uns auch keiner zuhören kann. Einige seltsame Blicke liegen zwar auf uns, doch diejenigen sitzen zu weit weg, als das sie uns sprechen hören können. Tief durchgeatmet suche ich anschließend Bills Blick, der nach einigen ungeglückten Versuchen meinerseits, sich dann doch endlich dazu durchringt, mich anzusehen.

„Bill, können wir jetzt reden?“, frage ich sanft und lege behut eine Hand auf seinen Unterarm ab. Ich spüre darunter, wie er sich minimal versteift, doch lasse sie dennoch dort ruhen.

„Ach auf einmal möchtest du reden“, zischt es eisig über den Tisch. „Davor wolltest du es auch nicht!“

„Aber doch nur, weil es mir peinlich war. “Ratlos fahre ich mir übers Gesicht. Draußen, auf der anderen Straßenseite, dort wo ich vor einigen Minuten noch stand, steht nun eine Schaulustige, die uns allen Anschein nach erkannt hat und bereits ihr Handy zückt. Scheiße man, hat man echt nirgendwo seine Ruhe! Ach, die kann  mir jetzt gestohlen bleiben, was soll schon so ungewöhnlich und auffälliges dran sein, wenn wir beide hier beisammen sitzen. Ist auch nicht das erste Mal, aber ich glaube meine Hand sollte ich lieber doch von Bill nehmen. Wir wollen doch keinem einen Grund geben, stutzig zu werden und sonst was in ihre Fantasie hinein zu interpretieren. Von da draußen können sie uns ja wenigstens nicht hören.

„Peinlich?“, wiederholt er das Wort zynisch. „Verdammt Gustav…“, kurz schaut er um uns, um sich wirklich sicher zu gehen, dass uns auch keiner zuhört. „…in einer Beziehung gehört es nun mal auch dazu, dass man über eine wichtigen Punkt wie Sex spricht.“

„Mag schon sein, aber du müsstest wissen wie ich bin… ich kann da nicht so offen drüber reden…mag mich für prüde halten…“ Ich lass nach außen hin den schüchternen Typen raushängen, privat bin ich ganz anders, aber wenn es um intime Details wie Sex geht, dann bin ich doch der etwas Zurückhaltender. Ich muss mich erstmal richtig daran gewöhnen, dass Bill mein Freund ist – ich mit ihm über alles reden kann. Im Augenblick fühle ich mich total überrempelt, alles geschah in den letzten Tagen so unaufhaltsam schnell – Zeit um alles richtig zu verarbeiten blieb da nicht. Schulter zuckend sehe ich Bill mit einem verlorenen Blick an. „Tut mir leid, ich muss mich erst an alles gewöhnen.“

„Eine Beziehung heißt nicht sich an alles zu gewöhnen“, knurrt Bill weiterhin sauer und beginnt mit den Zähnen zu knirschen. „Für mich ist das doch auch was Neues.“

„Außer die unzähligen Mädels, die du vor mir hattest“, rutscht es mir gedankenlos heraus, worauf ich erschrocken die Luft anhalte. Hab ich das gerade wirklich gesagt? Ach du scheiße, warum kann ich nicht besser auf mein vorlautes Mundwerk achten. Wie in Zeitlupe ist zu erkennen, wie sich Bills Miene zuerst getroffen und anschließend noch wütender als bereits zuvor verzehrt. Die pochende Ader an seiner Schläfe ist regelrecht zu sehen.

„Wie bitte?“ Ein eisiger Schauer überquert meinen Rücken. Bills Stimme befindet sich weit unter dem Gefrierpunkt. „Willst du damit irgendetwas andeuten?“

„Ähm…nein…das ist mir nur so rausgerutscht…das wollte ich g-gar nicht sagen…“, stottere ich unbeholfen und wedle mit meinen Händen vor unseren Nasen rum. Keine Ahnung was ich damit zum Ausdruck bringen möchte.

„Ich war es nicht, der einen Dreier hatte.“

Wumm, wie ein Schlag ins Gesicht verharre ich sprachlos, während Bill - als wäre nichts - aus dem großen Fenster schaut. Er hat kein Recht mir das vorzuwerfen. Zumal wir da noch nicht zusammen waren und außerdem kann ich mich daran überhaupt nicht erinnern. Dafür muss man einiges an Intus haben und ich muss viel getrunken haben, wenn ich dabei überhaupt mitgemacht habe und danach einen Filmriss hatte.
 

Über was streiten wir uns hier eigentlich? Was hat das alles nur mit dem Problem Sex zu tun? Oder ist unserer Problem viel weitgehender und liegt ganz wo anders und wir sehen es gerade nur nicht? In dieser Beziehung gibt es so viele Ecken und Kanten….

„Na komm wenn wir schon mal so schön bei sind, werfe mir das mit Mia doch auch noch mal vor“, zische ich, verschränke die Arme vor der Brust und lehne mich weit nach hinten.

„Nicht die Leiher schon wieder“, stöhnt Bill. „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass das Thema Mia abgeharkt ist, oder willst du gar nicht, dass ich dir das verzeihe?“ Der Schwarzhaarige wirkt müde.

Das ewige hin und her ist wirklich ansträngend, wir geben unser bestes um diese Beziehung unter diesen ganzen Umständen und Hindernissen, die uns in den Weg gelegt werden, aufrecht zu erhalten – immerhin liebe ich ihn -  doch mittlerweile frage ich mich, ob Liebe für eine gut funktionierende Bindung  reicht? Sieht eher weniger danach aus…

„Das mit uns hat ja noch nicht mal richtig angefangen und wir sind nur am streiten“, motze ich ungehalten, nicht achtend ob uns mittlerweile jemand zu hört, denn im laufe der Zeit sind wir um einiges lauter geworden. „Weißt du was ich glaube? Wir beenden diese Beziehung lieber gleich. Es wäre doch allen nur recht.“ Diesmal bin ich derjenige der sich total in Rage redet.

„Fein“

„Fein“, ächze ich.

Aufgewühlt erhebe ich mich, gehe geradewegs den Weg zurück aus dem ich kam, wobei ich draußen auf die kleine Gruppe versammelter Teenies stoße, die mich hysterisch nach Fotos fragen. Ich bin gerade nicht im Stande gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Die Meute kann mich mal kreuzweise. Worüber ich mir erstmal klar werden muss…habe ich mit Bill eben wirklich Schluss gemacht? Und hat er auch noch zugestimmt? So war das nicht geplant!

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