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Kapitel 34 (Ariean)

~Bills Sicht~

Nun ist der Urlaub also vorbei. Nun ist also die Zeit vorbei, in der ich mich eigentlich erholen und von den Gefühlen zu dir entfernen wollte. Was ist bloß alles passiert, und warum hab ich angefangen dich zu lieben? Wieso haben wir uns bloß aufeinander eingelassen? War doch klar, dass das nicht lange halten würde, auch wenn ich schon gedacht hatte, nen bisschen länger…

OK, eigentlich war ich sogar in so einer Traumwelt gefangen, dass mein Herz mir sagte, dass ich für immer mit dir glücklich sein würde. Wie sehr ich mich in allem geirrt habe, wie sehr ich mich doch an meinen Wünschen festgeklammert habe, um danach achtlos abzustürzen. Auch wenn es so kommen musste, es ist enttäuschend.

Das Flugzeug hebt ab, nachdem wieder einmal die Sicherheitsvorkehrungen in einem kleinen Filmchen demonstriert wurden und seufzend nehme ich mir meine Sonnenbrille von der Nase. Ich bin froh, dass ich hier neben Tom, meinem Bruder, und nicht neben dir sitze, denn auch wenn ich gestern in meiner SMS noch geschrieben hab, dass wir heute reden können, will ich dieses Gespräch so weit es geht von mir halten. Ich habe angst davor, was du sagen wirst, ich habe Angst vor der Wahrheit und Angst vor meiner Reaktion. Ich will dich nicht mehr anschreien, auch wenn ich vielleicht Grund dazu habe, aber ich will es einfach nicht mehr und ich weiß nicht… ich habe so im Gefühl, dass egal was kommen wird, ich mich nicht mehr unter Kontrolle haben werde.

 Das ist mir schon öfter passiert. Wenn mir alles über den Kopf wuchst und ich nicht mehr kann, dann wurde ich schon immer schnell gereizt und machte alle in meinem Umfeld nieder, auch wenn ich es nicht will, aber es ist dann so, als ob eine andere Person besitz von mir ergriffen hätte und mich wie eine Marionette steuern würde. Auch wenn mein Geist ein lautes `STOPŽ von sich gibt, kann ich dann nicht aufhören und wenn mir das dann später erst richtig bewusst wird, geht’s mir noch schlechter.

Ich krame meinen I-Pot raus und stöpsele mir die kleinen Hörer ins Ohr, doch egal welches Lied ich anstelle, heute scheint mir nichts zu gefallen. Entweder mir sind die Lieder zu rockig, zu fröhlich oder zu ruhig, aber ein ausgewogenes Lied finde ich nicht. Schließlich gebe ich es einfach auf und packe das Gerät wieder weg. Was soll ich bloß den ganzen Flug noch machen, er hat doch gerade erst begonnen und wird jetzt leider nicht gleich schon wieder beendet sein.

Heimlich schiele ich zu dir rüber auf die andere Seite des Gangs und sehe, wie du nachdenklich aus dem kleinen Fenster blickst. Süß- schießt mir in den Kopf und ja, ich kann es nicht leugnen, am liebsten würde ich dich zärtlich küssen. Warum ist das alles bloß so kompliziert? Wieso kann meine Aussage von vor den Ferien „Ich war und werde niemals mit einem Jungen zusammen sein“ nicht noch stimmen? Es wäre doch so viel einfacher.

Mehr aus Langeweile, als aus Drang stehe ich schließlich auf und mache mich auf zum Klo. Ist zwar nicht die beste Beschäftigung, doch immer hin lenkt es ab- oder soll es mich zumindest.

Mit einem Blick auf die Türanzeige stelle ich fest, dass noch besetzt ist und so drehe ich mich wieder Richtung Gang um nicht die ganze Zeit wie gebannt die Tür anstarren zu müssen. Doch was ich jetzt sehe, lässt mein Herz gleich wieder schneller schlagen und leicht Panisch bete ich, dass der oder die auf dem Klo doch bitte mal etwas zügiger machen soll, denn der der auf mich zu kommt bist eindeutig du. Musst du etwa auch auf Klo, oder willst du etwas anderes hier vorne?

Schließlich bleibst du vor mir stehen und schaust mich schüchtern und beinahe etwas Ängstlich, als ob du ein Hase und ich ein hunriger Fuchs währe, an.

„Ich will mit dir reden“ kommt es schließlich aus deinem Mund wären du einmal kurz auf den Boden blickst und mir dann wieder in die Augen schaust. Was willst du? HIER mit mir reden?

„Ich aber nicht mit dir!“ vernehme ich es aus meinem eigenen Mund zischen und merke schon wie sich mit einem `Klick´ mein Verstand wieder auf Standby schaltet. Ich spüre, wie etwas in mir versucht, den Schalter noch mal um zu legen, doch es gelingt nicht, mein automatischer Abwehrmodus hat sich schon verselbstständigt.

„Bitte Bill, lass es mich doch erklären. Ich wollte dich wirklich nicht verletzen“ versuchst du weiter mich zu einem Gespräch mit dir zu bewegen und ein leichter hauch von Verzweiflung schwingt in deiner Stimme mit, doch ich nehme es nicht wahr- nicht in meinem wieder mal undurchlässigem Zustand.

„Das hast du aber und ich kann dir nicht verzeihen!“ werfe ich dir nun an den Kopf und schaue erbarmungslos schließlich doch die Tür an.

„Du musst wissen sie hat mir nichts bedeutet, ich war einfach so schwach und dachte so alles zu retten, aber es hat alles kaputt gemacht. Bitte du musst mir glauben du bist mir das wichtigste in meinem Leben. Ich…ich…ich hab so etwas noch nie für jemanden empfunden…ich…“ beginnst du einfach auf mich einzureden als plötzlich vor mir die Tür aufgehet und ein Mann raus tritt.

~Danke~ schicke ich diesem nur in Gedanken rüber, wobei mir egal ist, ob er es nun wahrnimmt oder nicht und will gerade auf die Toilette flüchten, as ich deine Hand auf meiner Schulter spüre. Ein letztes Mal erbarme ich mich kurz, mich zu dir umzudrehen

„Bitte Bill… ich liebe dich doch!“ als ob die Zeit für mich stehen geblieben wäre, fliegen die Wörter nur langsam zu meinem Ohr und geben mir zu verstehen, was du da gerade gesagt hast. Immer noch im Sekunden- Tempo richte ich meine Augen von deiner Nase auf deine Augen und sehe, wie diese von einer leichten Feuchtigkeit überzogen schimmern und mich flehend ansehen. Mein Blick bleibt hängen und mit einem gewaltigen Schub an Kraft drückt mein Verstand den eben umgelegten Hebel wieder nach oben.

`Klick´ macht es in mir und sogleich merke ich, wie meine aus Wut und pure Aggression bestehende Barrikade anfängt, immer mehr Risse zu bekommen. Meine Zunge wird trocken und das schlucken fängt an, mir weh zu tun, während ich weiter gebannt in die weiten deiner mir geöffneten Seele blicke. Wie in einem Film ziehen vor meinen Augen Bilder der letzten Tage vorbei, verbunden mit traurigen Gedanken von dir. Ich kann spüren, wie du fühlst- wie du gefühlt hast und es kommt mir vor, als wäre ich es, der das alles aus deiner Sicht noch einmal durchlebt.

Mein Herz macht einen kurzen Aussetzer, bei dem Überschwung an Gefühlen, die immer weiter auf mich ein wirken, bevor sich schließlich still und heimlich eine leicht salzige Flüssigkeit in meinen Augen sammelt.

„Es es… es tut mir leid“ bringe ich schließlich nur mir zitternder Stimme raus und drücke meine Lieder zusammen, damit die Flüssigkeit sich wieder zurück zieht. Ich habe es gerade gesehen, das gesehen, was ich die letzte Zeit übersehen habe, und zwar deine Liebe und die Verzweiflung, die die ganze Situation auch dir gebracht hat. Wie kann man nur so ein penetranter Egoist sein? Wie kann ich nur so ignorant meinem eigenen Freund gegenüber sein… oder ne. Wir sind ja gar nicht mehr zusammen.

Meine Augen sind weiterhin geschlossen, wieder kann ich dir nicht in die Augen sehen. Es war nicht fair von mir, dich nie aussprechen zu lassen; es war nicht fair, immer nur an meine Gefühle zu denken.

Leise seufze ich auf und will gerade wieder aufgucken, als sich etwas samtig- weichen auf meine Lippen legt; ganz vorsichtig und ganz zart, als wären meine Lippen zerbrechlich, ruhen deine einfach nur auf diesen ohne etwas anderes zu machen. Du scheinst mir mein Verhalten also schon lange verziehen zu haben. Umso peinlicher, dass ich es bei dir erst jetzt langsam kann.

In meinem Bauch beginnen die Schmetterlinge wieder ihre Runden zu drehen und mein Herz beschleunigt seinen trommelnden Rhythmus. Wie hatte ich dieses Gefühl- wie hatte ich deine Lippen vermisst!

„Hmhm!“ reißt uns ein Räuspern aus unserer Starre und rot anlaufend wende ich mich zur Seite.

„Sorry boys, but can I go first?“ (bitte lasst mein Englisch außen vor, ich hoffe ihr versteht immerhin, was es heißen sollte ) Eine Frau im mittleren Alter schaut uns fragend mit einem leichten freundlichen Lächeln an, und deutet unnötigerweise noch Richtung Klo, in dessen Tür ich immer noch halb stehe.

„Sorry Miss“ entweicht es mir ertappt und mache ihr den Weg frei. Das Bedürfnis jetzt auf Toilette zu gehen hab ich nicht mehr. Unschlüssig stehe ich so nun wieder vor der verschlossenen Tür, neben dir.

Meine Hand greift nach deiner, drückt sie einmal kurz, dann setze ich mich in Bewegung um zu meinem Sitzplatz zu kommen. Es ist ein komisches Gefühl nicht zu wissen, wie es denn jetzt genau um uns steht, aber gerade eben wurde mir bewusst, dass es wohl doch besser ist, das nicht hier im Flugzeug auszudiskutieren. Immerhin hätten wir auch das Pech haben können, dass ein Deutscher uns küssen gesehen hätte. Schlimm genug das eine `Unbekannte´ weiß, was zwischen uns beiden ist Ich hoffe mal einfach du siehst das auch ein.

Bevor ich mich wieder an Tom vorbei auf meinen Sitzplatz quetsche, drehe ich mich noch einmal um und lächle dir noch kurz aufmunternd zu. Ja, es tut mir wirklich leid, wie ich mich benommen habe, denn auch wenn es teilweise wohl berechtigt war, habe ich an manchen Stellen doch überreagiert und einfach nicht auf dich und die anderen geachtet. Man, es ist nicht immer von Vorteil, so ein Egoistenschwein zu sein!

Auf meinem Platz lehne ich mich wieder genüsslich zurück. Ich spüre Toms fragende Blicke an mir kleben, doch da ich keine Lust habe, ihm alles wieder mal brühwarm zu erzählen- jedenfalls gerade nicht- schließe ich einfach demonstrativ die Augen. Vielleicht wird er jetzt einfach zu dir gehen und dich ausquetschen, aber das glaube ich nicht und es wäre mir auch egal, denn zum ersten Mal seit den letzten 2 Tagen fühle ich wieder etwas wie Hoffnung und Freude in mir, was mir immer wieder aufmunternd zuflüstert, dass du und ich jetzt noch einmal von vorn beginnen können, oder einfach wieder zusammen sein können.

Darüber, dass dieses `einfach´ vielleicht doch nicht so einfach sein wird, mache ich mir erstmal keine Gedanken, und auch nicht darüber, dass David noch immer nichts von all dem Trouble, der Geschehen ist, weiß. Ihm müssen wir früher oder später aber von der ganzen Sache beichten. Doch das aller schwerste würde wohl werde, in der Öffentlichkeit unauffällig zu bleiben... wenn du denn immer noch mit mir zusammen sein Willst, nachdem ich dich so behandelt habe?

Obwohl, warum hättest du mich sonst küssen sollen?

+~+ Eine Lautsprecherstimme reißt mich unsanft aus meinen Träumen und im Halbschlaf stelle ich fest, wie Tom mir meinen Gurt in die Hand drückt und mich auffordert, mich anzuschnallen. Schnell reib ich mir einmal kurz über die Augen, bevor ich seiner Aufforderung nachgehe und dann weiter vor mich hin döse- alles erst nach und nach wieder mehr wahrnehme. Wenn ich mich jetzt anschnallen sollte, heißt das jetzt, wir sind in einem besonders starken Sturm, oder wie? Benommen und leicht verwirrt versuche ich mich auf das Schwanken des Flugzeuges zu konzentrieren, kann allerdings nichts Besonderes feststellen.

„Tom, was ist los? Warum müssen wir uns anschnallen?“ nuschle ich schließlich und ernte ein kleines Lachen als Antwort.

 

„Mensch Bill, werd richtig wach und denk dann nach! Du hast den Rest den Fluges durchgepennt, wir landen!“ ungläubig ziehe ich eine Augenbraue hoch. Ach ja, hab ich wirklich so lange geschlafen? Sonst gelingt mir dies eigentlich nicht in Flugzeugen, oder hat sich mein Körper einfach mal die Auszeit nehmen müssen? Es stimmt ja, die letzten Nächte waren nicht wirklich meine Längsten.

Langsam kehr das Gefühl für Raum und Zeit in mir zurück, was wohl irgendwo in meinen Träumen und deinem süßen Lächeln in ihnen, hängen geblieben war.

Während wir erfolgreich auf der Landebahn ankommen und die letzten Meter rollen, packe ich schon mal wieder im sitzen mein Handgepäck zusammen, setze meine Sonnenbrille auf die Nase und freue mich, bald wieder unten auf der Erde zu sein. Eigentlich mag ich fliegen nicht wirklich gern, denn auch wenn ich nicht so schnell Panik kriege wie mein Bruder, weigert sich mein Körper auch öfter mal, dieses Gefühl in der Luft zu sein, als schön anzusehen.

Nun stehen wir hier in der Eingangshalle des Hamburger Flughafens und warten darauf, dass David endlich sein Telefongespräch abbricht und uns sagt, wo unser Bulli ist, damit wir uns wenigsten schon einmal reinsetzten können, doch das Gespräch scheint wichtig zu sein und zieht sich in die Länge. Wir haben echt Glück, dass niemand von unserem Wiederkommen aus dem Urlaub weiß, wer weiß, wie die Lautstärke in dieser im Moment doch recht ruhigen Halle sonst wäre.

In der Zwischenzeit habe ich mich zu dir gestellt. Es ist zwar komisch nach unserem Streit wieder so ruhig und normal mit dir zu Reden, doch es erfüllt mich mit ungemeiner Freude.

Endlich nimmt David sein Handy vom Ohr, drückt noch ein paar Knöpfe und dreht sich dann mit ernster Mine zu uns um.

Während wir weg waren hat sich anscheinend gewaltig was getan, es sind wohl ein paar seltsame Gerüchte in Umlauf gekommen...

 

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