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Kapitel 36 (Ariean)

~Bills Sicht~

Langsam gehen wir zurück zu den Anderen. Ich habe Angst. Angst vor der Reaktion der Anderen, denn was dort in der Presse steht, ist kein Spaß mehr. Sie hat es getan, Mia, dieses kleine Miststück hat es wirklich gewagt, das Bild an die Presse zu reichen. Hat sie etwa kein schlechtes Gewissen? Wird sie das etwa nicht auf Ewig verfolgen?

Am liebsten würde ich sie jetzt hier, hier vor mir haben, und ihr wieder eine runter hauen, genau wie ich es gemacht habe, als sie von mir verlangt hat, dass ich mit ihr schlafen solle. Ich weiß nicht, ob meine Abwehrhaltung wirklich eine Rolle dabei gespielt hat, dass sie das Bild an die Presse geschickt hat und auch wenn ich dir gerade selber gesagt habe, sie wäre so oder so damit an die Öffentlichkeit gegangen, habe ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Wenn ich zwar dran denke, es mit ihr getrieben haben zu können, wird mir schon ganz anders, aber wären wir vielleicht dann jetzt nicht in einer solchen Situation?

Alle Blicke sind auf uns gerichtet, kaum das wir um die Ecke biegen. Das ich dir gefolgt bin macht uns noch verdächtiger, aber mir ist sowieso klar, dass es kein Zurück mehr gibt, und wir wohl oder übel beichten müssen, was im Urlaub ohne Davids wissen passiert ist. Jetzt schon kann ich seine Augen bedrohlich und warnend aufleuchten sehen, nach dem Motto `wehe ihr Lügt mich jetzt an´. Aber nicht nur er, sondern auch unsere Bandmitglieder haben ihre Augen auf uns gerichtet und Mustern uns. Ja, Georg hat von unserem Streit und all den Tücken nichts mitbekommen, aber wie mir jetzt auffällt habe ich Tom auch etwas verschwiegen… etwas, was jetzt sehr wichtig geworden ist, und zwar, dass es Fotos gab und wie man sieht immer noch gibt.

Ich stelle mich neben David und auch du kommst neben mich. Zweifel packen mich und Angst steigt in mir auf, da ich dich nicht schon wieder verlieren will. Was wird David wohl machen, wenn er alles erfährt? Denken konnte er sich seinen Teil ja schon, aber Bestätigung zu kriegen ist immer noch etwas ganz anderes. Außerdem… was ist, wenn er uns verbieten wird, weiterhin zusammen zu sein? Was ist, wenn er uns mit der Kündigung des Plattenvertrages droht?

Gut, es wäre ein großer Verlust für ihn, wenn wir, Tokio Hotel, nicht mehr unter seinem Vertrag ständen, aber ich hab echt keine Ahnung, was und wie er reagieren wird. Eins ist nur sicher, erfreut wird er garantiert nicht sein. Er wirkte ja schon leicht Geschockt, als wir das `schwul sein´ vor ein paar Wochen wirklich nur vorgespielt haben, als es noch nichts Ernstes und Wirkliches war. Jetzt wird sich also zeigen, ob David nicht nur ein guter Manager ist, sondern auch ein Freund, den er bis jetzt immer vorgab zu sein.

„Also, was ist jetzt war an der Geschichte?“ wieder wird mir die Bild- Zeitung vor die Nase gehalten und ein angesäuerter Unterton schwingt in Davids Frage mit. Nach dem Urlaub direkt wieder mit so etwas konfrontiert zu werden; ich kann da verstehen, dass er genervt ist, aber wie soll ich mich dann erst fühlen, und du dich auch? Wir sind die, um die es geht, und dass unsere Beziehung so schnell in die Öffentlichkeit gelangt, wollten wir eigentlich nicht. Klar, irgendwann hätten wir unserem Produzenten Team und unserem Manager schon sagen müssen, dass mit uns was läuft, aber heute, direkt ein paar Stunden nach unserer `Versöhnung´ (direkt Versöhnung kann man es ja eigentlich auch noch nicht mal nennen) hatten wir dies eigentlich noch nicht vor. Und es ihnen durch Bilder der Presse beizubringen ist schon gar nicht meine Absicht gewesen.

Ich schließe einmal kurz die Augen, hole tief Luft und seufze kräftig aus. Dann wende ich mich wieder David zu: „Na ja… ich will jetzt einfach mal ehrlich sein“ es fällt mir schwer, hier, vor versammelter Mannschaft über uns zu sprechen, denn auch wenn ich es nicht als falsch ansehe, mit dir zusammen zu sein, ist es trotzdem ein komisches Gefühl zu zugeben, dass man, trotz etlicher Beteuerungen dies nicht zu sein, schwul, oder wie ich mir ganz sicher bin; bi zu sein. Was ich auch machen könnte, wäre lügen, das alles abstreiten, denn besonders deutlich ist das kleine Handybildchen an einigen Stellen nicht, auch wenn unsere beiden Köpfe doch schon uns zugeordnet werden können und wir uns gerade eindeutig küssten, aber was würde mir lügen schon bringen? Ich weiß ja jetzt schon, dass David enttäuscht sein wird, und wenn wir es weiter vertuschen, würde es nur immer schlimmer mit der Enttäuschung, und dem Vertrauen werden.

„Also… es stimmt!“ zögere ich erst wieder, rattere es dann aber schnell runter „ Es stimmt, das Foto ist keine Fälschung, wir, Gustav und ich, wir küssen uns da wirklich. Wir… haben im Urlaub festgestellt, dass wir uns ineinander verliebt haben… und sind jetzt zusammen.“

David guckt uns erst leicht geschockt und dann ernst an. Vielleicht hat er sich das schon vorher zusammen gereimt, vielleicht wollte er wirklich nur noch Bestätigung, aber aus seinem Blick gerade kann ich nichts lesen. Ist er sauer, wird er gleich rumschreien, oder was kommt als nächstes? Leicht fragend schiele ich zu dir, doch du scheinst die gleichen Fragen zu haben. Mein Blick geht zurück zu David, der gerade anfangen will, uns irgendwas zu sagen, da fährst du ihm gleich dazwischen.

„David, tut uns leid, wenn du jetzt enttäuscht bist, weil wir nichts gesagt haben, aber wir mussten mit dem ganzen doch erstmal selber fertig werden. Für uns war das auch nicht leicht und wir hatten auch vor, dir das zu sagen, und so wollten wir es garantiert nicht, dass du davon erfährst, aber wir können es jetzt nicht mehr ändern. Es tut uns leid.“ Davids Mund geht wieder zu und seine eine Hand fährt langsam durch sein Haar und reibt anschließend seine Schläfen. Hätte ich gewusst, was uns hier in Deutschland erwartet, hätte ich mich geweigert in den Flieger zu steigen. Ich meine, man kann das, was wir hatten, ja noch nicht mal richtig Urlaub nennen, denn ich empfand diese 1 Woche nicht gerade als Entspannungsreise. Es war keine Erholung in Griechenland, auch wenn dadurch einiges klar wurde, was meine Gefühle betrifft, aber richtig genießen konnte ich doch keinen ganzen Tag dort, oder?

Ein Stöhnen ist von unserem Manager zu hören und ein leisen Flüstern „Was für ein Tag!“ dringt an mein Ohr. Dann wird seine Stimme wieder kräftiger „OK, wann und wie ihr das mir hätten sagen sollen ist jetzt eigentlich auch egal; viel wichtiger ist doch erstmal: Was machen wir jetzt? Eure Fans sind sicher sehr geschockt und wollen wissen, ob das jetzt stimmt… Ich denke mal ich kann eh nichts an Gefühlen ändern,“ ein kurzes Schnauben ist zu hören, „darum sag ich dazu erstmal nichts, auch wenn ich mir das absolut nicht vorstellen kann. Warum ausgerechnet du Gustav?...“ Ist das etwa eine Anspielung darauf, dass er sich bei mir wirklich gut vorstellen kann, dass ich schwul bin? Danke auch, aber ich glaube das jetzt auszufechten ist unangebracht.

„Aber ich als euer Manager würde sagen, ihr streitet es erstmal ab, dass ihr zusammen seid. Es ist besser für euer Image und jetzt im Moment wäre es glaube ich nicht schlau, wo ihr euch gerade etwas zurückgezogen habt, dass ihr damit rauskommt. Also das heißt, nichts Auffälliges in der Öffentlichkeit machen!“ Wir nicken. „Wir sagen einfach, dass das Bild gefakt ist. So viele Bilder, in dehnen ihr Manipuliert worden seit, wie es gibt, da wird euch hoffentlich geglaubt. Bill, ich setze jetzt einfach mal auf deine sonst ja auch immer so gute Überzeugungskraft!“

~+~

Ich bin erleichtert, als ich endlich in meinem Bett in unserer Studio WG liege, die Augen schließen kann und endlich mal zum Nachdenken komme, auch wenn es noch recht früh am Tage ist. Eben haben wir noch eine zeitlang zusammen gesessen und David und Georg erzählen müssen, was denn jetzt alles wie passiert ist. Was wir die eine verhängnisvolle Nacht am Strand gemacht haben, haben wir aber nur angedeutet. Mir war es dann nämlich etwas peinlich, das alles zu erzählen, und etwas Privatsphäre wird einem ja wohl noch gegönnt sein. Außerdem glaube ich auch nicht, dass sie das so genau wissen wollen.

Jedenfalls lieg ich jetzt hier und kann mich schon auf morgen freuen. Ja, ich könnte mir theoretisch jetzt schon meine genauen Sätze zu Recht legen, die ich morgen sagen werde, wenn wir interviewt werden und ich uns beide rechtfertigen muss. Kaum sind wir wieder hier, und vor allem jetzt nach diesem Skandal, ist unser Terminkalender echt von morgens bis Abends voll gepackt und ich frage mich, wie ich das überstehen soll. Eigentlich könnten wir, wie wir es anfangs auch bei Gustavs angeblichem Ausstieg gemacht haben, einfach das Thema abblocken, aber David, und die anderen, ich mit eingeschlossen, halten das in diesem Falle nicht für sehr schlau. Wenn wir nichts sagen, macht das alles noch verdächtiger, die Gerüchte werden schlimmer und uns würde auch kein Glaube mehr geschenkt werden, wenn wir erst nach Ewigkeiten mit dem Einspruch ankämen.

Das der nächste Tag wohl voller Lügen sein wird, macht mir irgendwie aber nichts aus. Ich bin es gewohnt, nicht immer die volle Wahrheit zu sagen, und ab und zu auch mal zu lügen, ganz zu schweigen von dem immer brav aufgesetzten heiteren Lächeln, was ich mir früh beigebracht habe. Als ob das keine Lüge sein würde, ich kann nun mal auch nicht immer gut drauf sein. In unserem Beruf lernt man glaube ich eh schnell, wie man geschickt in die Kamera lügt. Ist manchmal halt einfach auch besser so.

Trotzdem, irgendwie hab ich auch ein ungutes Gefühl in Hinblick auf morgen. Was uns wohl alles gefragt wird und ob wir auch ehrlich rüberkommen werden? Außerdem ist da noch etwas, was mir erst gerade bewusst geworden ist; und das ist, dass jetzt unsere Hater bestimmt wieder guter Dinge sind. Für die ist es doch wie ein gefundenes Fressen, dass so ein Bild in der Presse war. Das bestätigt sie doch nur in all ihren Denkensweisen und auch wenn ich es nicht hoffe, kann ich mir gut vorstellen, dass wir auch von diesen Leuten morgen nicht verschont bleiben. Schon allein, weil manche Reporter uns genauso wenig abkönnen…

Als wir noch in Griechenland waren wusste ich ja schon, wie kompliziert das alles werden würde, oder hab es mir zumindest gedacht, aber so, durch diese umstände, mit diesem Bild und alle dem, so habe ich mir das auch nicht vorgestellt. Ich weiß nicht, ob ich die Zeit zurück stellen würde, wenn ich könnte, denn die eine Nacht mit dir war wirklich wunder wunderschön, doch das, was anschließend geschah, dass würde ich gerne aus dem Zeitstrahl löschen. Es wäre ein so viel schönerer Urlaub geworden und wir hätten jetzt so viel Ärger weniger am Hals… Das blöde ist nur; wir HÄTTEN!

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