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Kapitel 32 (Ariean)

~Bills Sicht~

 Immer noch starre ich mein Handy  an, als ob es mir mit telepatischen Kräften sagen könnte, ob ich die Nachricht lesen will oder nicht. Einen Knopfdruck bin ich davon entfernt, ich müsste nur ein mal eine kleine Taste drücken, dann, ja, dann würde ich deine Nachricht an mich lesen. Es ist schwer zu sagen, ob ich so neugierig bin, oder einfach nur auf etwas hoffe, dass meine Laune wieder hebt, denn der Wille, die Nachricht zu öffnen wird immer stärker, doch meine Finger geben diesem Willen nicht nach.

Diese SMS, in ihr kann so viel stehen, so viel, was mich verletzen könnte, so viel was meinen Zorn auf dich noch größer machen würde, aber vielleicht auch ein Text, der mich beruhigt.

Warum hast du mir überhaupt geschrieben? Kannst du dir nicht denken, dass ich, nachdem ich dir vorhin solche Worte an den Kopf gedonnert habe, ich dich weder sehen, sprechen, oder auch nur `lesen´ will?

Aus Angst, durch einen Zufall, oder eine Kurzschlussreaktion doch noch die Taste auf meinem Handy zu drücken, lege ich es schließlich auf meinen Nachtisch, setze mich aufs Bett, ziehe meine Knie an und lege meinen Kopf auf diese. Nie hätte ich gedacht, dass das alles in diesem Urlaub passieren würde: Ich habe mich verliebt, in dich, meinen ehemals besten Freund, bin sogar schließlich mit dir zusammen gekommen, hab mit dir geschlafen und fest an UNSERE, und nicht nur an meine Liebe geglaubt… doch nun. Nun ist alles aus. Aus der Traum, dass ich endlich jemanden gefunden habe, der mich so liebt, und so akzeptiert wie ich bin: Ein dürrer, sich schminkender, schwarzhaariger Junge, der viel zu naiv ist.

Ein Seufzer entfert mir und traurig lasse ich meine Augen aus dem Fenster blicken. Wäre das alles doch nie passiert; hätte ich mich bloß nie in dich verliebt, und vor allem, hätte ich bloß niemals diese `Beziehung´ mit dir eingehen dürfen. Nun ist mein Herz gebrochen und ich kann dich nicht mehr sehen. Bedeutet das das Aus der Band? Würde ich es wirklich soweit kommen lasse, dass wir wegen dieser Sache unseren Traum aufgeben… und da vor allem Georg und Tom dann auch noch mit darein ziehen? Warum können wir, du und ich, nicht einfach wieder normale Freunde sein, Freunde und nicht mehr? Warum kann die Zeit nicht zurück gedreht werden?

Der Sternenhimmel ist klar, auch von meinem Bett aus, zu erkennen und ich muss mich wieder an unsere eine Nacht denken, in der ich mich so geborgen wie nie fühlte, die für mich so tiefgründig und schön war und in der das Übel anfing. Jetzt noch kann ich den Schatten in der Dunkelheit erkennen, die mich nun zerstört hatten. Warum bin ich bloß verdammt, niemals mein Glück, außer auf der Bühne, zu finden? Ich sehne mich doch auch nur nach etwas Geborgenheit und Liebe.

Mein Blick schweift wieder ab und legt sich zurück auf den Nachttisch, auf dem immer noch mein Handy prangt. Langsam strecke ich die Hand nach dem kleinen elektronischen Etwas heraus, doch wenige Sekunden später ziehe ich sie auch schon wieder zurück. Ist es eigentlich feige von mir, dir jetzt nicht zuzuhören? Ist es feige, dass ich jetzt hier bin und alles mir egal ist? Ist es feige, deine SMS nicht zu öffnen?

Einerseits empfinde ich mich gerade als totaler Feigling, andererseits aber auch nicht. Würde nicht jeder normale Mensch so handeln wie ich es tue? Würde nicht jeder versuchen, zumindest erstmal abstand von der Außenwelt zu gewinnen? Würde sich nicht jeder verkriechen und ganz klein sein wollen? Oder war ich da etwa die Ausnahme, die total überreagierte und sich noch nicht mal traute, sich wenigstens ein Mal der Situation zu stellen und sich richtig auszusprechen?

Du meintest, du hättest es nicht freiwillig getan, und ja, mir hatte diese kleine Schlampe ja auch mit den Fotos, aber denn noch, ich hatte auch ablehnen können und wenn du uns wirklich hättest aus der Situation helfen wollen, dann hättest du es mir doch gesagt und mir gebeichtet, was du vorhast, was du machen müsstest, um uns da raus zu holen, oder?

Ein Klopfen reißt mich aus meinen Gedanken. Stumm bleibe ich einfach sitzen, tue so, als wäre ich nicht da. Ständig wollen alle was von mir, fragen mich dies und das, aber können sie mich nicht einfach mal in Ruhe lassen? Wie oft habe ich mir das diesen Urlaub jetzt schon gewünscht und jetzt ist er so gut wie vorbei… aber was in mir ist, ist alles andere als Erholt, durch diese Zeit. Urlaub… eigentlich bräuchte ich zu Hause mal Urlaub vom Urlaub und zwar am besten irgendwo, wo mich niemand stören kann, wo ich endlich mal wieder über all das hier nachdenken kann, doch das kann ich mir gleich wieder abschminken. Ich weiß genau, wenn wir wieder kommen, geht es erst wieder richtig los.

„Bill? Bill mach auf, ich weiß, dass du da drin bist, das spür ich!“ reißt mich auf einmal Toms Stimme aus den Gedanken, doch ich gebe nur ein trotziges „Lass mich doch in Ruhe, ich will auch mal allein sein!“ von mir und muss dabei feststellen, dass ich seit geraumer Zeit keine Träne mehr geweint habe. Ich weiß, wenn ich wollte, dann könnte ich sofort wieder, doch es hätte eh keinen Zweck. Es würde mich nur immer mehr runter ziehen und auch wenn das Unterdrücken von Gefühlen vielleicht nicht die schlauste Lösung ist, gerade tut es mir gut, jedenfalls besser als vorher.

„Bill, mach jetzt sofort auf, ich komm eh rein, so oder so, hast du vergessen, dass du mir den zweit Schlüssel gegeben hast, falls du einen verklüngelst. Außerdem muss ich jetzt echt mal dringend mit dir reden!“

Genervt ziehe ich die Augenbraue hoch. Man, der kann aber auch echt nerven, dabei habe ich nicht mal viel von ihm verlangt… nur, dass er mir auch mal Ruhe gönnt- tut er aber anscheinend nicht. Also erhebe ich mich langsam aus meiner Position und bewege mich Richtung Tür, um sie schließlich aufzuschließen und meinen herzallerliebsten Bruder rein zu lassen. Was er wohl jetzt schon wieder von mir will?... Obwohl, eigentlich kann ich es mir schon denken.

Da mein Bruder es sich auf meinem Bett gemütlich gemacht hat und ich gerade keine Menschliche nähe haben kann, lasse ich mich auf einem Stuhl nieder und grummel ein kurzen „Was`n jetzt?“ Ich merke, wie Tom mich erst mustert und dann zögernd ansetzen will, dann aber doch noch einmal den Mund verschließt. Meine güte, für ihn dürfte es wohl nicht schwer fallen, mich auszuquetschen. Das hat er doch schon oft genug gemacht und bisher ist es immer geglückt, auch wenn ichs immer wieder versucht habe, doch nicht geschehen zu lassen, aber er ist halt mein Zwilling. Nur warum stockt er jetzt, oder sieht er, wie ich mich wirklich in mir drin fühle und hat angst, mir nicht helfen zu können… hat vielleicht auch angst vor meinen Worten?

Wieder setzt mein Bruder an und dieses mal spricht er auch aus, was er will, schaut mir dabei direkt in die Augen. „Bill, sag mir bitte ganz ehrlich, was zwischen dir und Gustav passiert ist. Bitte! Ich hab das Gefühl, dass es euch beide zerreicht und mit euch auch den Zusammenhalt der Band. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist, warum ihr so dramatisch reagiert, aber in allen Fällen geht s mich un Georg inzwischen auch was an, denn wir sind eure Freunde. Wir sind Teil der Band, die gerade unter sich gerade echt nicht gut zu stehen scheint. Außerdem macht es mich auch traurig, dich so zu sehen, wo du doch gerade noch… so glücklich mit Gustav warst. Bitte Bill, du musst ja nicht all zu genau ins Detail gehen, aber ich will ungefähr wissen, was jetzt los ist. Vielleicht kann ich euch helfen!“

Ich hatte es gewusst, hatte gewusst, dass diese Frage kommen würde, hatte gewusst, dass Tom sich auch nicht nur sorgen um uns, sondern auch die Band machte, hatte gewusst, dass ich antworten muss, doch es ist so verdammt schwer. Wenn ich jetzt alles wieder aufkremple, mein Herz wird das nicht aushalten… Aber er hat wirklich ein recht darauf, es zu erfahren. Wir sind ja auch immer noch Zwillinge. Er würde es mir übel nehmen, wenn ich nicht die Wahrheit sagen würde und mit noch einem will ich mich garantiert nicht streiten.

„Na ja,… weißt du…“ beginne ich stotternd und fange langsam an, davon zu erzählen was passiert ist. Angefangen mit unserer Nacht, wobei ich dabei aber nicht sehr ins Detail gehe, erstens, weil ich es nicht kann, zweitens, weil es mir zu peinlich ist, und drittens, weil es ihn eh nichts angeht… nicht mein sex-leben… aber ich erzähle ihm, wie wir später eine Person wegrennen  sehen haben und was das erst für ein Schock war. Dann stock ich kurz in meiner Erzählung „Und dann… dann wollte Gustav mit diesem Mädchen reden, ja, aber wenn es nur reden gewesen wäre… er hat.. er hat mir ihr geschlafen…!“ weiter komme ich erstmal nicht, da ich mir ein Schluchzen unterdrücken muss. Ohne es gemerkt zu haben, war mir alles wieder vor Augen gerufen worden: Der  Frust, die Enttäuschung, die verlorene Liebe… Warum muss immer mir so was passieren? Tränen fangen an, wieder über meine Wangen zu laufen. Dass meine Augen noch nicht ausgetrocknet sind, ist nahezu schon ein Wunder!

Zwei Arme legen sich um mich und streichen mir beruhigend über den Rücken, sollen mir Zeigen, dass ich weinen darf, dass ich net alleine bin, fordern aber auch gleichzeitig, dass ich weiter erzähle. So fahre ich schließlich nach ein paar Minuten fort, erzähle dir alles, wie ich dich gesucht habe, wie das Weib auch zu mir kam, erzähle dir von unserem Streit danach, dann von, dass ich Schluss gemacht habe, und merke, wie sich mein Herz langsam, mit jedem Wort entspannt. Es tut so gut, alles loswerden zu können und zu wissen, dass es in sicheren Händen ist. Es tut gut, zu merken, dass wenigstens einer noch zu mir steht.

Langsam schließe ich die Augen und warte auf eine Reaktion meines Zuhörers, der mich noch sanft hin und her wiegt, anscheinend die richtigen Worte versucht zu finden.

Schließlich entfert ihm ein Stöhnen und löst sich langsam von mir, holt sich einen Stuhl und setzt sich mir gegenüber.

„Bill? Ich glaube ihr habt beide falsch reagiert.“ Kommt es plötzlich und erstaunt, dass mir mein Zwilling nicht voll und ganz mit meinen Anschuldigungen zustimmen, schaue ich mit meinen verweinten Augen auf.

„Ja, ganz ehrlich, ich verstehe dein Verhalten genauso gut wie das von Gustav, oder besser gesagt, ich verstehe eure beiden Verhalten gleich wenig. Es stimmt, es war ein Fehler, dass Gustav mit dem Mädchen geschlafen hat und dir noch nicht mal selbst getraut hat, darüber was zu sagen, aber guck doch mal; er wollte eure Beziehung damit immerhin retten. Er hat das nicht aus Selbstsucht und Hass dir gegenüber, sondern für euch getan. Und ja, man hätte es auch anders regeln können, ja, ganz bestimmt, aber vielleicht war Gustav auch so geschockt, dass er sich nicht wehren konnte, als sie ihm das mit den Fotos erzählte. Nicht jeder ist so dickköpfig wie du, nicht jeder hat es schon immer gelernt, sich gegen alle verteidigen zu müssen… Ich verstehe, warum du so sauer bist, kann verstehen, warum du an der Liebe zwischen euch zweifelst, aber du musst ihm erstmal zuhören! Ich glaube nicht, dass er, wie du meinst, deine Gefühle nur vorgespielt hat, um ein Experiment oder ähnliches zu machen. Ich war vorhin bei ihm, er war vollkommen zerschlagen, so habe ich unseren immer lustigen Drummer noch nie gesehen!

Du hast ja Recht, es war ein Fehler von ihm, dass er dir nichts gesagt hat, dass er alles alleine regeln wollte, aber lass ihm wenigstens jetzt die Chance, sich zu äußern, Bill. Ich als dein Bruder will dir das jetzt nicht befehlen, aber ich sehe, wie ihr beide daran kaputt geht, also denk mal darüber nach, ja? Du bist wirklich nicht der einzigste, dem es gerade nicht gut geht!“

Seine Worte machen mich stutzig. Niemals hätte ich jetzt, vor allem nicht von Tom, mit solchen Worten gerechnet und so sitze ich einfach nur da.

„Also, ich hoffe, du überlegst dir, ob du dich vielleicht vor einer endgültigen Trennung, dich nicht doch lieber noch mal aussprechen willst… ich lass dich mal wieder allein“ so verschwindet Tom wieder aus meinem Zimmer und lest mich verwirrt zurück. Alles mal aus deiner Sicht sehen, soll ich… vielleicht hab ich wirklich etwas überreagiert?!

Vorsichtig und immer noch von Toms Worten gefesselt, erhebe ich mich und gehe langsam auf den Nachttisch zu. Mit einer Berührung einer Taste leuchtet der Bildschirm meines Handys auf und mit einem letzten Seufzer öffne ich deine Nachricht

~Bitte komm zum Sternenhimmel~ steht da uns sofort weiß ich was gemeint ist. Meine Beine beginnen sich selbstständig zu machen, mein Gehirn und verstand scheint ausgeschaltet zu sein, während ich, immer noch das Handy in der Hand haltend, mein Zimmer verlasse, das Hotel verlasse und den Weg zum Strand einschlage.

Schon von weitem sehe ich dich im Sand sitzen. Dein Kopf hängt scher an auf deinen Schultern, die niedergeschlagen gesunken sind; dein Blick ist starr in den Himmel gerichtet.

Etwas weiter hinten im Sand bleibe ich stehen, langsam hebe ich das umklammerte Handy ~Es wäre besser wenn du jetzt rein gehst und schläfst. Wir müssen morgen sehr früh zum Flughafen… Wir können morgen mal reden... Hdl~

Ich schicke ab, noch bevor ich weiter drüber nachdenke...

 

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