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Kapitel 39 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

Der darauf folgende Morgen fängt gespenstisch ruhig und friedlich an. Der Druck auf meiner Schulter ist verschwunden, die angenehme Wärme an meiner Seite ebenso und eine leichte Kälte kriecht langsam in meine Knochen.

Das Erwachen verrät mir die Antwort darauf, Bill ist nicht mehr an meiner Seite.

Verschlafen reibe ich mir über die Augen und strecke mich einen kurzen Moment. Ich muss hier auf der Couch eingeschlafen sein, dennoch sind mir meine Gelenke nicht versteift, ich fühle mich nach langer Zeit endlich mal wider ausgeruht und entspannt.

Seltsam eigentlich, auch wenn ich an das bevorstehende heutige Interview denke, kriecht die Nervosität nicht zurück. Darüber kann ich sehr froh sein, nervös werde ich noch früh genug, da kann ich die bisschen Ruhe noch genießen.

Verwundert blicke ich zum Essbereich, indem Bill gedankenverloren aus dem Fenster starrt, hinüber. Unter anderen Umständen wäre so ein Erwachen das Glück auf Erden. Erst schlafe ich mit der Person die mir am wichtigsten ist zusammen ein, dann erwache ich- zwar nicht gemeinsam- und er ist hier, hier in meiner Nähe. Ein kleines Lächeln bildet sich auf meinen Zügen. Wie schön muss es sein jeden Tag mit dieser Person einzuschlafen, am nächsten Morgen sicher zu sein sie ist immer noch da, begrüßt dich mit einem Guten Morgen. Jeden Tag. Ha, davon kann ich die nächste Zeit nur träumen. Wenn wir hier im Tonstudio sind vielleicht, aber dennoch wir sind nicht allein. Zuhause, jeder hat sein eigenes, wenn wir Hotelzimmer haben würde das Personal stutzig werden, wenn wir uns ein Zimmer gemeinsam nehmen würden oder sie mich oder dich morgens aus dem anderen Hotelzimmer schleichen sehen. Die Geheimtuerei wird der Beziehung nicht gut tun. Werden wir je die Chance haben ohne Sorgen nebeneinander aufzuwachen, die nächste Zeit vorerst nicht. Und ich habe die wage Befürchtung auf unser Glück noch lange warten zu können.

Leise tapse ich zu dir und lege eine Hand auf deine Schulter. Selbst ich zucke einen kurzen Augenblick zusammen, als du dich so plötzlich erschrocken umdrehst. Doch allein dein Anblick genügt um mir mein Lächeln zurück zu zuzaubern. Kein sehr sicheres Lächeln, eher vorsichtig und bedenkt. Ich weiß ja nicht wie du reagieren wirst, ob du vielleicht bis zur jeder kleinsten Faser angespannt bist und jede noch so kleine Berührung nicht gutheißt.

Genau deswegen macht ein Herz einen sehr großen Freudensprung, als du sanft und federleicht deine Lippen auf die meine legst. Der Kuss ist so schüchtern das ich darunter zergehen könnte. Genießerisch schließe ich die Augen und unterdrücke den Drang meine Arme um deinen Nacken zu legen um dich stürmischer zu küssen. Soweit sind wir noch nicht wieder. Wir müssen langsam von neuem anfangen und besser darauf achten was wir wo und wann tun. So unachtsam wie bim letzten Mal dürfen wir nicht noch einmal sein.

Traurig über die Trennung des Kusses öffne ich die Augen und sehe deine leicht geröteten Wangen. Ich könnte dich ewig nur anscheuen und könnte dennoch nie genug von dir bekommen. Mir fällt es wirklich schwer dich nicht auf der Stelle auf die Couch zu zerren um über dich herzufallen, dir die Kleider vom Leib zu zehren um dich Haut an Haut zu spüren. Siehst du was du mit mir angestellt hast, ich erkenn mich fast nicht mehr wieder. Meine Gefühle sind so stark das ich befürchtet sie könnten uns noch die einen oder anderen Schwierigkeiten bringen, wollen wir mal nicht hoffen. Dennoch kann ich den Drang nicht widerstehen dich im Arm zu halten und lege deshalb meine Arme um deine Hüften um dich näher heran zu ziehen. Du scheinst nicht abgeneigt zu sein, denn du vergräbst dein Gesicht in meine Halsbeuge. Ein wohliger Schauer durchfährt mich, dein Atem streift meine empfindliche Haut am Hals.

Plötzlich  macht sich ein komisches Gefühl in mir breit. Ich habe Angst, Angst dich zu verlieren. Angst die Presse setzt uns mehr und mehr unter Druck- in der Hoffnung die Gerüchte doch noch zu bestätigen- und sie uns damit weiter auseinander drängt. Das wir irgendwann an dem Punkt gelangen an dem wir mit unseren Kräften am Ende sind und die beste Lösung wäre die Beziehung zu beenden. Momentan ist für mich der Gedanke einer Trennung unmöglich, doch wie sehen wir es in ein paar Monaten. Werden wir dann weiterhin die Kraft besitzen alles zu verheimlichen, die Presse an der Nase herumzuführen oder werdend wir an unsere Grenzen angelangt sein?

Kurz kneife ich die Augen feste zusammen und verdränge diese unsinnigen Gedanken. Nicht immer so pessimistisch denken.

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Der Frühstückstisch ist gedeckt, die Anderen zwei Bandkollegen trudeln nacheinander total verschlafen ein und setzten sich grummelnd an den Tisch. Morgenmuffel sind sie ja gar nicht.

Eigentlich bin ich der einzige von uns Vieren der fast immer morgens fit und frisch aus den Federn kommt. Ab und zu gibt es auch bei mir Tage in denen ich am liebsten im Bett liegen bleiben möchte, aber sonst war ich schon immer ein Frühaufsteher.

Ohne besondere Aufmerksamkeit und einem kurzen gegrummelten `Guten Morgen´ stopfen die Beiden sich bereits mit dem Frühstück voll. David hat schweigend neben mir auf dem freien Stuhl platz genommen- ich befürchte er ist immer noch sehr stinkig auf uns, aber wer will ihm das schon verübeln. Eigentlich hatte ich vor auf dich zu warten um mit dem Frühstück zu beginnen, doch auch nach einiger Zeit ist nichts von dir zu sehen. Wo du wohl steckst? So viele Räume hat unser Tonstudio nun auch wieder nicht.

Geistesabwesend fange ich an mir ein Toast mit dem am nahsten liegendem Zeug zu beschmieren, schaffe es jedoch nicht ein Bissen davon abzubeißen. Ich hab so was von keinem Hunger.

Seufzend lasse ich den Toast zurück auf mein Teller fallen und sinke tiefer in den Stuhl hinein. Allmählich breitet sich dieser dunkle Schatten wieder über mir aus, was meiner Stimmung nicht besonders gut tun wird.

Davids Seitenblick spüre ich ganz genau, ignoriere ihn jedoch vollkommen und starre geradeaus ins Leere.

„Wo ist Bill?“

Die Frage musste ja langsam mal gestellt werden, ich habe zwar vermutet Tom würde sie als erste Stellen, aber David hat das Wort ergriffen, die Stille unterbrochen und wenn sieht er an?...na klar mich.

Ha, nur weil ich mit Bill zusammen bin und ihn liebe, heißt das noch lange nicht das ich weiß oder spüren kann wo er sich befindet oder was er macht. Da sollte er doch lieber mal seinem Zwilling fragen, mit solch einer Gabe kann nur er mit Bill verbunden sein.

Ich wäre auch gerne auf diese weiße mit Bill verbunden, nein ich meine nicht als Zwillingsbruder, sondern diese Gabe die Zwillinge besitzen und wissen obs dem Andern gut oder schlecht geht. Zwar bin ich mit ihm auch verbunden, aber halt auf eine andere Art und Weiße, wobei mir diese dann doch viel besser gefällt.

Ich zucke nur unwissend mit den Schultern und nehme einen schluck meines Orangensaftes. Im selben Moment betritt  ein mürrisch aussehender Bill den Raum und läst sich links von mir auf den freien Stuhl plumpsen. Vorsichtig schiele ich zu ihm und erkenne sofort den gleichen dunklen Schatten auf seinen Gesichtszügen, wie der über mir. Ihn hat der Schatten viel früher befallen, er sieht sehr angefressen aus, bei mir sieht es eher nach depri aus.

Fragend überlege ich mir den Grund deiner schlechten Laune und komme schlussendlich auf die simpelste und nahe liegenden Lösung- das bevorstehende Interview.

+++++++++++++++++++++

Und genau dieses besagte Interview wird gleich stattfinden.

Nervös wippe ich von einem Fuß zum Anderen und kaue auf der Unterlippe rum. Diese Art von Nervosität empfand ich schon lange nicht mehr und jetzt treibt sie mich fast in den wahnsinn- frisst mich langsam aber sicher auf.

Noch fünf Minuten. Ruckartig drehe ich meinen Kopf zu Bill in der Hoffnung ein aufmunterndes Lächeln oder der Gleichen zu erlangen- nichts, er schaut geistesabwesend in eine vollkommen andere Richtung. Seufzend schließe ich einen Augenblick die Augen- ich brauche jetzt ganz dringend eine kleine aufmunternde Geste von ihm- ich zerspringe sonst noch. Ich habe schon fast wieder vergessen, wie es ist, wenn er mich ansieht, als würde er mich gerne küssen wollen und nicht, als wäre ich ein beschissenes Geheimnis.
Dreh dich endlich um.
Sieh mich an.
Du sollst mich ansehen Bill!

Ich empfinde das dringende Bedürfnis Amog zu laufen und einfach jeden der den `Gerüchten´ glauben schenkt ohne zu zögern umzulegen. Oh man…

„Jetzt geht’s los“ stößt David in die stille Runde, verursacht mit den paar Worten fast einen Herzkolaps bei mir. Ich will nicht!

„Und denkt daran seit einfach so wie immer“

Leichter gesagt als getan. Na schön wie immer, also soll ich meine Klappe halten und dich einfach reden lassen? Ist das nicht gemein? Immerhin drehen sich die Gerüchte um uns zwei, aber ich bin nicht so redegewandt wie du es bist. Mal schauen was auf uns zukommt.

Die Nervosität muss ich ernsthaft versuchen zu unterdrücken und mir nichts anmerken zu lassen. Bill wirft mir die ganze Zeit über keinen einzigen Blick zu, mist, muss sich mein Magen jetzt so fies verkrampfen?

Ehe ich es mich versehe befinde wir uns bereits im Blitzlichtgewitter der Presse.

Unendlich viele Leute aus den verschiedensten TV-Sendern  und Zeitungsverlagen warten nur darauf uns mit ihren Fragen zu bombardieren und schießen schon duzende Bilder.

Gelassen TUEND nimmt jeder auf einem der Stühle an den Tischen platz, wie geschickt geregelt mich und Bill nebeneinander, nur keine Zweifel aufkommen lassen, wenn wir beide plötzlich jeder am Rande des Andren Tisches sitzen würde, dass da doch was laufen könnte.

David weißt die Reporter noch auf ein paar Regel auf, die diese mehr oder weniger zur Kenntnis nehmen und dann kann es beginnen.

Wer hatte diese absurde Idee ein Interview diesbezüglich zu geben.

Ich mein wir hätten das Gerücht auch einfach ignorieren können, wie wir es bereits bei einigen Gerüchten getan haben, aber ich glaube wenn die Fans es aus unseren Münder hören das nichts zwischen uns ist, fällt ihnen doch ein großer Stein vom Herzen und sie sind in Gewissheit. Wenn die wüssten wie sehr wir manchmal doch lügen um es ihnen einfach recht zu machen.

„Bill, seid ihr Beiden ein Paar?“ und schon wird es nach der gestellten Frage totenstill im Raum. Oh Gott ich habe die Befürchtung sie könnten jeden Moment mein lautstark schlagendes Herz hören.

„Nein“ ist Bills kurze aber dennoch klare Antwort zu vernehmen. Ich beiße die Zähne so fest aufeinander, dass mein Kiefer jeden Moment krachen müsste. Er ist so ein verdammt guter Schauspieler.

Mir verpasst es ungewollt ein Stich ins Herz. Es ist kein gutes Gefühl von ihm in der Öffentlichkeit gegenüber verleugnet zu werden, auch wenn ich weiß das es nicht ernst gemeint ist, leider kommt es mit so einer Überzeugungskraft in der Stimme, dass sich mir die einzelnen Worte wie Messer in die Brust rammen und  ich anfange es zu bezweifeln… 

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