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Kapitel 44 (Ariean)

 ~Bills Sicht~
 

Mit Davids Verschwinden kommt die betretene Stille. Niemand traut sich etwas zu sagen.
Davids Worte gehen mir noch einmal durch den Kopf und seufzend bleibe ich an dem Vorwurf hängen, wir hätten nichts dagegen unternommen. Es stimmt wirklich nicht so ganz, wie du bereits ohne genauere Erklärung gesagt hast, aber für welchen Preis? Unser Streit war schlimm und ich hätte ihn gerne nie erleben müssen, doch manchmal frage ich mich auch, was Mia gemacht hätte, wenn du nicht so gehandelt hättest. Und was hätte sie gemacht, wenn ich ebenfalls auf sie eingegangen wäre? Ist diese ganze Aktion nicht vielleicht sogar eine Rache gegen mich, weil ich mich nicht ihrem Willen gebeugt habe? Ginge es uns allen nicht vielleicht besser, hätte ich mich auch geopfert?

Wieder einmal Fragen, die man mir nicht beantworten kann, denn das Schicksaal hat anders entschieden und wer weiß schon, ob wir beide mit so einer Tat wieder hätten zueinander finden können, oder ob Mia  dieses Theater nicht trotzdem veranstaltet hätte? Eine gute Schlagzeile; die gibt eine Reporterin doch nicht einfach für so etwas auf, und vor allem dann nicht, wenn es sich hierbei um Tokio Hotel und einen Beweiß, der von Anfang an herrschenden Schwulengerüchte geht.

„Hey Leute, ich geh dann mal jetzt! Wollte mich noch mit wem treffen!“ verkündet mein Bruder nach einiger Zeit und auch Georg erhebt sich.

„Jo, ich auch, also wir sehen uns!“ Damit verschwinden die beiden auch schon wieder und ob Toms Aussage Teils auch eine Flucht ist, oder er und Georg sich wirklich noch mit wem treffen wollen, ist mir dabei so ziemlich egal. Was ich weiß ist nur, dass wir jetzt wieder alleine und immer noch stillschweigend in der Küche sitzen und streng die Tischplatte mustern.
 

Mit dieser Erkenntnis wandert mein Blick zu dir und bleibt an deinen abgewandten, bedrückt wirkenden Augen hängen. Es ist der Selbe betrübte Blick, wie ich ihn heute schon einmal an dir gesehen habe und er stimmt mich ebenfalls traurig.

"Gustav? Willst du mir jetzt sagen, was dich bedrückt? Du weißt doch, dass du mir vertrauen kannst!“ Einen Kurzen Augenblick richten sich seine Pupillen auf meine, bevor sie möglichst schnell wieder betreten den Tisch anstarren.

„Hm…“ Kommt es leise aus deiner Richtung und ein Arm beginnt deinen Kopf zu stützen, welchen du auf deiner Handfläche abgelegt hast. „Ich weiß nicht, mir wird das alles gerade etwas zu viel. Erst die Erkenntnis, dass ich mich für einen Jungen interessiere, dann Mia, dann der Streit und jetzt diese Scheiße! Das ist doch alles zum kotzen, oder etwa nicht? So hab ich mir unsere Beziehung nicht vorgestellt!“

„Ja, ich auch nicht!“ meine Stimme ist auf Grund des Themas leiser geworden und ich spüre, wie ein dicker Kloß in meinem Hals heran wächst. „Ich meine, es war von Anfang an zwar klar, dass es nicht einfach werden würde, aber mein Gott, so habe ich es mir auch nicht träumen lassen. Wir können es bloß nicht mehr ändern Gustav.“

Mühsam stehe ich auf und warte, dass du meiner Tat folgst, was auch gleich passiert. Dann trete ich neben dich und schließe dich in meine Arme. Eine zarte Gänsehaut legt sich auf meine Haut, während ich deinen inzwischen so vertrauten und geliebten Geruch einatme und dir behutsam mit den Fingern über dein Rücken streiche. Ist es wirklich nur das, was dich bedrückt, oder ist dies nicht deine einzige Sorge? Ich weiß, wir haben es nicht leicht und werden es nie leicht haben, aber trotzdem will ich das schönste aus unseren gemeinsamen Moment machen. Wir haben uns für diesen Weg entschieden und ich will ihn weiter gehen, auch wenn uns noch so viele Steine in den Weg gelegt werden. Ich hoffe, du willst das auch, denn allein hätte es keinen Sinn.

„Ja“ seine Antwort klingt seltsam leise und verschüchtert in mein Ohr genuschelt „Ja, aber manche Sachen würde ich gerne rückgängig machen! Nicht alles, aber manches halt, wie das mit Mia uns so. Du sagst zwar, du hättest mir verziehen, aber ich merke doch manchmal, wie du auf Abstand gehst. Du konntest doch gestern nicht mal neben mir im selben Bett schlafen. Das tut mir so verdammt leid und ich kann dich gut verstehen, aber ich würde es so gerne…“

Meine Finger haben sich auf deinen Mund gelegt, während ich dich durchdringend ansehe. Was redest du da wieder für einen Quatsch!

„Gustav, das heute Nacht… ich wollte dich nicht im Glauben lassen, dass ich Abstand will, echt nicht. Es war wirklich so, wie ich dir gesagt habe; ich habe da gesessen und dich betratet und wenn du es genau wissen willst, dann habe ich sogar versucht, dich zu Zeichnen. Es war nicht geplant auf dem Stuhl einzuschlafen- es war nicht geplant, dich alleine in meinem Bett zu lassen.“

Zweifelnde Augen mustern mich und stöhnend löse ich nun die Umarmung und reibe mit meinen Fingern meine Schläfen.

„Du glaubst also wirklich, dass ich dir noch nicht  vollständig verziehen habe und abstand suche? Nein, dann hätte ich dich gestern nicht mit auf mein Zimmer genommen. ICH habe dir wirklich verziehen und klar schmerzt es, wenn ich daran denke, was du gemacht hast, aber ich kann inzwischen drüber hinweg sehen. Ich glaube allerdings, dass in dir noch ein ganz anderes Problem steckt, bei dem ich dir leider nicht helfen kann. Was dir noch fehlt ist, dass DU dir verzeihst!“ Ein unterdrücktes Schluchzen dringt an mein Ohr und ist somit eine Bestätigung für meine Aussage. Ich hatte also recht mit meiner Befürchtung.

„Bill, ich glaub dir ja, dass du mir verzeihst, aber du hast Recht, ich habe das Gefühl, nicht gut genug für dich zu sein! Du hast gegen Mia standgehalten und dich nicht rumkommandieren lassen, und ich? Ich schon. Ich wollte diese Fotos um jeden Preis löschen und bin auf ihr Angebot angestiegen, ohne mir die genauen Konsequenzen vor Augen zu halten und ohne daran zu denken, was mit uns danach geschieht. Ich bin schuld an dem Streit und ich bin Schuld, dass du dich jetzt ständig fragen musst, ob ich so was noch mal machen würde. Ich bin an allem hier schuld, nicht du, und ich fühle mich auch immer so!“ Deine Worte scheinen mich anzugreifen, auch wenn sie nicht gegen mich gerichtet sind. Sie scheinen mir so falsch und blind dahergesagt, dass ich die Woge des Zorns in mir nicht unterdrücken kann.

„Ach ja? Du meinst also, du allein bist schuld? Nein, ich bin genauso schuldig wie du! Was glaubst du, weswegen Mia wohl gleich die Bilder veröffentlicht hat, als sie wieder hier in Deutschland war? Weil ich mich ihr nicht gebeugt habe. Du meinst, ich wäre stark gewesen, doch du hast vielleicht auch Stärke bewiesen, indem du die Fotos für unsere Zukunft vernichten wolltest. Nicht die schönste Weise, aber du hattest das im Kopf und ich? Das war mir da doch so ziemlich egal, was mit den Fotos ist oder nicht und ich hätte zu dem Zeitpunkt schon wissen müssen, dass diese Fotos verheerende Folgen haben würden, aber daran hab ich gar nicht so bewusst gedacht! Ich will nicht abstreiten, dass du überhaupt keine Schuld trägst, aber die trägst du bestimmt nicht alleine. Zu so was gehören immer noch zwei, und das sind wir beide! Wir beide waren am Strand nicht vorsichtig genug und wir beide haben danach noch weitere Fehler begangen, aber was soll’s? So ist das Leben. Jeder macht Fehler, jedem passiert etwas, dass nicht so ganz nach Plan und Wunschvorstellung geht, manchen halt mehr und manchen weniger. Wir hatten schon verdammt Glück mit unserer Kariere, wir können leider nicht überall nur Glück haben. Gustav, jetzt mach dich mal locker! Ich weiß wir sind in einer scheiß Situation und ich will sie auch garantiert nicht verherrlichen, aber ich habe keinen Bock, das wir uns weiterhin Tag für Tag Vorwürfe machen, denn ändern lässt sich rein gar nichts mehr. Ich hätte mir so Manches auch gerne erspart, aber es geht halt nicht immer alles wie man will und ich liebe dich trotzdem noch, genügt das nicht erstmal?“ Meine laute Stimme hallt kurzweilig durch den Raum, während du mich geschockt ansiehst. Du hast anscheinend nicht damit gerechnet, dass mich dieses Thema so in Rage versetzt, aber ich habe langsam echt genug davon.

Ich hole tief Luft, bevor ich wieder mit dem Sprechen beginne- dieses Mal aber nicht ganz so laut und nicht so aggressiv, eher sanft und beruhigend.

„Also komm, lass uns das ganze nicht noch schwerer machen als es ist, ok? Unsere Nerven liegen blank und ich glaube wir machen uns viel zu viele Gedanken. Das Mia- Problem ist erst einmal aufgeschoben, das sollte uns immerhin freuen, und auch wenn wir wissen, das wir auf der Hut sein müssen und jeder Zeit mit weiteren Fotos rechnen können, lass uns wenigsten einen kurzen Augenblick entspannen. Gestern Abend hat das doch immerhin auch ganz gut geklappt!“ Das Glitzern aus deinen Augen ist inzwischen wieder verschwunden, auch wenn das Lächeln, welches sich nun auf deine Lippen legt, trotzdem leicht gezwungen erscheint.

Da du mir nichts weiter erwiderst, schlage ich vor, im Wohnzimmer noch etwas Fern zu sehen, und so kuscheln wir uns wenige Minuten später im Sofa aneinander und schauen irgendeine Comedy Sendung. Aber richtig aufpassen tue ich nicht. Eigentlich sitze ich nur da, beobachte dich und genieße deine Nähe.

„Gustav?“ fragend drehst du deinen Kopf in meine Richtung, als ich mich schon wieder nicht zurück halten kann und einen Kuss beginne, der leidenschaftlicher hätte nicht sein können. Zärtlich massiere ich deine Lippen und knabber vorsichtig an ihnen, während sich die Glücksgefühle steigen, als du eben so leidenschaftlich den Kuss erwiderst und schließlich unsere Zungen einen heißen Kampf abliefern. Genießerisch verschränke ich meine Arme in deinem Nacken und lasse mich langsam nach hinten fallen- dich mitziehend. So liegst du halb über mir und deine Hände sind links und rechts von meinem Kopf abgestützt, während unsere Lippen sich weiterhin liebkosen, unsere Zungen sich neckisch antreiben und ihr Spiel auf keinen Fall unterbrechen wollen. Das Feuer in mir ist entfacht und meine Augen sind schon längst geschlossen, als ich meine verschenkten Arme löse und mit meinen Händen langsam dein T-Shirt hinab gleite. Am Saum mache ich erst einmal Halt, bevor ich dann doch mit meinen Händen unter das Shirt streife und es behutsam nach oben schiebe. Mit meinen Fingerkuppen ziehe ich sanfte Linien auf deiner Haut und unwillkürlich muss ich in den Kuss hinein grinsen, als ich eine Gänsehaut unter ihnen spüre. Dann lege ich meine Hände an deine Hüfte und drücke dich näher an mich heran. Der Abstand zwischen unseren Körpern kommt mir gerade noch viel zu groß vor.

„Bill, willst du das wirklich?“ Träge öffne ich meine Augen auf halbmast und sehe in deine verlangenden und trotzdem von Unsicherheit geprägten. Doch mit dem Begierde, dir diese Unsicherheit zu nehmen, verschließe ich deine Lippen erneut und ich merke, wie sich auch bei dir der letzte Rest Anspannung löst.

Wieder beginne ich deine freigelegte Haut zu erforschen, als sich plötzlich dein Lippenpaar von meinem abwendet und ein Keuchen entflieht meiner Kehle, als ich dieses Paar kurz darauf an meinem Hals spüre. Ein warmer Schauer durchflutet meinen Körper und unbändige Hitze macht sich in mir breit.

Will ich das hier wirklich? Die Frage ist ganz klar mit „ja“ zu beantworten, denn ich habe diese Zärtlichkeiten schon viel zu lange missen müssen. Und ich sauge sie auf, als wäre ich kurz vorm verdursten. Mein Körper schreit nach mehr und mein Kopf hat sich schon längst abgeschaltet- will nur noch das eine: Sich endlich wieder fallen lassen können.
 

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