%title%

Kapitel 37 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

Wir verleugnen diese Gerüchte einfach, werden behaupten das Foto sei eine Fälschung, wie so viele Dinge bereits.

Ein Skandal Bill und Gustav von Tokio Hotel küssen sich auf dem Foto, anstatt sich bei dem Anblick für uns zu freuen. Eine Irre hat sich einen Spaß daraus gemacht, indem sie die momentan berühmteste Band Deutschlands in den Schmutz zieht. Genau so etwas werden die Leute nach unserem Statement darüber denken.

Ich soll dich verleugnen, die Nacht, die Küsse, die Berührungen verleugnen. Eigentlich sollte ich der glücklichste Mensch auf Erden sein, mein Glück in die gesamte Welt hinausschreien, unter anderen Umständen vielleicht, so leider nicht.

Wenn die Presse unsere Lügen nicht glauben, schieben wie es einfach auf den Suff. Wir waren auf dem Bild so besoffen- nicht bei klarem Verstand- wussten nicht was wir da taten. Wobei es sich sehr seltsam anhört und wirken müsste, es erst zu verleugnen und anschließend auf den Alkoholkonsum zu schieben. Der Verdachte wäre für sie so bestätigt. Belassen wir es erstmal beim Bestreiten und sehen was uns die Zukunft bringen mag. Wir müssen zumindest in der Anfangszeit höllisch darauf aufpassen nicht irgendwelche Zärtlichleiten in der Öffentlichkeit auszutauschen, nicht mal verstohlene Blicke sind erlaubt. Es wird nicht einfach, doch wir können froh sein dank der Umstände, egal wie sehr es auch noch schmerzt- nicht mehr durch die rosarote Brille zu schauen und es nur noch schwerer werden läst.

Mir vorzustellen blind vor Liebe wie zu Anfang zu sein und dabei aufzupassen, unmöglich. Nach der Nach hätte ich ununterbrochen an die rumfummeln können. Es ist schwer dem Drang zu widerstehen, bei deinem so heißen Anblick nicht über die herzufallen. Ich glaub auf dich bezogen bin ich wirklich  stock schwul, ansonsten bi. Gott wie bescheuert sich das anhört.

Nach den Ereignissen besteht der Drang dir nahe zu sein zwar weiterhin, doch längst nicht mehr so stark. Allein der Gedanke, nach dem Klären des angeblich gefakten Fotos, aufzupassen uns wegen einer weiteren unachtsamen Tat alles zu zerstören, schreckt mich ab. Die Geier der Presse werden ab spätestens morgen uns noch mehr im Auge behalten, sich in Momenten in denen wir glauben unbeobachtet zu sein, hinter einem Gebüsch oder sonst wo sitzen um ein weiters Bild zu knipsen und so die Gerüchte doch noch zu bestätigen.

Jetzt ergeben sämtliche Filme über irgendwelche Liebesdramen einen Sinn. Ich hab sie immer für reichlich übertrieben und abgedroschen empfunden, jetzt sehe ich es mit ganz anderen Augen, wo mir – uns- so etwas Ähnliches passiert. In den Filmen kommt es immer zu seinem Happy End, auch wenn sie erst im Tode miteinander glücklich und in frieden leben können. Uns kann es im Grunde genommen keiner verbieten, ja es wäre gefundenes Fressen für einige Menschen und nicht zu vergessen die extremen Hatte, aber wir haben zu Anfang klar und deutlich unter uns vereinbart, die Karriere kommt vor der Liebe, auch wenn es bedeutet für lange Zeit einsam zu sein. Wenn sie uns vor die Wahl stellen würden, was würde ich tun- was würdest du tun? Ich weiß nur eins, für die Karriere vor zu lügen wir empfinden nichts mehr für einander, das könnte ich nicht. Nicht wo wir bereits so intim miteinander waren. Von der Liebe zurück zur Freundschaft- unerdenklich.

Ich liege hier wach im Bett, irgendwie einsam fühlend, darüber nachdenkend wie der morgige Tag von statten laufen könnte, dabei bedacht mich morgen so unauffällige wie möglich zu verhalten- so wie immer eben. Seufzend drehe ich mich auf die Seite und blicke nun in Richtung des Bettes von Georg. Er liegt mit dem Rücken zu mir gedreht, scheint zu schlafen. Nur eine dünne Wand trennt Bill und mich voneinander. Drüber im anderen Zimmer liegst du. Ich wüsste gerne ob du schlafen kannst, würde gerne zu dir ins Bett kriechen, doch in der Situation ziemlich unangebracht.

Aufgebraust über den komplett bescheuerten Verlauf des Urlaubs bette ich mein Gesicht in die Kissen, um meiner Wut freien lauf zu lassen. Ich gebe einen kurzen Schreilaut von mir, in der Hoffnung er wird von den Kissen gedämpft.

„Andere in diesem Raum versuchen zu schlafen“ grummelt es gleich darauf von Georg hinüber.

„Tut mir leid“ brumme ich in die Kissen hinein, mache nicht die Anstalt mein Gesicht davon zu entfernen.

Seit wir gezwungenermaßen alles erzählt haben, ich sag nur es war mir sehr sehr unangenehm, scheint Georg ziemlich angesäuert zu sein. Wer kann es ihm verübeln. Und David erst. Er war geschockt, wütend, sprachlos und was weiß ich noch alles. Er kann es sich zwischen mir und Bill einfach nicht vorstellen, konnte ich vor dem Urlaub ebenso wenig, aber wie sich das Blatt doch wendet. Die Bemerkung `weshalb ich´ von David war, wie kann man es am besten ausdrücken...sehr unbedacht.

Wie sich dein Gesicht dabei geändert hat. David scheint es sich bei dir gut vorstellen zu können. Unter andren Umständen wäre dieser Kommentar sehr erheiternd und du wärst auch nicht so stil dabei geblieben- tja wie gesagt unter anderen Umständen.

„Ach, ich kann eh nicht schlafen“ sagte Georg plötzlich-reichlich verspätet- in die Stille hinein und das Rauschen seiner Decke ist zu vernehmen.

„Hn“ schnaube ich unverständlich.

„Sag mal Gustav bekommst du da unten eigentlich noch Luft?“

Dieser Satz scheint der Startschuss für mich zu seine, meinen Kopf zu drehen. Augenblicklich drängt sich mir die frische Luft entgegen, die ich atemlos tief in meine Lungenflügel aufnehme. Man schätzt so etwas erst, sobald es einem davon mangelt.

Georg mit einem Arm den Kopf auf dem Bett abstützend seine Augen auf mir ruhend.

„Du hättest mit mir reden können“ knurrt der Braunhaarige sauer.

„Ich weiß“

„Und warum hast du es nicht?“

„Ich weiß nicht“

Meine Schaltplatte scheint einen Sprung zu haben. Dementsprechend verständnislos blickt Georg aus der Wäsche. Abermals seufzend stemme ich mich auf meine Ellenbogen auf, um so besser sprechen zu können.

„Mir war und ist die ganze Sache sehr unangenehm. Ich war einfach am Ende, es war alles so schwer und ich wusste nicht damit umzugehen, obwohl ich selber schuld an alles bin. Mit jemanden reden wäre wohl die beste Lösung gewesen, ach ich weiß auch nicht was mit mir los war.“

„Du weißt ich bin dein Freund und immer für dich da.“

„Ich weiß, entschuldige“ gebe ich zerknautscht zu und fahre mit der Hand müde über mein Gesicht.

„Versprich mir egal was ist, das nächste Mal mit mir zu reden“

„Versprochen“ erwidere ich erleichtert und sinke zurück in die Kissen.

Georg tut es mir gleich und eine zeit lang herrscht Stille, keiner bekommt so richtig ein Auge zu. Eigentlich sollten wir schlafen, Kraft und Energie für den schrecklichen morgigen Tag tanken. Oh Gott ich will gar nicht daran denken.

„Wie läuft es jetzt eigentlich mit dir und Bill?“ tastet sich Georg langsam und leise an das Thema heran. Wenn ich das nur wüsste. Bis jetzt sind wir beide noch nicht wirklich dazu gekommen richtig darüber zu reden und zu klären wie es weiter gehen soll. Jetzt wo dieses Problem mit dem Gerücht auftauchte, schätze ich mal dieses Gespräch wird sich um einiges verschieben. Wir dürfen unser Glück doch eh nicht ausleben, also vielleicht ist diese leicht  angespannte Stimmung zwischen uns ein ganz gutes Mittel gegen die Anziehung.

„Keine Ahnung, ob mir Bill je wieder verzeihen wird. Wir sind noch nicht dazu gekommen gründlich über alles zu reden.“

„Ich hoff doch mal das renkt sich wieder ein, sonst waren Toms und meine Bemühung ganz umsonst“ brummt Georg verstimmt in den Raum hinein.

Diese Aussage läst mich kurz aufgrinsen, ja ohne Georg und Tom hätten wir nie den Mut gefunden zu unseren Gefühlen zu stehen.

„Erstmal müssen wir den morgigen Tag überstehen“

„Ach das wird schon alles gut gehen“ antwortet Georg optimistisch und wie sehr wünschte ich mir ein bisschen seines Optimismus würde auf mich überspringen.

Ich bin müde, aber irgendwie auch nicht und außerdem verspüre ich gerade ein verlangen nach Flüssigkeit.

„Ich geh mal was trinken“ informiere ich den Anderen, stiege aus dem Bett und trabe mit nackten Füßen raus aus dem Zimmer direkt zum Kühlschrank.

Eine Wasserflasche darin gefunden, öffne ich sie und trinke sicher mehr als ein viertel der Falsche in einem Zug. So verdurstet habe ich mich lange nicht mehr gefühlt.

„Auch wach“

Erschrocken verschlucke ich mich kräftig und drehe mich hustend herum. Bill sitzt mit angezogenen Beinen, die Arme drum geschlungen auf der Couch direkt gegenüber dem Essbereich, wenn man das hier so nennen kann.

„Hm-n“  Zu mehr fühle ich mich nicht in Stande, gebe der geöffneten Kühlschranktür einen Schubs mit meinem Hintern und stampfe mit der Wasserflasche in der Hand zu dir an die Couch. Mit schmerzenden Gelenken lasse ich mich genau neben dir darauf nieder, stütze meinem Kopf nach hinten auf die Lehne ab und seufzte kräftig. Von dir ist nichts Weiteres zu hören und auch ich sage gar nichts. Es bedarf keine Worte, nicht jetzt nicht in so einem Moment. Auch wen jeder sagen würde jetzt sei der rechte Zeitpunkt ein klärendes Gespräch zu führen, nein mit Sicherheit nicht. Nicht wo uns die gesamte Presse morgen mit Fragen belagern wird, unsere Bedürfnisse werden erstmal in den Hintergrund gestellt. Erst muss der Ruf der Band wieder vollkommen hergestellt werden, auch wenn ich nicht finde mit unserer Beziehung unseren Ruf so schlecht zu machen. Was ist bitte so schlimm daran, wenn zwei Menschen zu einander gefunden haben? Ich es schlimm weil wir dadurch nicht mehr Singels sind oder eher weil wir Beide vom gleichen Geschlecht sind. Wäre es harmloser wenn wir küssend mit einem Mädchen fotografiert wären? Fragen über Fragen und keine Antworten. Jeder denk anders darüber und wir müssen uns nach dem Denken der Plattenfirma richten.

Plötzlich spüre ich das Gewicht deines Kopfes auf meiner Schulter. Schielend blicke ich zu dir und bekomme nur dein schwarzer Haarschopf zu sehen. Mir ist dieser Kontakt nur recht. Ich nähere meinen Kopf nun etwas dem Deinen, kann dein Shampoo riechen, deine gleich mäßige Atmung hören. Vorsichtig lege ich meine Lippen auf deinen Hinterkopf ab und hauche dir einen hauchfeinen Kuss darauf. Keine Ahnung ob du eingeschlafen bist oder auch nicht.

Aufjedenfall senken sich langsam meine schweren Lieder und alles in mir schreit nach Schlaf, nach dem längst fälligen und verdienten Schlaf.

In deiner Nähe läst es sich gleich viel besser Leben, läst es alle Sorgen verdrängen und einfach nur wohl fühlen.  

Gratis bloggen bei
myblog.de

HOME

  • NEWS
  • Gästebuch
  • Das Duo
  • Kontakt
  • Bilder
  • One-Shots:
    ...Zimmer 483
  • FANFIKTION

  • Verrücktes-Duo