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Kapitel 38 (Ariean)

~Bills Sicht~

Meine Gedanken kreisen immer wieder um das Thema `Presse Termin´ und um dich. Egal wie müde, kaputt und innerlich fertig ich mich fühle, mein Geist will nicht zur ruhe kommen. Heute war ein anstrengender Tag; ein Tag, von dem ich zwischenzeitlich dachte, dass er schön werden könnte, doch dem war ja nicht so. Wie ich diese Mia verabscheute für das, was sie uns angetan hat! Erst brachte sie uns dazu, dass wir uns übel stritten, und dann- trotz deiner Aufopferung (ja, auch wenn es im Endeffekt umsonst war, versuche ich es inzwischen als diese anzusehen)- hat sie die Bilder an die Presse gelassen, ob nun dabei mein Ausrasten eine Rolle spielte war jetzt egal. Zwar hätten wir uns das ja irgendwie schon vorher denken können, dass sie sich nicht an die Abmachung mit dir halten würde, doch trotzdem hatte es mich wie ein Schlag ins Gesicht getroffen- und die Anderen auch.

Ich höre, wie Tom im Nebenbett ruhig und gleichmäßig vor sich hinatmet und muss seufzen. Tja, sonst haben wir immer alles geteilt, zusammen gemacht, aber dadurch muss ich jetzt wohl ohne ihn… aber dafür mit dir. Tom ist mir immer noch wichtig, eben auf eine andere weise, wie du mir wichtig bist, doch dabei kann er mir nicht helfen. Wie sollte er denn auch?

Leise richte ich mich auf, steige aus dem Bett und verlasse, ohne laute Geräusche von mir zu geben, das Zimmer. Wenn er schlafen kann- wenn er sich vom Tag erholen kann, dann soll das wenigstens einer machen, ich jedenfalls halte es nicht mehr aus in dem dunklen Raum, der mich immer weiter dazu anstiftet, meine Gedanken immer wieder um das eine Thema kreisen zu lassen; mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Das leise tapsen, was durch mein auftreten entsteht, begleitet mich bis zur Küche. Das Licht nicht mal anschaltend lasse ich mich auf die Couch, die hier langsam vor sich hinvegetiert, fallen, ziehe meine Beine an meinen Bauch und umschließe sie mit beiden Armen. Der Wunsch, einen Tag mal nicht mehr berühmt zu sein, einen Tag mal eine `Pause´ davon zu bekommen und ein ganz normales Leben zu führen- auch wenn es wie gesagt nur ein Tag wäre- beschleicht mich und ein Seufzen lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ja, ich wollte es so, ich wollte schon immer ein Star sein, hab alles dafür gegeben, soweit zu kommen und eigentlich macht mir das alles ja auch Spaß… das Musik produzieren, das Konzerte geben, das Preise bekommen und so, aber einen Tag mal komplett von der Berühmt- und Bekanntheit befreit zu sein, dass wäre trotzdem sehr erleichtern. Einen Tag mal nicht unter strengster Beobachtung stehen, einen Tag mal so richtig mit dir genießen zu können, ohne aufpassen zu müssen- hach ja, das wäre schon was.

Verdutzt schlage ich meine geschlossenen Augen auf, als mit einem Mal das Licht der Küche angeht und den ganzen Raum erhellt. Meine Augen richten sich auf die Person, die dieses angeschaltet hat, auf dich, und die nun langsam zum Kühlschrank trottet, eine Wasserflasche aus ihm entnimmt und sie mit großen Schlücken etwas aus trinkt. Du schienst ja mächtig durst gehabt zu haben!

Der Gedanke, dass ich wenigstens nicht der einzige bin, der nicht einschlafen kann, dass du mit mir das selbe Schicksaal teilst, läst mich kurz auflächeln, bevor ich ein „Auch wach?“ von mir verlauten lasse. Dein plötzlich aufkommender Hustenreiz gibt mir somit klar, dass ich dich wohl erschreckt, oder zumindest überrascht mit meiner Anwesenheit habe.

Mit der Aussage „Hm~hm..“ lässt du dich schließlich neben mich auf die Couch fallen und starrst Gedanken versunken gerade aus in die Leere. Erst jetzt fällt mir auf, wie schwer ich meinen Kopf nur noch gerade halten kann, und so rutsche ich ein kleines Stückchen näher an dich ran und lasse ihn vorsichtig auf deiner Schulter nieder. Durch den leichten Körperkontakt spüre ich jeden Atemzug von dir, merke auch, wie du deinen Kopf wendest und mir einen Kuss auf mein Haupt hauchst. Diese kleine aber feine Zärtlichkeit- irgendwie befällt mich die Angst, es könnte die letzte sein.

Dein gleichmäßig schlagendes Herz und dein gleichmäßiger Atem verraten mir, dass du wohl eingeschlafen bist- oder zumindest kurz davor, dies zu tun. Ich selber spüre auch, wie mein Geist sich langsam, an deiner Seite, beruhigt, meine Gedanken immer weniger werden in ich schon bald meine Augen nicht mehr offen halten kann. Der Tag war anstrengend genug, gegen den Schlaf werde ich mich bestimmt nicht währen.

~*~

Als ich das nächste mal die Augen öffne, sitzen wir immer noch genauso da, wie wir eingeschlafen sind, nur mit dem einen Unterschied, dass es wohl inzwischen früher morgen ist. Es ist schon verwunderlich, dass ich so früh aufgewacht bin- eher als du- und du immer noch friedlich an meinen Kopf gelehnt schlummerst, doch ich genieße es noch eine Weile, so ruhig und ohne Stress mit dir oder irgendwem anders, neben dir, an dich gelehnt, zu sitzen. Es fühlt sich einen Augenblick an, wie ein Stückchen Frieden, den ich aufsaugen; in mich aufnehmen muss, um den Tag zu überstehen.

Stöhnend schließe ich die Augen, als ich meine Gedanken zum Interview nachher lenke und feststellen muss, dass es wohl wirklich kein leichter Tag für uns wird. Ausrede um Ausrede, werden wir uns ausdenken müssen- Lüge um Lüge werden wir der Presse aufbinden müssen und dürfen uns dabei nicht selber irgendwie verhaspeln, dürfen durch keine Aussage durchschaubar sein, müssen uns auch `normal` benehmen.

Was heißt schon normal benehmen? Nicht einmal das werden wir uns die nächste Zeit erlauben dürfen, denn normal vor der Kamera und Presse benehmen hieße auch, weiterhin mit dir rumzualbern, mich mal neben dich zu setzen, dich angucken… doch bei diesen dingen müssen wir nun extrem vorsichtig sein. Nichts, aber auch gar nichts wird normal verlaufen, das ist ja klar, auch wenn es für die Außenstehenden so aussehen muss.

Erschrocken reiße ich die Augen auf, als ich feststelle, dass unsere Eltern bestimmt auch langsam mal eine Erklärung wollen und diese auch verdient haben. Es ist mir schon beinahe peinlich, dass ich jetzt erst an sie denke, mir jetzt erst einfällt, dass sie bestimmt die sind, die am ehesten aufgeklärt werden wollen und dabei auch keine Skandale ziehen. Was sie wohl alle dabei gefühlt haben, als sie das Bild in der Zeitung sahen? Ich meine, ok, sie glauben längst nicht mehr jedem Skandal, aber ein Bild ist schon eine aussagekräftige Mitteilung. Dadurch, dass Tom immer bei mir ist, hab ich echt vergessen, dass es noch weitere Familienmitglieder gibt… und Freunde. Oh je, da gibt es aber noch viele aufzuklären!

Wieder mal muss ich seufzen; eines meiner Lieblingsbeschäftigungen in letzter Zeit, wie mir scheint, und vorsichtig, bedacht dabei, dich nicht zu wecken, hebe ich meinen Kopf von deiner Schulter, lege deinen an die Lehne der Couch und strecke mich kurz. Dann betrachte ich dich.

Du sitzt friedlich schlafend da und dein Gesicht scheint so unschuldig und entspannt, als hättest du keine Lasten und Sorgen, als wärst du der Engel auf Erden, der nur Frieden bringen will. Sanft streiche ich mit meiner Hand über deine Wange, erhebe mich dann aber vollständig vom Sofa, gehe Richtung Kühlschrank. Ein erfrischender Orangensaft, ja, das brauchte ich jetzt, obwohl ich zu meinem Erstaunen feststelle, dass ich wacher als sonst nach dem Aufstehen bin. Liegt wohl daran, dass meine körperliche Angespanntheit meine Sinne etwas aufrüttelt. Auch mal was anderes, als immer nur verpennt rum zu sitzen, direkt nach dem aufstehen.

Mit dem Glas Orangensaft in der Hand stehe ich vor der Spüle und schaue aus dem dahinter gelegenen Fenster; beobachte zwei Vögel- zwei Spatzen. Wie unbeschwert und glücklich sie umher fliegen, wie frei sie scheinen… mir ist klar, dass selbst zwei so kleine Tiere wie Spatzen ihr Tun haben: Sie müssen sich um Nahrung sorgen, ihren kleinen das Fliegen beibringen und dabei noch aufpassen, nicht von irgendeinem anderen Tier gefressen zu werden, doch trotzdem scheinen diese beiden da draußen gerade erheblich lastenfreier als ich zu sein; ich der doch eben auch nur ein Mensch ist, von der Presse aber wie ein Gegenstand zur Vermarktung von sämtlichen Zeitschriften missbraucht werd; ich der auch seine Freiheiten, seine Privatsphäre braucht, aber nicht genehmigt bekommt; ich, der sich gerade etwas verloren bei all dem Rummel um etwas, was eigentlich nur dich und mich was anginge, vorkommt.

Eine Hand auf meiner Schulter lässt mich erschrocken umdrehen. Anscheinend bist du aufgewacht, denn sonst würdest du wohl kaum hinter mir stehen und mich vorsichtig anlächeln. Schüchtern erwidere ich deine Geste, beuge dann meinen Kopf leicht zu dir nach unten, und berühre zart deine Lippen. Es ist kein feuchter, wilder oder stürmischer Kuss, nein ganz im Gegenteil. Eher kommt es mir vor, wie der Kuss eines Neuanfangs, so schüchtern und scheu, wie wir uns berühren, uns nicht mal trauen, inniger zu werden; nur mit geschlossenen Augen die leichte Berührung genießen.

Eigentlich, so fällt mir auf, ein schlechter Zeitpunkt für eine vollständige Versöhnung, denn hätten wir uns nicht versöhnt, so würde es uns doch garantiert viel leichter fallen, Abstand zu halten, oder? Würde es sonst vielleicht gerade auffällig sein, weil wir dann wütende Blicke oder verträumt- traurige Blicke erstrecht nicht unterdrücken könnten? Ich weiß nicht, wie ich bei Interviews drauf währe, aber ich schätze, selbst da würde man mir mein inneres Unwohlsein auch anmerken und vielleicht ist es so, mit der Versöhnung mit dir, doch einfach auch besser. Schließlich liebe ich dich ja, und es war kein schönes Gefühl, mit dir zu streiten.

Vorsichtig löse ich den Kuss wieder, nachdem- wie mir vorkam, eine Ewigkeit vergangen war. Mein Herz pocht wieder schneller, doch inzwischen hab ich mich dran gewöhnt und empfinde auch das kribbeln im Bauch nicht mehr als sonder haft oder unangenehm. Es ist eher zu einer schönen Sache, die ich fühle, wenn du bei mir bist, geworden.

Deine Arme legen sich um meine Hüfte und ziehen mich leicht zu dir, sodass ich die Umarmung erwidere und meinen Kopf in deine Halsbeuge lege, deinen Geruch tief in mir aufnehme und wieder einmal dein Moment genieße. Ja, immer wieder hab ich Angst dafür, es würde der letzte schöne Moment mit dir sein- der nicht von der Presse zerfleischt wird. Es st die gleiche Angst, die auch schon letzte Nacht aufgekeimt ist. Berechtigt oder unberechtigt?

~*~

Inzwischen ist es 11 Uhr, ich bin fertig gestylt- so wie immer- und du bist dabei das Frühstück zu machen. Die anderen werden gerade von David aus dem Bett gejagt, schließlich werden auch sie nachher dabei sein müssen, wenn wir vor den Kameras unsere Beziehung verleugnen müssen, denn sie werden sich bestimmt auch zu alle dem mal äußern sollen- kann ich mir jedenfalls gut vorstellen. Dass gerade Tom und Georg die waren, die uns zusammen gebracht haben, muss ja auch nicht unbedingt jeder wissen. Ich meine, das weiß bisher sogar David nicht, denn davon wäre er bestimmt auch nicht so angetan und würde ihnen eine Standpauke halten (der Typ ist echt leicht reizbar seit gestern).

Ich helfe gerade aber weder dir beim frühstück vorbereiten- wenn du nicht eh schon fertig bist- noch helfe ich dabei, meinen Zwilling, oder anderen Bandkollegen aus den tiefsten Träumen zu reißen (obwohl ich darin bestimmt besser wäre als David); stattdessen stehe ich im Flur und starre mein Handy, welches ich fest in der rechten Hand halte, an. Wen soll ich als erstes anrufen, oder erstmal, soll ich jetzt überhaupt wen anrufen?

Ich beschließe meinen inneren Schweinehund, der mir immer wieder zuruft, ich könnte es auch verschieben, oder warten, bis ich selbst von meiner Familie und meinen Freunden ausgequetscht werde, zu überwinden, und gehe im Menü auf das Telefonbuch. Lustlos gehe ich die Leute durch und komme schließlich zu dem Entschluss, erstmal nur meine Eltern zu benachrichtigen und wenn dann noch Zeit ist, vielleicht auch Andi. Der Rest kann warten, oder die angerufenen Fragen, dass das, was in den Medien erscheinen wird, nicht ganz der Wahrheit entspricht, können sie sich auch sehr gut denken. Ist schließlich nicht das erste mal, dass gewisse Dinge nicht stimmen, die wir sagten, auch wenn es das erste mal etwas so ausschlaggebendes ist, wie jetzt.

Das gleichmäßige Tuten an meinem Ohr zeigt mir, dass die Leitung zum Haus meiner Familie nicht belegt ist- leider. Insgeheim hatte ich ja immer noch gehofft, dass dem nicht so war und ich doch noch aus diesen Gründen einen Rückzieher machen konnte, doch die Welt meint es nicht gut mit mir- oder doch, in diesem Sinne vielleicht schon, wie man es sieht, denn ne Aussprache hat auch was Gutes an sich.

Das Abnehmen des Hörers von der anderen Seite der Leitung ist zu hören; dann die vorsichtige Stimme meiner Mutter.

„Bill? Bist du dran?“ Die Verunsicherung ist deutlich wahr zu nehmen, dennoch aber auch Erleichterung, dass ich mich ja anscheinend gemeldet habe.

„Ja, Mama, ich bin’s“ Meine Stimmlage hat sich perfekt der meiner Mutter angepasst- ist leicht schüchtern, zurückhaltend und ängstlich geworden.

„Ich bin froh, dass du dich meldest Bill! Hast du gesehen, was die Zeitungen wieder mal schreiben?“

 

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