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Kapitel 48 (Ariean)

~Bills Sicht~

 Verschlafen öffne ich die Augen. Ich fühle mich gut, erleichtert und müde, aber dennoch kann ich nicht wieder einschlafen. Warum, liegt auf der Hand, denn meine Wärmequelle, die bis eben noch bei mir war, liegt nicht mehr neben mir. Du bist gerade eben aufgestanden und ich höre dich, wie du die Treppe runter gehst. Mit dir ist das Gefühl der Geborgenheit verschwunden und Kälte macht sich an der Stelle breit, an der du bis eben noch gelegen hast.

Seufzend drehe ich mich auf den Rücken, starre an die weiße Decke und genieße für einen Augenblick die Stille, die im Raum liegt. Warum bist du nicht bei mir liegen geblieben? Deine Wärme und deine Anwesenheit sind viel angenehmer, als die Leere, die sich nun langsam ausbreitet. So kann und will ich auch nicht wieder einschlafen.

Ergeben reibe ich mir einmal kurz über meine Augen, bevor ich langsam einen Fuß unter der Bettdecke hervor Richtung Bettkante schiebe und dabei feststellen muss, dass es mir eigentlich zu kalt ist, um aufzustehen. Vielleicht sollte ich doch noch etwas dösen? Ich beschließe dies wirklich zu tun und ziehe meinen Fuß noch einmal unter die Bettdecke, schließe die Augen und träume vor mich hin, doch das Entspannen will mir nicht so ganz glücken.

Nach endlosen fünf Minuten gebe ich schließlich doch auf und verlasse mein warmes Nest, in dem ich kurz und schmerzlos einfach die Decke von mir schmeiße und hastig aufstehe. Eine Gänsehaut legt sich auf meinen Körper und bibbernd suche ich mir schnell ein Shirt und eine Hose raus. Ich achte dabei nicht groß darauf, welche Farbe und wie ich damit aussehe, dass ist mir im Moment eh egal, ich werde ja auch in der Wohnung bleiben und schlurfe schließlich in Richtung Treppe.

Schon von Oben kann ich hören, wie du dich mit Tom in der Küche unterhältst. So lange war mein Bruder also gar nicht weg. Anscheinend hatte ich wirklich Recht damit, dass das vorhin nur eine Ausrede seitens Georg war um uns Zeit zur Aussprache zu geben. Hat ja immer hin geklappt, auch wenn ich mir trotzdem nicht ganz sicher bin, ob ich alle deine Zweifel beiseite räumen konnte. Du machst dir da wohl ernsthaft immer noch wahnsinnige Sorgen drum, ob ich dir wirklich und ganz verziehen habe. Ich hoffe ich konnte dir die Zweifel wenigstens etwas nehmen und ich werde mich auch weiterhin bemühen, dies zu tun. Es belastet unsere Beziehung ja auch, ob man nun will oder nicht, aber es schwingt immer etwas mit sich.

Ich stocke, als ich am Fuße der Treppe angekommen bin und nun eure Stimmen genau verstehen kann. Kein Wunder, die Küchentür liegt ja auch direkt am Flur. Doch das, was mich stocken lässt ist nicht nur die Tatsache, dass ich nun eure Stimmen verstehe, sondern viel mehr das Thema, um welches es sich im Gespräch zu handeln scheint.

„David kam in einem sehr ungünstigen Zeitpunkt reingeplatzt“ höre ich dich zu Tom sagen, der auch sogleich antwortet:

„Ach deshalb ziehst du so ein Gesicht, dann kann ich deine schlechte Laune verstehen.“ Erstaunt hebe ich eine Augenbrauche. Nie hätte ich gedacht, dass du mit meinem Bruder darüber reden würdest und anscheinend ist das hier auch nicht der Anfang des Gespräches darüber. Eigentlich ist das doch meine Arbeit, oder? Ich meine, irgendwie ist es mir peinlich, das so zu hören, auch wenn Tom es früher oder später von mir erfahren hätte. Das ist ja auch was ganz anderes, schließlich sind wir Zwillinge und erzählen uns alles.

„Tja, kann man nichts machen, das haben wir uns selbst zuzuschreiben, wir hätten besser aufpassen müssen.“ Automatisch muss ich kurz nicken und beschließe, mich jetzt weiter in die Küche zu begeben und mich wenigstens am Gespräch zu beteiligen. Es geht mich schließlich auch was an.

„Das ändert jedoch nichts daran, dass du dringend Sex brauchst.“ Ruckartig bleibe ich im Türrahmen stehen und sehe, wie Tom dich ernst anschaut. Was soll das jetzt heißen?

„Sag das nicht so.“ Meine Kinnlade macht sich selbstständig und mit offenem Mund mustere ich die beiden Personen, die mich gar nicht wahr zu nehmen scheinen und ziemlich in ihr Gespräch vertieft sind. Es stimmt also, was Tom da eben behauptet hat? Es war also nicht einfach so daher gesagt? Wie lange reden die eigentlich schon? Leicht angesäuert schnaufe ich aus.

„Wieso, ich hab doch Recht mit meiner Feststellung!“

„Schön, dass ich das auch mal erfahre!“ in mir hat sich plötzlich Wut ausgebreitet und längere Zurückhaltung war nicht mehr möglich gewesen. Was soll das eigentlich hier? Wieso muss ich durch ein Gespräch, dass ich durch Zufall mitbekomme und eigentlich noch nicht mal für meine Ohren bestimmt war, erfahren, dass mein Freund Sex braucht? Ich habe ihn vorhin doch selber noch gefragt, ob ich es ihm gleichtuen und ihn auch befriedigen sollte, aber er hat abgelehnt.

„Wie lange stehst du schon da?“ Zwei erschrockene Augenpaare kleben an mir und ich funkel’ nur böse zurück. Kann mir mal einer erklären was das soll?

Lang genug. Toll, dass du solche Dinge lieber mit meinem Bruder und nicht gleich mit mir besprichst!“ Meine Stimme hat sich genauso wie meine Stimmung verdunkelt, sodass ich auf dem Ansatz kehrt mache und schnellen Schrittes Richtung Haustür gehe. Ja, wieso klärst du lieber meinen Bruder über deine Verfassung auf als mich? Das muss ich doch nicht etwa verstehen, oder?

„Bill, warte!“

Ich ignoriere ihn. Mir ist im Moment egal, ob wir uns nun eigentlich unauffällig verhalten sollen und möglichst nicht viel draußen ohne Verkleidung rumspazieren sollen, denn ich habe gerade das starke Bedürfnis hier dringen raus zu kommen und zu großartigem Verkleiden und sonstiges habe ich auch nicht wirklich Zeit, denn ich höre, wie in der Küche ein Stuhl zurück geschoben wird und hastige Schritte folgen.

Die Schnürsenkel meiner Schuhe einfach offen lassend reiße ich die Haustür auf und mache mich auf den Weg durch den kurzen Hof auf die Straße. Gehört zu einer Beziehung nicht auch Vertrauen? Wollten wir uns nicht jetzt gegenseitig vertrauen können und miteinander reden? Das funktioniert ja schon echt gut, wie man eben gesehen hat.

Bill, jetzt bleib doch mal stehen!“ Hinter mir vernehme ich dich und auch, dass ich das knirschende Geräusch von Schuhen auf Asphalt vernehme bestätigt, dass du mir weiterhin folgst.

Ich weiß nicht, ob ich dich gleich anschreien werde, wenn du bei mir ankommt, denn mein Körper zuckt gerade nur so vor unterdrückter Enttäuschung und Wut, aber dennoch bleibe ich stehen und warte mit dem Rücken zu dir gedreht auf dich. Einholen würdest du mich eh früher oder später und auf einen Wettlauf habe ich auch keine Lust. Dieses ständige Weglaufen vor unangenehmen Dingen ist sowieso eine ziemlich schlechte Angewohnheit von mir der ich nur schwer widerstehen kann.

„Bill“, schnaufend umrundest du mich, bleibst vor mir stehen und schaust mir flehend in die Augen „Lauf doch nicht gleich weg, lass uns doch drinnen darüber reden, okay?“ Hilfe suchend legst du eine Hand auf meine Schulter und deutest zurück in Richtung Tür, die immer noch offen steht.

„Ich hab keinen Bock da jetzt drüber zu reden, klar? Du willst, dass ich nicht mehr von dir enttäuscht bin und dass ich dir vertraue und dann kriege ich so was mit? Glaubst du wirklich, dass das jetzt sinnvoll war?“ Ich trete einen Schick zurück, sodass deine Hand schlaff von meiner Schulter rutscht.

„Ist es etwa zu viel verlangt, dass du mir sagst, was du brauchst und es nicht erst meinem Bruder erklärst? Ist es etwa zu viel verlangt mit mir über wichtige Dinge zu reden, die wohl uns beide was an gehen, hä? Ich habe dir gesagt, dass ich dir vertraue, dass ich dir auch glaube, dass so ein Ausrutscher wie mit Mia nicht noch einmal passiert und dass ich dir verziehen habe auch, aber ich dachte eigentlich, dass du von jetzt an auch andere Probleme mit mir besprichst. Aber ich hab mich da wohl getäuscht.“ Ich habe mich völlig in Rage geredet, sodass sich mein Pulsschlag und auch mein Atem verschnellert haben. Enttäuscht, ja, das bin ich von dir, denn eigentlich hatte ich erwartet, dass jetzt alles Berg auf gehen würde. Die Sache, dass Mia uns jeder Zeit auch noch eins reinwürgen kann und es auch schon getan hat, bringt mein Konzept des „Alles wird wieder gut“ schon genug durcheinander, warum musst du deinen Senf jetzt auch noch dazu tun?

„Bill es tut mir leid, es war mir halt etwas peinlich und du warst vorhin ja auch so erschöpft und bist sofort eingeschlafen… aber lass uns das doch nicht hier bereden, ja?“ Unruhig guckst du dich um, wahrscheinlich mit der Befürchtung, hinter jedem Busch könnte ein Paparazi sitzen.

„Nein, wirklich Gustav, jetzt möchte ich nicht rein und darüber reden. Ich bin enttäuscht und das kannst du gerade nicht ändern. Wie würdest du dich denn fühlen, wenn ich zu Georg ginge und mit ihm über meine Beziehungs- und Sexprobleme reden würde? Ja genau, da käme dir wahrscheinlich auch gleich die Frage, weshalb ich damit nicht gleich zu dir gekommen bin. Ich jedenfalls gehe jetzt.“ Ich bewege mich weiter aus dem Hof heraus und lasse dich mit deinem verzweifelten und entschuldigenden Blick links liegen. Bin ich zu gemein? Sollte ich dir vielleicht nicht doch eine Chance zum erklären geben?

Nein, finde ich nicht, denn im Moment ließe es sich eh nicht mit mir reden. Ich bin noch zu sauer, zu aufgewühlt und du sollst ruhig merken, dass du einen Fehler begangen hast. Ich will dir ja vertrauen, aber durch solche Aktionen machst du es mir unheimlich schwer. Als wenn unsere sonstige Situation nicht schon schwer genug währe.

Anscheinend hast du eingesehen, dass ich gerade nicht bereit bin mit dir zu reden, denn du läufst mir nicht weiter nach und bleibst einfach nur an der Stelle stehen und schaust mir hinterher. Ich kann deine Blicke spüren und weis, dass du hier am liebsten auf der Stelle mit mir reden würdest, wenn wir nicht berühmt währen und zur Zeit nicht sowieso schon wegen einem gewissen Skandal aufpassen müssten, was wir sagen und wie wir handeln.

Da ich nun erstmal Ablenkung brauche, marschiere ich weiter und mache erst an einem Café halt. Die Leute starren mich nicht unauffällig an, doch trotzdem beschließe ich, mich dort hinein zu setzen und mich erstmal zu beruhigen. Von meinem inneren rundum vorhanden gewesenen Wohlbefinden, welches ich noch vor weniger als einer halben Stunde hatte, merke ich leider überhaupt nichts mehr und durch die Aufregen ist auch die Müdigkeit aus mir gewichen.

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