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Kapitel 47 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

Mit einem weiteren lauten Seufzen schließe ich die Augen und hauche Bill einen leichten Kuss auf den Hinterkopf. Er hat sich im laufe der letzten halben Stunde in der Umarmung umgedreht, sodass er nun mit dem Rücken zu mir liegt und meine Hand fest umschlossen auf seinem Bauch hält. Erstaunlich welch ein fester Schlaf plötzlich über ihn hereinbrach, obwohl es gerade Mal um die vier Uhr am Nachmittag ist. Jedoch, in den letzten Tagen gab es relativ wenig Gründe für einen langen und ruhigen Schlaf und noch dazu schlief er die letzte Nacht auf einem Stuhl, was ich mir nicht gerade als sehr gemütlich und erholsam vorstelle. Doch nun liegt er friedlich schlafend und mit einem entspannten Ausdruck im Gesicht in  meinen Armen.

Aber wieso fühle ich mich immer noch so schlecht dabei, obwohl wir hier so friedlich beisammen liegen? Und außerdem hat mir Bill doch verziehen. Das ist doch zum Haare raufen. Ich bin bescheuert, eigentlich sollte ich mich glücklich schätzen. Bill hat mit seinen Worten so Recht, das muss ich mir eingestehen, egal wie schwer es mir auch fällt. Ich kann mir selbst einfach nicht vergeben. Wie soll ich das anstellen? Vielleicht braucht es nur Zeit, ich sollte mich nicht zu sehr unter Druck setzen. Ich muss Bill zeigen, dass ich ihm niemals mehr fremdgehen werde, erst dann kann ich mit mir selbst wieder Frieden schließen und stehe mit meinem Körper im Einklang.

Die prickelnde Situation unter der Dusche und auch die tolle Tanzeinlagen, haben mir zu deutlich vor Augen geführt, wie verfallen ich ihm bin. Alles in mir verzehrt sich nach ihm, er ist wie eine Droge von der man nicht los kommt und ich möchte ja auch überhaupt nicht von ihm los kommen.

Leicht frustriert beiße ich mir auf die Unterlippe. Ich fühle mich gerade ziemlich unbefriedigt. Wer würde das nicht an meiner Stelle. Gleich zweimal wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen werden, obwohl man gerade so richtig in fahrt war.  Es ist auch schon etwas her, als ich mich das letzte Mal richtig fallen lassen konnte. Die Schuld liegt nicht bei Bill. Die Umstände lagen für uns nicht sehr günstig. Bill bat mir zwar an sich um mein Problemschin in der unteren Region zu kümmern, aber man sah ihm deutlich an wie Hunde müde er ist und ich möchte nicht von ihm befriedigt werden, nur weil er sich verpflichtet fühlt. Das hab ich jetzt davon!

Vorsichtig löse ich mich aus Bills Griff, was sich als kein einfaches Unterfangen herausstellt. Ihn mag alles zu erschöpfen, mich hingegen bringen die Ereignisse innerlich in ziemliche Wallung und an Schlaf ist da nicht zu denken. Vielleicht besteht ein Fünkchen Hoffnung und einer der beiden Andren ist wieder da, jemand der mich etwas ablenkt, ansonsten kratz ich David bei der nächsten Begegnung die Augen aus. Ja, ich gebs zu, ich bin eine Zicke und wenn’s sein muss kann ich auch eine so richtige Zicke sein. Jeder mag denken durch Bills Divahaften Aussehen sei er die größte Zicke in der Runde, doch da irren sich alle gewaltig. Wie sagt man so schön, Stille Wasser sind tief. Trifft voll und ganz auf mich zu.

Angesäuert richte ich meine verrutschte Jogginhose zu Recht und schlurfe geradewegs in die kleine Küche. Mein Oberkörper pragt nackt hervor. Sollte sich jemand daran stören, nicht mein Problem. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir endlich wieder ein paar Auftritte haben, damit wir alle ein bisschen auf andere Gedanken und auch etwas hier raus kommen. In der Küche treffe ich ein Glück auf keinen motzenden David.  Mit einen Griff in den Kühlschrank hole ich mir eine Flasche Wasser, trinke achtlos aus dieser und lasse mich schließlich leise grollend auf einen der Stühle nieder.  Den Kopf in den Nacken geworfen starre ich ziellos an die Decke.

Ist die schlechte Laune der unhöfflichen Störung Davids zu verdanken oder bin ich schlicht und einfach nur sexuell unbefriedigt? Der letzte Austausch intimer Zärtlichkeit ist schon ziemlich lange her und die Aussicht endlich mal wieder ungestört zu sein, sieht schlecht aus. Ich möchte so gerne Bills Körper besser erkunden, ich möchte jeden einzelne Stelle seines Körpers berühren und küssen, ich will dass er mir allein gehört, wenn er in meinen Armen wie süßer Honig zergeht. Doch dazu müssten wir erstmal ungestört sein. Unsere Beziehung kommt in letzter Zeit etwas zu kurz.

Bei meinen nicht ganz jugendfreien Gedanken werde ich schlagartig knallrot im Gesicht. Seit wann denke ich soviel über Sex nach?

Kopfschüttelnd richte ich mich in eine anständige sitzenden Position zurück, da ich die letzten Minuten so in Gedanken versunken nicht bemerkt habe, wie ich immer mehr auf dem Stuhl runter rutschte und am ende mehr lag als saß. Stöhnend knalle ich die Flasche Wasser auf den Tisch. Gleich darauf erschrecke ich zu Tode, als ich Tom schief lächelnd und ebenfalls auf einen der Stühle mir gegenüber sitzend entdecke. Heilige scheiße wann ist er hier rein gekommen und warum habe ich ihn nicht kommen hören?

„Scheiße Tom“, ätze ich vor schreck heiser. „Erschreck mich nie wieder.“

Lachend beugt sich Tom nach vorne und sieht mich einem seltsam Grinsen an. „Na, wo war der Herr denn mit seinen Gedanken? Du hast doch nicht etwa an etwas schweinisches gedacht“, empört sich Tom gespielt, worauf ich ein verächtliches Zischen von mir gebe. „Aber so rot wie du geworden bist und es auch jetzt bist, liege ich mit meiner Vermutung wohl richtig.“

Murrend drehe ich demonstrativ meinen Kopf zur Seite und muss leider feststellen, dass die Röte in meinen Wangen immer noch bestehend bleibt. Diese Schamröte ist ätzend, sie taucht immer dann auf, wenn man sie am wenigsten benötigt. Noch finstere schauend und vor mich hin murrend lehne ich die Stirn auf die Tischplatte ab.

„Alles okay mit dir, Gustav?“

„Nichts ist okay“, fauche ich eine Spur zu heftig, schelle mit dem Kopf nach oben und greife nach der Wasserflasche. Ich vermeide es Tom ins Gesicht zu sehen, da dieser mich gerade fragend und gleichzeitig Stirnrunzelnd mustert. Leicht nach oben schielend bemerke ich unbehaglich Toms fettes Grinsen. Nicht gut.
 

„Ich kenne diesen Gesichtsausdruck“, meint er zwinkernd, worauf ich sofort wieder den Blick senke. „So schaut nur jemand, der sexuelle frustriert und unbefriedigt ist.“

Bin ich so leicht zu durchschauen? Tom kennt sich in diesem Gebiet gut aus, vielleicht sollte ich ihn mal nach einem Rat fragen? Um Himmels willen das werde ich nicht. Ich kann doch nicht mit dem Bruder meines Freundes über unserer kaum vorhandenes Sexualleben sprechen. Außerdem wäre es mir unangenehm zu wissen, dass er so gut darüber bescheid wüsste.

„Red kein Unsinn.“ Knurrend streiche ich mir übers Gesicht.

Tom zieht überrascht die Augenbrauen nach oben. „Ich hab recht, aber du willst nicht mit mir darüber sprechen“, stellt er fest, „du weißt aber schon, dass ich spätestens von Bill alles erfahre, also macht es keinen Unterschied, ob du es oder er es mir nun erzählt.“

In solchen Momenten hasse ich Bill dafür. Warum erzählen sich Zwillinge nur alles, ich will gar nicht wissen was Tom bereits alles mitbekommen hat. Man könnte meinen ich führe eine Beziehung mit beiden.
 

Stöhnend lege ich meinen Kopf auf die kühle Tischplatte ab und schließe die Augen. Ich kann doch nicht mit Tom darüber reden…oder…?

„Ach, komm erzähl mir wie mein Bruder sich im Bett so macht“, meint er mit einer versaut klingenden Stimme und auch wenn ich ihn nicht ansehe, kann ich regelrecht sein breites, versautes Grinsen auf mir spüren. Ich frag mich, ob auch noch andere Dinge außer Sex in seinem Kopf bestehen?

„Das wüsstest du wohl gern“, brumme ich verstimmt und wende meinen Kopf so, dass ich Tom halbwegs im Visier habe. Ich wusste es, er hat ein breites Grinsen drauf. „Es läuft momentan alles einfach nur drunter und drüber und ja du hast recht unser Sexleben kommt da auch etwas zu kurz.“ So jetzt ist es raus, das wollte er doch wissen. Verlegen und mit einem Hauch Rotschimmer auf den Wangen drehe ich das Gesicht wieder aus seinem Blickfeld weg. „Und ich fühle mich wegen der ganzen Sache immer noch so verdammt schuldig, obwohl mir Bill beteuert, dass er mir verziehen hat“, spreche ich weiter und seufze wie so oft laut auf.

„Hm“, meint Tom überlegend. „Es hat mich eh sehr überrascht wie schnell dir Bill diesen Seitensprung verziehen hat.“ Danke welch eine Aufmunterung, super. „Wenn er das tut, muss er wirklich sehr an dir hängen, aber ich rate dir es nie wieder tu tun.“

„Danke, das hatte ich auch nicht vor“, unterbreche ich ihn knurrend und beiße mir auf die Unterlippe.  Meine Laune ist jetzt noch ein Etage tiefer gesunken.
 

„Gut sonst bekommst du von mir richtig ärger.“
 

"Das baut mich jetzt aber auf“, muffle ich sarkastisch und starre das Braun der Tischplatte unmittelbar vor mir an. Ich will mit Bill sofort auf ein Hotelzimmer verschwinden und es den ganzen Abend treiben. Hört sich mal jemand meine vulgären Gedanken an, ich mutiere langsam. Georg und Tom haben definitiv keinen guten Einfluss auf mich. Gustav reiß dich am Riemen und quengle nicht wie ein kleines törichtes Kind rum.
 

„Ist etwas vorgefallen, wovon ich nichts weiß?“, trifft Tom auch diesmal den Nagel auf den Kopf. Er macht mir angst, kann er Gedanken lesen oder bin ich einfach so leicht durchschaubar?

Was habe ich zu verlieren…

„David kam in einem sehr ungünstigen Zeitpunkt reingeplatzt“, murmle ich verlegen und bin dankbar Tom gerade nicht anzusehen. Mein Kopf muss rot wie eine Tomate sein, noch dazu glühen meine Ohren verdächtig.

„Ach deshalb ziehst du so ein Gesicht“, macht mein Gegenüber verstehend. „Dann kann ich deine schlechte Laune verstehen.“

„Tja, kann man nichts machen“, finde ich und hebe den Kopf wieder von dem Tisch hoch. „Das haben wir uns selbst zuzuschreiben, wir hätten besser aufpassen müssen.“

Die Wahrheit muss ich mir immer vor Augen behalten, wir waren zu unvorsichtig und dachten weil wir im Ausland sind, uns schon keiner erkennen wird. Ein großer, verheerender Fehler wie man sieht.

„Das ändert jedoch nichts daran, dass du dringend Sex brauchst.“

Angewidert über die direkte, vulgäre Ausdrucksweise verziehe ich das Gesicht und konfrontiere mich mit dem wissenden Grinsen Toms. Ich hasse es, wenn er mich so leicht durchschaut.

„Sag das nicht so“, murmle ich mich ertappt fühlend. Vielleicht plagt mich mein schlechtes Gewissen nur weiterhin, weil wir seither keinen Versöhnungssex hatten. Kann doch sein. Ich hätte niemals gedacht das Sex jemals so sehr mein Denken beeinflusst. Bill ist der einzige, dem ich je die drei magischen Worte sagte und genau aus diesem Grund möchte ich so oft wie möglich meine Zeit mit ihm alleine verbringen, ist das so schlecht?

„Wieso“, zuckt Tom mit den Schultern, „ich hab doch Recht mit meiner Feststellung!“ Seufzend nicke ich darauf ergebend und spüre wie ich abermals ein kleines bisschen rot um die Nase werde.

„Schön, das ich das auch mal erfahre“, zischte es uhrplötzlich eisig vom Eingang, worauf ich erschrocken meinen Kopf zur Seite rucke und Bill dort sauer dreinblickend und mit verschränkten Armen stehen sehe. Hat er nicht eben noch tief und fest geschlafen?

„Wie lange stehst du schon da?“, fragte ich heiser, da mir auf Anhieb nicht besseres einfällt, Ich Idiot!

„Lang genug“, knurrt der Schwarzhaarige. „Toll, dass du solche Dinge lieber mit meinem Bruder und nicht gleich mit mir besprichst!“
Wütend macht er kehrt und verläst die kleine Küche.

„Bill, warte!“, rufe ich panisch hinterher und jampe los.

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