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Kapitel 42 (Ariean)

~Bills Sicht~

 Erleichtert darüber, dass das Interview erst einmal halbwegs glatt gelaufen ist, greife ich mir eine Cola aus dem Kühlschrank und gieße mir ein Glas voll ein. Darüber, dass Mia bei der Pressekonferenz aufgetaucht ist, und uns wohl damit verkünden wollte, dass es noch lange nicht vorbei ist mit ihren „Nettigkeiten“, freue ich mich natürlich genauso wenig, wie du, aber im Moment will ich es einfach nicht hören. Ich will nicht wieder einen schweren Stein auf meine Seele hieven, solange es noch nicht sein muss, denn der eine Felsbrocken ist gerade erst von ihm gefallen. Und dass ich dir auf diese Weise die Lippen versiegelt hatte, hatte auch unwahrscheinlich gut getan. Immer zu bestreiten, wir hätten keine Beziehung und immer drauf zu achten, sich nicht zu viel und zu auffällig zu berühren, das ist unwahrscheinlich ermüdend, belastend und auch schmerzhaft. Eigentlich will ich das ja nicht, aber es muss sein.
 

Gierig trinke ich zwei große Schlucke aus  meinem Glas und leere es damit zur hälfte, als ich plötzlich einen heißen Atem in meinem Nacken, kurz darauf deinen Kopf von hinten auf meiner Schulter liegen und deine Arme auf meinem Bauch spürte. Sofort stelle ich das Glas beiseite, lehne mich genießerisch an dich und greife nach deinen Händen, die immer noch auf meinem Bauch ruhen. Solche zärtlichen Momente möchte ich am liebsten in mir einschließen und sie für die Stunden und Tage aufbewahren, in denen wir uns nicht so offen benehmen dürfen. Für Tage, in denen unsere Berührungen abgezählt sind.
 

„Hm, du bist gerade aber ganz schön kuschelig!“ Schmunzelnd drehe ich mich in deiner Umarmung um „Hat dich wohl wirklich ganz schön fertig gemacht, die Pressekonferenz“
Vorsichtig hebe ich deinen Kopf an und schaue in deine wundervollen Augen.
„Wollen wir vielleicht hoch auf mein Zimmer?“ fragend schaue ich dich an und küsse dich sanft auf die Lippen, bevor ich deine Hände von mir löse, eine von ihnen greife und dich einfach hoch führe. Ich habe keine Ahnung wo die anderen gerade sind und was sie machen, aber ich bin erleichtert, dass wir nicht gestört werden. So wenig Zeit die wir noch alleine haben, so wenig Zeit, in der ich dich so anschauen darf wie ich will, deine Hand greifen kann, ohne dass gleich getuschelt wird, so wenig Zeit, in der wir tun und lassen können, auf was wir gerade Lust haben.
 

Wieder einmal wird mir schmerzlich bewusst, wie viel unserer Privatsphäre wir mit unserer Kariere aufgegeben haben. Ich wusste es schon immer- von Anfang an- aber noch nie hat es mir so viel ausgemacht wie in den letzten Tagen. Es ist anstrengend, immerzu unter Beobachtung zu stehen, wenn man etwas zu verbergen hat; und das ist der Unterschied, den ich vor den Ferien noch nicht gespürt habe. Klar standen wir da auch immer im Rampenlicht und ständig wurden wir beobachtet, doch wir hatten nichts zu verbergen, hatten keine versteckte Freundin, hatten keine geheimen Sachen am laufen- nichts. Und jetzt? Jetzt muss ich meine Liebe zu dir verstecken- etwas, das mir unwahrscheinlich schwer fällt, weil ich doch nie verbergen wollte, wenn ich mich verlieben würde.
 

Meine Zimmertür fällt ins schloss und geschafft lasse ich mich auf mein Bett sinken. Du setzt dich ebenfalls neben mich und wieder nehme ich dich einfach in den Arm. Nicht nur du bist heute anschmiegsam, nein, auch ich brauche das gerade. Ich habe zu große Angst, dich doch noch irgendwie zu verlieren und ich habe Angst vor dem was passieren wird. „Leb die Sekunde“ Ein Zitat, welches ich selber verfasst habe und welches ich immer versucht habe zu leben- auch gerade- doch trotzdem fällt es mir schwer, nicht an Morgen, nicht an die kommende Woche und nicht an die anstrengende Zeit vor uns zu denken.
 

So sitzen wir einfach nur da, geschafft von der Welt und unserem Tag und sagen nichts. Nichts kommt über unsere Lippen und dennoch ist es so, als würde ich deine Gedanken wissen. Unsere Herzen schlagen denselben Rhythmus, unsere Gedanken haben die gleiche Laufbahn und so breitet sich ganz plötzlich eine innere Gelassenheit in mir aus, die mich meine Lieder schließen lässt. Vorsichtig lasse ich mich zur Seite fallen, reiße dich mit und bleibe einfach so liegen. Da du dich nicht wehrst und einfach in meiner Umarmung bleibst, schließe ich, dass nicht nur ich gerade dabei bin, zu entspannen und langsam ins Traumreich abzudriften. Ein bisschen Schlaf wird uns beiden bestimmt auch ganz gut tun.


~+*+~


Es ist bereits dunkel als ich aufwache und dein gleichmäßiger Atem dringt in mein Ohr. Lächelnd stelle ich fest, dass du immer noch neben mir liegst und behutsam lasse ich meine Hand kurz über deine Wange streifen. Mein Blick fällt zum Fenster, welches über meinem Bett liegt und  ich sehe vereinzelte Sterne, die wie ein Volk ihren Mond umringen. Es ist ein schönes Bild, aber noch viel schöner ist es, wie das Licht des Mondes fein auf dein Gesicht und deine Haare fällt. Ein Foto hätte diese Schönheit nie einfangen können und ich muss wieder lächeln, als mir mein Hang zur Romantik auffällt. In dem Fall bin ich eben wieder mal nicht wie mein Zwilling Tom, der ganz nach dem Prinzip „Ein Mal ficken, weiter schicken“ arbeitet. Ich könnte nicht so leben, auch wenn Tom ganz schön übertreibt vor der Presse. Eigentlich passiert es bei ihm nämlich auch nicht oft, dass er wirklich wen mit auf sein Hotelzimmer nimmt. Tja, aber wenn er das Image will, dann soll er es ruhig haben. Ich muss mich da ein Glück nicht verstellen.
Bedacht darauf, dich nicht zu wecken, stehe ich vorsichtig auf und streife behutsam den einen Arm von dir ab, den du noch um meine Hüfte geschlungen hast. Irgendwie habe ich gerade das Bedürfnis zu schreiben. Irgendwas zu schreiben- ohne Hintergrund, ohne Zwang und ohne mit dem Gedanken daran, dass dies unbedingt ein neuer Songtext von uns werden soll. Also setz ich mich an den Schreibtisch, suche mir ein Blatt und einen Stift und fange an, doch schon nach den ersten Wörtern vergeht mir auch wieder die Lust. Immerzu muss ich zu meinem Bett gucken und dich anschauen, immerzu kehren meine Gedanken zu dir.
Wie von selbst fange ich an, deine Umrisse auf das Blatt zu skizzieren und langsam ist zu erkennen, was ich male. Wie hypnotisiert  starre ich so abwechselnd auf dich und auf das Blatt, bis ich schließlich fertig bin. Die Szene ist deutlich zu erkennen und auch das du es sein sollst kann man sehen, doch trotzdem ist es nicht perfekt und einiges ist ganz schön unförmig. Ebenso wenig kommt die schöne beruhigende Stimmung rüber, die ich eigentlich ausdrücken wollte und so knülle ich mein Werk kurzerhand zu einem Papierklumpen zusammen und lasse ihn in meinen ansonsten leeren Papierkorb fallen. Tja, manchmal muss selbst ich mich eben zusammenreißen um wirklich die Sekunde zu Leben- nicht zwanghaft an andere Dingen festzuhalten, und so bleibe ich einfach auf meinem Stuhl sitzen und schaue dich verträumt an.

Ein Rütteln reißt mich unsanft aus meinem Schlaf, während ich schon beim Aufwachen bemerke, wie mein Rücken schmerzt und mein Nacken beim Kopfheben zu knacken beginnt. Bin ich echt wieder eingeschlafen, während ich dich beobachtet habe?
„Bill, was hast du da gemacht?“ fragend schaust du mich an und wartest auf eine Antwort. Ja, es muss ja auch komisch ausgesehen haben, als du aufgewacht bist und mich nicht mehr neben dir, sonder zwei Meter weiter auf einem Schreibtischstuhl schlafend vorgefunden hast.
„Hm, dich beim Schlafen beobachtet!“ antworte ich also wahrheitsgemäß während sich deine Wangen synchron mit meinen leichten rosa färben und mir ein Grinsen entlockt.
 

„Es ist erst 7 Uhr, willst du noch mal schlafen?“ geschickt weichst du meiner eben genannten Antwort aus. Ist dir wohl etwas peinlich, aber währe es mir das nicht auch?
 

„Ne ne, ich glaub seit gestern habe ich davon mal ausnahmsweise genug, wenn du willst können wir frühstücken gehen?“ Ein Nicken bestätigt meine Frage und so laufen wir schweigend nebeneinander nach unten. Die Küche ist wie ausgestorben und mein Colaglas ist immer noch am selben Fleck wo ich es gestern abgestellt habe. Entweder, die Anderen sind wirklich nicht da, oder sie haben sich genauso wie wir seit gestern in ihre Zimmer verkrochen.
 

Während du beginnst, einige Sachen aus dem Kühlschrank raus zu angeln, hole ich uns Teller und Besteck. Schon komisch irgendwie; seit gestern haben wir kaum miteinander gesprochen und doch habe ich das Gefühl, nichts sagen zu müssen. Es herrscht eben einfach keine bedrückende Stille zwischen uns, sonder einfach eine ruhige und schöne Atmosphäre. Vielleicht ist es das auch gerade, was wir zwischen den ganzen Turbulenzen brauchen.
 

„Das mit Mia… sollen wir das eigentlich David und so sagen? Also dass sie diejenige mit den Fotos ist und bei der Pressekonferenz war? Ich glaube schon, dass sie das wissen sollten, bevor sie wegen irgendeiner ihrer Einfälle, neue Bilder zu veröffentlichen, wieder völlig von der Rolle sind, meine ich?!“
 

Das Schweigen ist gebrochen. Gebrochen von dir mit dem Thema, welches ich gerade am wenigsten leiden kann und welches doch so dringend bedarf angesprochen zu werden. Gestern hatte ich echt genug von dem Ganzen und war froh dich stoppen zu können- auf eine Art, die mir im Übrigen sehr gut gefiel- aber so könnte ich eben nicht immer ausweichen. Das würde uns auch nichts bringen.
„Ich meine, ich komm mir hier sowieso schon verarscht von ihr vor- also noch mehr als vorher auch schon- und auch wenn sie im Endeffekt eigentlich gar nichts von uns wissen konnte, habe ich irgendwie so das Gefühl, als hätte sie sogar schon ihren Urlaub extra so geplant, um eine richtig fette Story über uns abliefern zu können!“
Der Gedanke ist mir auch schon gekommen, doch gefällt er mir keines Wegs. Mia- ein Name, der so lieb und unschuldig klingt, ein Name, der so gar nicht zu ihr passt, doch das unscheinbare ist wahrscheinlich das Gefährlichste, denn so, wie ich sie bis jetzt kennen gelernt habe, könnte deine Vermutung sogar richtig sein. Wir hatten unseren Urlaub zwar nur kurzfristig geplant und auch in keinerlei Interviews über unser Reiseziel gesprochen; und doch, irgendwie kann man das bestimmt auch raus gefunden haben… oder steigern wir uns da wieder nur in irgendwas rein?

„Hm, ja, vielleicht hast du recht und vielleicht sollten wir wirklich sagen, dass die eine Reporterin Mia war, aber ich freue mich jetzt schon auf das Gesicht von David! Und wie sollen wir ihm das erstmal beibringen? Und wird er nicht wieder total sauer auf uns sein, weil wir es nicht eher gesagt hab~“

„Weshalb soll David auf euch sauer sein? Und was wollt ihr ihm beibringen?“ Zwei neugierige und dennoch skeptische Augenpaare kleben auf uns und seufzend schaue ich dich an. Hätten wir uns doch bloß nie verliebt. Währen wir doch bloß nur gute Freunde geblieben...

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