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Kapitel 35(Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

„Die Gerüchteküche brodelt“

 Diese drei Worte treffen uns wie ein Schlag. Kaum befinden wir uns wieder auf festen Boden, kaum ist das letzte Problem halbwegs aus der Welt geschafft, erwartet und bereits das Nächste. David blickt uns bitter ernst an. Es muss etwas wirklich Schlimmes im Umlauf sein, egal welches Gerücht in unserer bisherigen Karriere kursierte, noch nie besaß David dabei eine so feste Miene.

„Was ist denn passiert?“ schnauft Georg in die Runde, streich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Er scheint sichtlich genervt zu sein, wer ist es von uns vieren auch nicht.

David richtet seine Augen mit einem Ruck in die Meine. Wie erstarrt blicke ich zurück, fühle mich gefangen und auf irgendeine Art und Weise ertappt, auch wenn ich nicht weiß weshalb oder vielleicht doch? Ich habe eine leise Ahnung warum er genau mich und auch Bill böse blicke zuwirft. Schnell schiebe ich diesen Gedanken bei Seite…unmöglich.

„Kommt mit, sofort“ zischt es mehr, als gesprochen aus Davids Lippen, der nun voraus schreitet und wir unsere Sachen ergreifen um im so schnell wie möglich zu folgen.

Mein Herz hämmert kräftig, mit beschleunigtem Tempo gegen den Brustkorb. Schweißausbrüche überkommen mich. Diese Vorahnung bringt mich vollkommen  durcheinander. Nicht nur meine Körperfunktionen, sondern auch sämtliche Gehirnfunktionen in meinem Schädel.

Neben mir hetzt Bill ebenso hinter unserem Produzenten her, der es gerade sehr eilig hat. Georg und Tom laufen vor uns.

„Bill, glaubst du dass-“ Ich stocke, traue mich nicht meine Vermutung auszusprechen. Genau dieses verhasste Thema, das verhasste Ereignis, die verhasste Person. Aus dem Augenwinkel erkenne ich wie du mich stumm mit blassem Gesichtsausdruck ansiehst. Ich glaube du vermutest das Selbe.

Hoffen wir einfach mal, dass wir uns schwer täuschen und es abermals einer der harmlosen, lächerlichen, für uns bereits normalen, Gerüchte sind. Bitte Gott gewähre uns nur einmal unser Glück. Gibs  uns nicht erst, um es uns gleich darauf wieder zu entreißen. Haben wir unser Glück bereits alles für unsere Karriere verbraucht. Ist uns für die Liebe nichts übrig geblieben?! Ist es uns nicht vergönnt, war es vom Schicksaal nicht geplant dass wir uns ineinander verlieben? Geplant war es wirklich nicht, auf kleinster Weise, aber ich liebe dich nun mal und wie ich dich liebe. Jede einzelne Faser meines Körpers, sowohl auch meines Verstandes, ist dir verfallen. Noch nie hat sich mein Köper so sehr zu einem Anderen hingezogen gefühlt. Wie gen würde ich dich jetzt küssen, meine Hand über deine weiche Haut fahren lassen, deine nackte Haut auf meiner spüren, deinen betörenden Duft einatmen, dir dabei lustvolle Töne entlocken. Momentmahl…HALT,STOP!! An was denke ich nur jetzt gelangen.

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Wortlos setzten wir uns in dem für uns bereits am Eingang stehenden Van. Sogleich greift David nach seinem Handy um weitere ziemlich aufbrausende Gespräche zu führen. Von den herumfliegenden Wortfetzen kann man leider keinen vernünftigen, zusammenpassenden Satz zusammenstellen, geschweige denn vermuten worum es sich bei dem Gespräch handelt. David hört mehr zu als er spricht. Still tausche ich ein paar Blicke mit Tom, der dem Anschein macht die gleiche Befürchtung zu haben.

„Ihr wisst doch was, wärt ihr so nett und würdet mich einweihen“ platzt Georg in die Stille. Der Arme kann einen schon leid tun, doch mir fehlt der Mut das Thema anzusprechen, auch wenn ich weiß bald mit Bill eine Aussprache darüber führen zu müssen, doch schon gar nicht hier im Van, in der Gegenwart von Tom und Georg.

„Jetzt nicht Georg“ übernimmt Tom für uns das Sprechen um den Unwissenden klar zu machen, es sei ein äußerst unpassender Zeitpunkt. Zu triefst dankbar nickte ich, fast unerkenntlich kurz, zu Tom. Er muss bemerkt haben das ich und sowohl auch du nicht darüber reden wollen. Durch diesen kleinen Vorfall scheint die Luft voller Anspannung zu sein.  Betreten schaue ich aus dem Fenster, sehe dein Spiegelbild darin. Wie kam es nur soweit?

Das erste Mal sehe ich, nach einer Woche, deutsche Straßen, deutsche Menschen, wobei eine Deutsche habe ich auch im Urlaub kennen lernen müssen. Ich weiß nicht ob ich mich glücklich schätzen kann zurück in Deutschland zu sein.

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Nicht nach Hause, wie erhofft, nein sondern am Tonstudio kommen wir an. David umhüllte sich die ganze Fahrt über im Schweigen, gab uns keinen Anhaltspunkt worum sich die Gerüche drehen könnten.

Zitternd betrete ich das Tonstudio und lasse mich gezwungenermaßen auf die Couch nieder, was uns David schon fast befehlte. Am liebsten will ich stehen, wenn’s unangenehm wird könnte ich so schnell wie möglich verschwinden aber so. Seufzend streiche ich durch meine Haare und spüre die Nervosität in mir die Oberhand gewinnen.

„Habt ihr mir was zu sagen?“ schmeißt unser Produzent in den Raum, läst sich auf einen der Stühle plumpsen und dabei jeden von uns aufs Genauste musternd. Bloß nichts anmerken lassen, wäre dies nur so einfach.

„Ich weiß nicht was du meinst“ tut unser Gitarist gekonnt unwissend, runzelt dabei fragend die Stirn. David hingegen gefällt diese Antwort ganz und gar nicht, er zuckt bereits gefährlich auf den Stuhl.

„Ihr wisst ich bin für jeden Spaß zu haben, aber nicht wenn es ums Geschäft geht, also last die Scherze und rückt mit der Wahrheit raus“

Kann dieser Mann nicht einfach sagen was er zu sagen hat. Ehe noch jemand etwas ausplaudert was nicht gemeint ist. Alle schweigen. Georg weil er wirklich nichts Genaues weiß, Tom weil er sonst ärger mit dir und auch von mir bekäme und ich weil es mir sehr unangenehm ist. Wir müssen nun auch nicht alles erzählen. Privat ist privat.

„Bill, Gustav habt IHR mir was zu sagen“ Mein Herz bleibt stehen, meine Augenlieder ziehen sich wie von selbst in die Höhe, drücken die Augen weiter heraus.

„Was“ krätze ich trocken. Mein Hals fühlt  sich auf einmal so rau und trocken an. Wasser!!

„Was ist hier eigentlich los“ faucht nun der schweigende Georg, dem seine Unwissenheit sichtlich nervt.

Wach auf Gustav, wach verdammt noch mal aus diesem beschießenden Traum auf. Schon viel zu lange befinde ich mich in dieser Traumwelt. Es muss ein Traum, der reinste Alptraum sein, anders kann ich mir die Ereignisse nicht erklären, zumindest vertusche ich mir das einzureden.

„Ihr wollt wissen was ich meine. Schön“ David erhebt sich und verläst kurz den Raum, um darauf mit einer Zeitung in der Hand zurück zu kommen. „Bitte“ achtlos schmeißt er uns diese auf den Tisch. Ich traue mich nicht sie aufzuklappen. Bitte lass es nicht das sein was ich glaube, bitte nicht. Georg hingegen hat keine Hemmungen, schnappt sich die Zeitung und findet dem Anschein nach gleich den von David angesprochenen Artikel. Eingehend musternd starre ich den Bassisten an, möchte an seinem Mimik irgendeinen Anhaltspunkt erkennen, aber wiederum auch nicht. Georgs Augen weitern sich, er sagt kein einziges Wort, sondern schiebt sie mir nun unter die Nase. Blankes entsetzen zeichnet sich in meinem Gesicht nieder. Ich starre wie hypnotisiert die großen, fetten Wörter der Artikelüberschrift an.

`Tokio Hotel- Bill und Gustav ein Paar?´

Mein Herz in die Hose gerutscht, meine Augen weit aufgerissen, mein Atem stockend, meine Gesichtsfarbe ungesund bleich. NEIN!!!

Ich wage kaum das daneben befindende Foto anzugucken, doch wie von selbst gleiten sie dort hin. Erschießt mich auf der Stelle!!

Das Bild ist dunkel, leider sind Bill und ich gut darauf zu erkennen, zwar nicht zu intim, aber dennoch eindeutig. Mir wird schlecht. Wo sind die Kameras, wo sind die versteckten Kameras, los kommt raus…haha ihr hattet euren spaß jetzt Schluss damit. Tom reißt sich die Zeitung unter den Nagel und ließt zu meinem entsetzten den Artikel auch noch laut vor. Ich will es nicht hören, ich will verdammt noch mal nichts davon hören.

„…die Person möchte hier nicht beim Namen genannt werden…“ Mia dieses Miststück. Ich dachte ernsthaft sie in die Schranken gewissen zu haben.

„Ich hab doch gesehen wie die Fotos gelöscht wurden“ flüstere ich total neben der Spur.

„Du wusstest das solche Fotos existieren“ donnert David wütend entgegen, „…und was da zu sehen ist, ist auch noch wahr“ Nun jedoch wirkt er schon fast sprachlos. Alles läuft hier gerade entsetzlich schief und in jeder Hinsicht nicht so wie geplant.

Die Übelkeit wird stärker…und wie mir schlecht ist. Die Hand vor dem Mund haltend, renne ich aufs Klo um mich dort über der Schüssel zu übergeben. War alles umsonst? Hab ich mich umsonst auf ihr Spielchen eingelassen. Dir unnötig seelische Schmerzen zugeführt, dich angelogen und hintergangen. Wenn’s das wirklich war, bedeutet es ich habe dich wirklich betrogen, es hat nichts gebracht, rein gar nichts. Ich fühle mich mit einem male so fürchterlich dreckig und dies liegt nicht daran das ich mich gerade übergebe.

Am Waschbecken spüle ich mir den Mund aus betrachte mein bleiches Gesicht im Spiegel. Ein schrecklich aussehendes Spiegelbild blickt mir mit großen Augen entgegen.

„Gustav“ erschrocken wirble ich herum und sehe dich am Türrahmen stehen.

„Es tut mir so leid, Bill“ murmle ich entschuldigend, wobei ich mich mit deiner Hand am Waschbecken abstütze. Bill legt den Kopf etwas schief, scheint nicht zu verstehen was gemeint ist.

„Es ist alles meine Schuld. Ich hab uns darein geritten“

„Dazu gehören immer zwei“ erwidertes du, lächelst leicht, was auch mir für einen kurzen Augenblick ein kleines Lächeln über die Lippen huschen läst. Doch diese keine Aufheiterung ist von keiner langen Dauer. Seufzend lehne ich mich gegen die Fließen und schließe die Augen.

„Ich hab wirklich gehofft, wenn ich mit ihr…nun ja…ähm du weißt was ich meine, wäre das Problem von der Welt, aber es ist das totale Gegenteil eingetreten. Ich hab dir wehgetan, hab alles kaputt gemacht. Warum kann’s nicht einmal einfach sein ohne das gleich Probleme entstehen, ohne jemanden der sich dazwischendrängt. Ich steh das nicht durch…“

Plötzlich spüre ich eine warme Hand auf meiner Wange. Überrascht öffne ich die Augen und blicke in die Deine. Wann bist du mir so nahe gekommen? Wie schön deine Berührung zu spüren.

„Ja, du hast Fehler gemacht, aber nicht nur du. Für den Artikel trägst du keine Schuld. So oder so wäre sie damit an die Presse gegangen, wer läst sich eine so gute Story durch die Lappen gehen. Du hast versucht es zu verhindern“

Bei den letzten Worten zeigt sich deutlich der Schmerz in deinen Augen, kurz aber sichtbar. Wenn ich könnte würde ich dein ganzes Leid auf mich nehmen, es geht aber nicht.

„Wir schaffen das schon irgendwie. Lass uns zurück zu den Anderen“ So überzeugend klingen dein Worte nicht.

Ein letztes Mal streichelst du über meine Wange, schreitest schließlich voraus. Zögernd folge ich dir, den Konfrontationen entgegen, auch wenn ich mich lieber in irgendeine Ecke verkriechen möchte und nie wieder dort rauskommen will. Mia wenn ich dich in die Finger kriegen sollte, dann gnade dir Gott.

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