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Kapitel 43 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

Seufzend schauen wir uns beide an. Manche Leute besitzen ein Talent immer dann aufzutauchen oder Dinge mit anzuhören, die überhaupt nicht für ihre Ohren bestimmt sind. Wie die zwei verschlafenen Vögel an der Tür, die gähnend den Raum betreten und am Tisch Platz nehmen. Ob es ihnen wirklich interessiert was wir David verschweigen oder haben sie aus einem Instinkt heraus, gar ohne wirkliches Interesse nachgefragt, denn ohne weiter darauf einzugehen fallen sie wie verhungert über das Frühstück her. Mir hingegen ist der Appetit gründlich vergangen.

Immer wenn ich an diese Mia meine Gedanken verschwende, kehrt dieses schmerzliche Ziehen  in meinem Magen zurück, mir wird immer zu schmerzlich bewusst wie leicht sie mich hat ausnutzen können. Was wenn wir David davon erzählen, wer die neugierige Reporterin auf der Pressekonferenz war, was wenn er irgendwie erfährt was ich tat, um an die Fotos zu gelangen. Ich möchte nicht dass außer Bill und mir jemand davon erfährt, abgesehen von Tom, der es von Bill erfuhr. Seltsam eigentlich, das er mir für meine Dummheit und dafür das ich seinen Bruder verletzt und betrogen habe, keine runter gehauen hat.

Unterdrückt seufzend begebe ich mich einfach schweigend, ohne eine Antwort auf das offene Thema, das träge in der Luft hängt, zu geben, Richtung Badezimmer. Ein wunder wie gut ich letzte Nacht schlafen konnte. Nachdem mich Bill mit ins Zimmer nahm, er so kuschelbedürftig neben mir lag, sehnte ich mich sehr danach mal endlich wieder intimer mit Bill zu werden. Außer dem einen ersten Mal am Strand, blieb es ganz schön auf der Strecke. Ich schätze, egal wie schön es auch war, prägt dieses Ereignis einen schwarzen Schatten. Noch dazu kann ich es nicht, ohne andauernd an Mia denken zu müssen. Immer wenn ich versuche weiter, als nur ein bisschen Küssen und Kuscheln zu gehen, tauchen die Bilder, wie ich Bill mit ihr betrog, vor meinen Augen auf. Jedes Mal plagen mich die Gedanken und egal wie sehr ich auch mit ihm schlafen möchte, halten mich die Erinnerungen davon ab. Noch dazu plagt mich mein schlechtes Gewissen. Möchte Bill überhaupt nachdem mit mir schlafen?

„Gustav, stimmt etwas nicht?“ Trotz der Woge des Glücks, die mich beim Klag seiner Stimme durchströmt, stechen von außen her viele kleine Nadeln auf mich ein. Die jetzige Situation ist schrecklich. Nicht mal das Gefühl der Verliebtheit, die einen in den ersten Wochen überrollt, wenn man die Finger vom Anderen nicht lassen kann und glaubt zu sterben, wenn der Andere länger als zehn Minuten weg ist, können wir voll und ganz genießen. Wir können es gar nicht genießen. Keiner dieser schönen Dinge dürfen wir auskosten, wie soll es einem dabei schon gehen…

Die Zärtlichkeit in der Stimme meines Partners verblüfft mich, sodass ich ihm langsam mein Gesicht zuwende. Bill steht fragend im Türrahmen, besorgt den Kopf schief legend und geduldig auf eine Antwort wartend. Ziehen wir die bedrückte Stimmung nicht noch weiter runter, als sie es eh schon ist.

„Ach“, seufze ich. „Ich hab mich in der Nacht nur so schrecklich einsam gefühlt, als der Platz neben mir leer war“ erwidere ich gezwungen lächelnd, doch dir zaubert es ein warmes Lächeln auf die Lippen. Solche kleinen seltenen Momente sollten wir ganz und gar auskosten.

Die letzte Nacht, noch so ein Punkt der mir die Wahrheit schmerzlich vor Augen führt. Weshalb lag Bill nicht mehr neben mir im Bett, sondern schlief lieber auf dem Stuhl? Dich betrachtet….war es nur eine Ausrede, um mir nicht die Wahrheit zu sagen. Hält er es nicht aus mit dem Kerl, der ihn betrogen hat, in einem Bett zu schlafen? Verständlich irgendwo, aber ich habe so gehofft einen zweite Chance zu bekommen, aber ich will nicht das er sich dabei zu etwas zwingt, was er vielleicht überhaupt nicht möchte.

Schuldbewusst läuft Bill auf mich zu, doch ehe er gar etwas dazu sagen kann, nagle ich ihn an die nächste beste Wand fest, wobei er erschrocken schreit. Herrlich solche Augenblicke. Leise lachend hauche ich einen kleinen Kuss auf die Stupsnase. Auch wenn er sich zu etwas zwingt und ich es eigentlich nicht möchte, bin ich doch schon längst von ihm besessen und könnte ohne ihn nicht mehr, doch der Gedanke plagt mich schon ganz schön.

„Ich hab heute noch gar keinen Guten Morgen Kuss bekommen“, klage ich empört und raube ihm in der nächsten Sekunde sämtliche Sinne, indem sich leidenschaftlich unsere Lippen zu einem zärtlichen Kuss verschmelzen, der mir Atem und Verstand raubt. Genießerisch die Augen schließend, koste ich Bills Geschmack vollends aus. Er schmeckt süß, wahrscheinlich trank er eben noch Orangensaft. Meine Hand gleitet an Bills Wange, streichelt die wiche Haut und legt sich schließlich um den Nacken, um ihn noch näher zu ziehen. Wären da nicht die plagenden Gedanken, würde ich gerne weiter gehen und es nicht nur bei diesem Kuss beruhen. Ich glaube ich sollte Bill darauf ansprechen, in Fragen was er möchte, um einen Ausweg aus diesem Teufelskreis zu finden.

Keuchend gebe ich ihn nach Minuten wieder frei und betrachte den ebenfalls keuchenden Körper vor mir. Die braunen Augen sind verklärt und die Rotgeküssten Lippen noch feucht und leicht geöffnet. Mit seinen hitzigen Wangen übt er einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus. Dieser Anblick sollte verboten werden. Für mich strahlt Bill die pure Erotik aus und ich schätze, wir könnten noch viele schöne, gemeinsame Stunden verbringen. Er ist so schön…

Ein Räuspern reißt und aus unserer kleinen sorglosen Welt, die mit der kleinen Störung wie eine Seifenblase platzt. Mürrisch lasse ich von Bill ab. David sieht und etwas abschätzig und misstrauisch von der Seite an. Es scheint mir er hat Probleme sich mit unserer Beziehung abzufinden, aber gut, lassen wir ihm etwas Zeit sich daran zu gewöhnen.

„Wenn ihr fertig seit wärt ich dann so nett und kommt in die Küche, ich möchte mit euch reden“, verkündet David kurz und verschwindet gleich darauf ins besagte Zimmer. Entweder er ist mit dem falschen Fuß aufgestanden oder auch er ist immer noch sauer auf uns oder, meine schlimmste Befürchtung, es gibt neunen Ärger in Bezug auf die Presse und dem Bild oder gar es gibt neue Bilder. Aber David hat keine Zeitung bei sich, schon mal ein gutes Zeichen, schätze ich.

Brummend füge ich mich meinem Schicksaal.

„Warte mal“, hält mich jedoch Bill davon ab, indem er mich effektiv am Arm packt „Was ist los, dich bedrückt doch etwas?“

„Nicht jetzt“, meine ich ruhig und schenke ihm einen unschuldigen Kuss, „Später, gehen wir erst zu den Anderen.“

Ich umgreife Bills Hand uns ziehe ihn mit mir in die Küche. Er soll sich keine Sorgen um mich machen, wo ich es doch gar nicht verdient habe umsorgt zu werden. Ich bin froh Bill mit meiner blöden Aktion im Urlaub nicht verloren zu haben. Ich verstehe es aber nicht, warum er unsere Beziehung retten will, wo ich mich doch selbst verabscheue. Dieses Vergehen haftet an mir, egal wie sehr ich auch versuche darüber hinwegzuschauen und glücklich zu sein, Bill an meiner Seite zu haben. Ich kann mir selbst nicht verzeihen, ich habe das Gefühl daran zu zerbrechen. Mal versuche ich die wenig, verbleibende Zeit mit Bill auszukosten, drängen sich die schlechten Gefühle hinzu und scheinen eine Blockade in mir auszulösen. Ich habe Bill überhaupt nicht verdient, bin jedoch nicht in der Lage ihn aufzugeben. Ohne ihn steh ich das nicht durch.

Geradewegs steuere ich die freien Stühle am Esstisch an und lasse uns beide wortlos auf diese plumpsen. Etwas unbehaglich spiele ich unter dem Tisch nervös mit meinen Füßen rum. Mir sagt etwas, es wird ungemütlich und ich mag mit meiner Vermutung Recht behalten.

„Ihr habt es gestern gut gemacht“, spricht David sein Anliegen an. „Ohne große Zwischenfälle ist es für euch ganz gut gelaufen.“

Keine Zwischenfälle kann man nicht ganz sagen, zumindest für die, die mehr über diese Mia bescheid wissen, so wie Bill und ich zum Beispiel.

„Nur eine beharrt ziemlich bockig an dem Gerücht“, fügt David hinzu und spricht das angebliche Gerücht auf eine Vilsagende Weise aus, die mir zeigt wie schlecht er mit der Neuigkeit umgehen kann. Hingegen horche ich beim Sinn des Satzes alarmierend auf. Ich kann mir denken wer so stur daran fest hält und alles tun wird Beweise zu belegen, aber eigentlich besetzt sie diese schon, was hat sie nur vor.

Nicht nur mir schießt dabei Mia sofort in den Kopf, auch Bill, der mir bedeutende Blicke von der Seite zu wirft, die mich dazu bringen sollen meinen Mund zu öffnen. Gr, der will doch nicht allen ernstes von mir verlangen, das ich David stecke wer diese Reporterin ist. Wenn wir das tun, können wir gleich unsere Koffer packen, David wir an die Decke gehen. Bin ich lebensmüde?! Einen mörderischen Blick werfe ich Bill zurück und im laufe der weiteren paar Sekunden fliegen einige seltsame Blicke zwischen uns hin und her.

Leider wird es um uns beunruhigend Still, sodass ich nervös meine Augen zurück auf das Geschehen wende. Drei Augenpaare haften fragend und besonders neugierig auf uns. Wir sollten das noch mal lernen mit dem unauffällig sein.

„Was ist?“, frage ich gespielt unwissend, und versucht locker zu sein, um meine Anspannung die droht mich langsam zu zerrissen und die mein Puls zum rasen bringt, zu verheimlichen. Warum soll ich das auch eigentlich sagen und nicht Bill, na gut ich hab uns ja dahinein geritten, also sollte ich es auch ausbaden, abgesehen ob ich es möchte oder auch nicht.

„Habt ihr uns etwas zu sagen?“, deutet David unsere Blicke richtig, lehnt sich bedeutend ernst nach vorne und legt die verschränkten Hände auf dem Tisch ab. Seine volle Aufmerksamkeit haben wir somit auf jedenfall und ich befürchte ernsthaft das Thema Mia hier und jetzt ansprechen zu müssen. Schnell husche ich nochmals zu Bill, der weiterhin mir drängende Blicke zu wirft. Na danke auch, er ist mir aber ne große Hilfe.

„Gustav, Bill, wenn es etwas damit zu tun hat, dann sagt es mir auf der Stelle, ich habe wirklich überhaupt kein Nerv für Späße und wenn ihr mir etwas wichtiges verheimlicht sagt es mir lieber jetzt, ehe ihr euch damit vielleicht noch mehr in die schieße reitet“, knurrt David säuerlich, dabei sind sämtliche Augenpaare nur auf mich gerichtet. Langsam komm ich mir hier noch wie ein Sträfling vor, obwohl der Einzige Grund für dieses ganze Tumult, die ganzen aufgescheuchten Reporter und die angespannte Stimmung zischen mir und Bill, allein daran liegt, das ich mich verliebt habe. Wenn das solch ein schlimmes Vergehen ist, habe ich verdient auf der Anklagebank zu sitzen.

„David da gibt es vielleicht eine Kleinigkeit die du wissen solltest“, beginne ich zögerlich und mache mich bereits auf großen Ärger bereit. „Nun ja.“, druckse ich rum, „Diese bockige Reporterin, auf die du ansprichst, ist die deutsche Urlauberin, die uns fotografiert hat und ich sag mal soviel, sie hat noch ganz andere Fotos.“

David fällt buchstäblich die Kinnlade hinunter, die er nach Sekunden immer noch nicht zu bekommt und es herrscht eine totenstille im Raum, die von Sekunde zur Sekunde, in der sie in die Länge gezogen wird, immer unheimlicher wird. Nur kurz schiele ich zu den Beiden Anderen hinüber, die mich vorwurfsvoll anschauen. Macht’s mir nur noch schwerer, als es eh schon für mich ist.

Plötzlich gibt es einen lauten Knall und der Tisch fängt einmal kurz an zu Ruckeln. Erschrocken zucke ich auf dem Stuhl zusammen und blicke mit großen Augen zu unserem Manager, der sich von seinem Stuhl erhoben hat und der Knall durch seine Hände die auf den Tisch aufschlugen, ausgelöst wurde. Mehr als wütend blickt er abwechselnd zu mir und Bill, der ebenfalls von Davids Reaktion eingeschüchtert ist.

„Seit ihr von allen guten Geistern verlassen, warum habt ihr mir das nicht gleich gesagt!“, zetert er los. „Ihr hättet es mir sofort im Urlaub sagen sollen und ich hätte dort noch versuchen können, dass es nie soweit kommen musste. Ihr habt sicher nicht mal versucht die Sache zu klären.“, wirft er uns klagend an den Kopf und beugt sich ein weiteres Stückchen weiter zu uns herüber. Das eklige Ziehen kehrt zurück. Am liebsten würde ich auf der Stelle lachen, denn ich finde es gerade sehr witzig. Wir haben nicht versucht es zu verhindern, wenn er wüsste WAS ich versucht habe, doch davon wird er nie erfahren, niemals.

„Doch haben wir.“, knurre ich langsam auch wütend werden und schaue absichtlich in diesem Moment nicht zu Bill hinüber, denn sonst würde ich nur den Schmerz in seinen Augen wieder sehen. „Glaub mir das haben wir, aber sie hat uns hinters Licht geführt, ich dachte die Bilder sein vernichtet, daran kann man nun mal nichts mehr ändern.“

Grollend verschränke ich die Arme vor der Brust.

„Ich möchte gar nicht wissen was das sonst noch für Bilder sind, hoffen wir für euch dass die nie an die Öffentlichkeit gelangen, sonst kommen wir ganz schön in Erklärungsnot.“, brummt David deutlich verstimmt, jedoch nicht mehr brüllend. „Ich hoffe ihr verheimlicht mir nichts mehr Wichtiges, alles andere könnt ihr für euch behalten.“

Ein letztes Mal wirft er uns drohende Blicke zu, ehe er stöhnend den Raum verläst und gleich daran die Badezimmertüre zuknallt. Fertig mit den Nerven lasse ich mich tief in den Stuhl sinken, lehne meinen Nacken an die Lehne und schließe die Augen. Ein Wunder das David uns keine größere Standpunkte hielt.

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