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Kapitel 33(Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

Wie lange ich hier wohl schon sitze?
Mein Nacken schmerzt, meine Augen werden schwerer und mein Magen knurrt seit geraumer Zeit vor sich hin. Man muss bedenken seit gestern habe ich nichts mehr Essbares zu mir genommen und auch wenn mein Bauch nach Nahrung verlangt, ist es mir relativ egal. Andere Dinge sind viel wichtiger, doch die Hoffnung ist längst vergangen. Die Hoffnung dass du noch kommst. Was hätte ich auch anderes erwarten können. Ich habe dich sehr verletzt…zu sehr. Aber gib mir doch wenigstens eine Chance alles zu erklären. Dir klar zu machen dass sie mir rein gar nichts bedeutet, der Sex ebenso ohne Gefühl, außer Hass, vollstatet wurde. Ich habe es in dem Moment einfach als richtig empfunden, mittlerweile weiß ich wie falsch es war, weiß ich hätte vorher zu dir gehen sollen, mit dir eine Lösung finden sollen, aber was bringt es darüber nachzudenken was wäre wenn. Es ist passiert und nicht mehr rückgängig zu machen. Ich muss mir überlegen wie ich dich zurückgewinnen kann, wie ich...nein wenn du mir nicht verzeihst bringt all das nichts.

Müde lasse ich mich mit dem Rücken auf den Sand sinken. Spüre den mittlerweile kalten Sand durch den dünnen Stoff, so wie auf den nackten Armen und Beinen. Der klare Sternenhimmel leuchtet so bezaubernd, wie deine Augen es taten bevor…
Seufzend streiche ich mir ein paar Sandkörner vom Gesicht. Immer schwerer werden die Augenlieder drohen jede Sekunde zuzufallen und für die nächsten Stunden auch nicht mehr so schnell wieder zu öffnen.
Ehe es jedoch dazu kommt, fängt mein Handy in der Hosentasche an zu vibrieren. Erschrocken zucke ich in meinem Dämmerzustand zusammen. Es vibriert kurz, signalisiert mir so die Ankunft einer SMS. Immer noch liegend versinke ich meine Hand in die linke Hosentasche und krame das Ding heraus, drücke einem beliebigen Knopf um die Displayleuchte aufleuchten zu lassen. Eine Nachricht von BILL.
Ich starre das Teil wie hypnotisiert an, wage mich nicht sie zu lesen. Wirst du mich darin nur wieder beschimpfen, sagen was für ein Arschloch ich doch bin, das ich mit dir nur gespielt hätte, ich ein Fehler war und ob ich mich gerade mit Mia amüsiere. Ich wage zu bezweifeln das all das in nur eine SMS passt. Nach geschlagenen fünf Minuten öffne ich sie.

~…es wäre besser wenn du jetzt rein gehst und schläfst. Wir müssen morgen sehr früh zum Flughafen…~ Abermals seufzend streiche ich mir durch die Haare, vergaß dabei total den Sand der jetzt feucht an meiner Hand klebt. Nebensächlich klopfe ich sie an der Hose ab, lese dabei ein viertes Mal die Nachricht. Ich wusste du kommst nicht. Schlafen ist eine wirklich gute Idee, doch jetzt loslaufen bis zu meinem Zimmer, hat den Nacheffekt durch die kurze Aktivität anschließen wach im Bett zu liegen. Hier würde ich binnen zwei Sekunden tief schlafen.

Morgen reden? Werden  wir wirklich miteinander reden, wirst du mir eine Chance geben alles zu erklären? Wir müssen morgen früh raus, was bedeutet morgen früh können wir das vergessen. Den Flug über ebenso wenig, denn dort ist Privatsphäre gleich null und dann sind wir da wo alles angefangen hat. Zurück in unserer Heimat, zurück bei unseren Fans, zurück in unser Leben. Vergessen wird der Urlaub, vergessen werden die Ereignisse, verdrängt werden die Gefühle. Du wirst bei jedem Versuch miteinander reden zu können eine Ausrede finden, so viel wie wir immer zu tun haben. Ich kenne dich mittlerweile gut genug, weiß wie du dich in unangenehmen Situationen benimmst…Flucht.
Zu müde um mir noch über irgendetwas Gedanken zu machen erhebe ich mich, klopfe mir den Sand von der Kleidung und Körper. Das Handy fest umschlossen lese ich mir die SMS ein letztes mal durch. Wie von selbst tippe ich ein paar Wörter ein.
 ~Ich habe es für uns getan~ und schicke sie ab. Es gleitet zurück in die Hosentasche und ich stampfe los Richtung Hotel.

Mittlerweile bin ich an der Hotelzimmertür angekommen, doch zögere hinein zu gehen. Wie kann ich jetzt ins Bett gehen, wo mich so viele Dinge plagen und es so viel zu klären gibt. Ich bin so unglaublich dumm und habe dich dafür aufs Spiel gesetzt.
Langsam bette ich die Stirn gegen die Tür und schließe die Augen.
„Ich hätte guten Grund dir eine Reinzuschlagen“
Erschrocken drehe ich meinen Kopf in die Richtung des eben gesprochenen. Tom steht ein paar Meter entfernt, gegen die Wand gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt. Sein Blick wirkt zur einen Hälfte hart und zornig und zur anderen sanft. Ich schweige. Bill hat es ihm gesagt und ich kann’s ihm nicht verübeln wenn er mir eine reinhauen täte. Ich würde ihm sogar entgegenkommen, mein Gesicht ihm hinstrecken, die Bestrafung habe ich verdient.
„Du hast schöne Scheiße gebaut“ fällt er mit der Tür ins Haus. Seine Stimme enthält einen unterschwäligen für mich undefinierbaren Ton. Die Lippen fest aufeinander gepresst schaue ich dabei zu wie Tom näher heranrückt.
„Ich weiß“ erwidere ich erstickend und richte mich in eine halbwegs aufrechte Position, doch vermute eine Haltung wie ein nasser Hund zu haben.
„Egal wie bescheuert deine Aktion auch war kann ich dich sogar ein wenig  verstehen. Ich weiß du hast es nicht getan um Bill zu verletzten und ich weiß dir liegt viel an ihm, aber du musst ihn auch verstehen. Wie würdest du an seiner Stelle reagieren. Er ist sehr verletzt und enttäuscht von dir.“
Ohne Widerworte höre ich mir alles an. Wäre ich an deiner Stelle wäre ich ebenso enttäuscht.
Tom platziert sich hinter mir und klopft mir aufmuntert auf die Schulter. Derweil blicke ich betreten zu Boden.
„Was soll ich tun?“ wispere ich mehr dem Packet entgegen, als zu Tom.
„hm“ macht dieser nachdenklich, „Ich weiß nicht genau. Am Besten ihr redet erstmal miteinander und du verdeutlichst deine Sicht, ebenso musst du dir seine anhören. Gustav, er braucht Zeit“
Dies sind die letzten Worte ehe er den Flur entlang zu seinem Zimmer läuft.

Nun liege ich im Bett, wie vorprophezeit hell wach. Ein dumpfer Mondschein strahlt durch das offene Fenster und eine frische Meeresbrise weht hinein. So frisch wie es am Strand war, so warm ist es hier drin.
Vorhin bin ich an deiner Zimmertür vorbeigelaufen. Es war so ruhig, so fremd und so untastbar. Nie hätte ich mir vorstellen können was uns alles in diesem Urlaub erwartet. Ich hoffte auf erholsame Tage, ohne Stress, Anforderungen und Schwierigkeiten. Wäre mir zu dem Zeitpunkt klar gewesen was alles geschehen wird, hätte ich gegen den spontanen Urlaub lautstark protestiert.

Zu Anfang glaubte ich hier die wirren Gefühle Bill gegenüber Unterkontrolle zu bekommen oder gar vollkommen los zu werden. Gleich am ersten tag küsse ich dich und da nehmen die Probleme ihren lauf. Erst noch verwirrend, doch dann wurden die Gefühle klarer. So ein wunderschönes Geschöpf durfte ich lieben, doch hätte ich meine Gefühle einfach verdrängt, wäre uns der darauf folgende Kummer erspart geblieben. Brummend drehe ich mich auf die Seite und nach kurzer Zeit fordert mein Körper sein Recht auf schlaf ein und die Augen fallen müde zu.

++++++++++++++++++++++++++

„Seit ihr fertig wir müssen los“ brüllt David durch den Gang, dabei die anderen Gäste, die sich dadurch eventuell gestört fühlen könnten, vollkommen vergessen.
Seit einer Ewigkeit sitze ich fertig, alles verpackt auf dem Bett und warte dass die Zeit vorüber geht. Nur ca. zwei Stunden habe ich geschlafen, aber seltsamerweise fühle ich mich kein bisschen müde.
Die Uhr zeigt 06:34 Uhr in der früh an. Die anderen Gäste schlafen um die Uhrzeit noch und ich bin mir hunderprotzentig sicher sie sind von Davids Gebrülle nicht sonderlich begeistert, doch was soll’s wir sind eh gleich weg.
Schnaufend greife ich nach meinem Koffer und gleite aus dem Zimmer. Mein Puls ist auf 180tig bei dem Gedanken dir gleich zu begegnen. Wie soll ich mich verhalten, wie soll ich dabei nur standhalten?
Den Blick gesengt laufe ich durch den Gang direkt in den Fahrstuhl wo David schon auf uns wartet. Keine zehn Sekunden später betreten Tom und du ebenfalls den Fahrstuhl. Toms Blick gleitet kurz über den meinen und nickt mir unauffällig zu.
Du hingegen hast deine schönen Augen hinter einer großen schwarzen Sonnenbrille versteckt und so kann ich nicht feststellen wohin du schaust. Traurig kralle ich meine Finger in die Eisenstange, die zum festhalten vorgesehen ist. Ehe sich die Fahrstuhltür schließt stürmt Georg im letzten Augenblick herein und stützt sich schnaufend an der Aufzugstür ab.
Wir beide stehen nicht weit entfernt, dass ich glaube deinen Atem hören zu können. Es trennt uns nur Tom, der zwischen uns steht. Davor stehen Georg und David. Betrübt starre ich einen Fleck an der Fahrstuhlwand an. Mein Blut ist mir längst in den Adern gefroren und vom Herz wollen wir gar nicht erst anfangen. Ich bemerke wie Georg seinen Blick von mir und Bill immer wieder hin und her schwenkt. Der Gute ist der einzige von uns vieren der von nichts weiß.
„Hab ich was verpasst?“ fragt er schließlich verdutzt. Gleichzeitig macht uns ein Pling darauf aufmerksam, wir sind angekommen. Anstatt zu antworten drängen wir uns alle aus den Fahrstuhl, an der Spitze Bill.
„Warum erfahre ich immer alles als letzter“ brummt Georg hinter mir beleidigt und ein kleines schmunzelt kann ich mir nicht verkneifen.

Sekunden…Minuten…Stunden vergehen es tut sich rein gar nichts. Ich vermisse es dich in meiner Nähe zu haben, vermiss dein Lächeln zu sehen, vermisse deine Küsse.
Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend hebt das Flugzeug ab und ich habe das Gefühl mein Magen würde hin und her schweben.
Wie auch beim Hinflug sitzen ich neben Georg und du neben Tom. Wie sehr wünschte ich mir doch dich  jetzt hier neben mir sitzen zu haben.

Aus dem Augenwinkel bemerke ich wie Bill von seinem Platz aufsteht und nach hinten, vermutlich zum Klo, läuft. Jetzt oder nie, schreit alles in meinem Körper und ohne zu zögern erhebe ich mich von meinem Platz, dränge mich an Georgs Beinen vorbei, ignoriere dabei dezent sein Fluchen und fragen.
„Glaubst du das ist der Richte Ort dafür“ dröhnt es in meine Ohren und ich spüre eine feste Hand um meinen Arm umschlossen. Irritiert blicke ich zu Tom hinab.
„Ich halts nicht aus“ nuschle ich und reiße mich aus seinen Fängen. Hier kannst du nicht so einfach abhauen. Zur Überraschung erwische ich dich noch ehe du die Toilette betritt, scheint wohl besetzt zu sein.
Deine Augen blicken mich erst  erschrocken und dann böse an, ein glück hast du diese Sonnenbrille nicht mehr auf.
„Ich will mit dir reden“ meine ich eingeschüchtert, wie schnell einem der Mut doch verläst.
„Ich jetzt aber nicht mit dir“ zischt er zwischen den Zähnen hervor und wendet den Blick ab.
„Bitte Bill lass es mir doch erklären. Ich wollte dich wirklich nicht verletzen“
Deine Augen richten sich wieder auf mich und mit einem male enthalten sie so viel schmerz, Trauer und du siehst so niedergeschlagen aus. Schwer schluckend mache ich mich auf alles gefasst.
„Das hast du aber und ich kann dir nicht verzeihen“
Mein Herz macht einen Aussetzer und vor meinen Augen droht alles zu verschwimmen. Der Bereich in den wir uns befinden ist durch eine Art Vorhang vom Bereich wo der Rest der Passagiere sind getrennt.
„Du musst wissen sie hat mir nichts bedeutet, ich war einfach so schwach und dachte so alles zu retten, aber es hat alles kaputt gemacht. Bitte du musst mir glauben du bist mir das wichtigste in meinem Leben. Ich…ich…“
Vor Scham steigt mir die Röte ins Gesicht.
„…ich hab so etwas noch nie für jemanden empfunden…ich…“
 

Mit einem Schlag geht die Toilettentür auf und ich wäre dem Mann am liebsten an de Gurgel gesprungen. Was fällt ihm ein uns jetzt zu stören...

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