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Kapitel 29 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~
 

Stumm liege ich in meinem Bett. Die Minuten, nein die Stunden ziehen an mir vorbei ohne es war zu nehmen. Meine Augen blicken in der Dunkelheit starr Richtung Decke. Ich fühle mich wie Ausgesaugt, als ob mir jemand meine Seele mit Gewalt entrissen hat.

Jede Sekunde verspürte ich den Drang zu Bill zu laufen und einfach bei ihm zu sein. Doch es ist Nacht, du würdest sicher schlafen und wenigstens du sollst etwas Energie tanken und deinem Körper ruhe gönnen.

Die ersten Sonnenstrahlen machen sich im Horizont bemerkbar und strahlen durch das Fenster, bei dem ich dem Rollo oben ließ. Anstatt meine Zeit weiterhin hier zu versauern, dränge ich mich selbst zum aufstehen. Alle Glieder schmerzen und mein Kopf dröhnt, als ob ein tonnenschwerer Laster drüber gerollt sei. Mein altes Gemüt macht sich im Bad etwas frisch und tritt keine zehn Minuten später zur frischen warmen Brise hinaus.

Der Wind bläst mir den Geruch vom Salzwasser entgegen. Mit der Zunge schmecke ich den salzigen Geschmack auf meinen Lippen. Wie in Trance laufen meine Beine voran und kommen vor dem berüchtigten Tunnel stehen. Die Wellen rauschen an mir vorbei und führen wie ein Pfad ins Innere. Ein paar Schritte folge ich diesem, bis mir das Wasser zu den Knien steht und bleibe schließlich stehen. Liebestunnel…ob er diese Wirkung nicht verfehlte? Ich fühlte schon vorher was für Bill. Dieser Aberglaube faste auch mich und trieb mich dich zu küssen. Wir haben zwar zueinander gefunden, doch die eigentliche Wirkung kam erst später. Genauer gesagt gestern. Das hier ist kein Liebestunnel, nein das ist ein Herzensbrecher. Er hat mehr Unglück als Glück verschafft.

Seufzend trete ich zurück und verlasse diesen. Mein Blick folgt der Steinmauer über dem Tunnel. Ohne zu zögern klettere ich ein paar Steine hinauf und setze  mich an einer der kleinen Klippen. Mein Blick haftet an den Wellen. Im hinteren Teil des Meeres beginnen sie sich zu türmen, raßen auf den Strand zu, brechen kurz vorm Ziel und fließen als kleinen Strom über den Sand. Diese Prozedur wiederholt sich immer und immer wieder. Mein Kopf ist wie leer gefegt und meine Augen wie gefesselt von dem Ereignis.

Keine Ahnung wie lange ich hier sitze, wie lange ich alles verdränge und hoffe mein Problem löse sich von alleine. Der Strand füllt sich mit Menschen, was ich nicht wirklich wahrnehme. Ein schreiendes Kind unten am Tunneleingang reißt mich förmlich aus dieser Trance. Es ist ein schriller Schrei und sticht sich in meine Ohren. Erst jetzt bemerke ich dass jemand neben mir sitzt und erschrocken fahre ich zusammen, sodass ich einen Hops zur Seite mache und fast einen sehr steilen Abgang gemacht hätte. Mit meiner rechten Hand kralle ich mich am Abhangende und verschaffe mir so halt. Mit geweiterten Augen erblicke ich Bill neben mir sitzen, der mich komisch anschaut. Ich kann seinen Blick nicht deuten.

Mit einemmal verkrampft sich mein Herz und erschwert mir das Atmen. Jeder Atemzug ist eine Qual für die Lungen. Warum habe ich dich nicht bemerkt und wie lange sitzt du nur schon hier? Ich versuche mich etwas zu fassen und irgendeine Silbe aus meinem Munde zu kriegen.
„Was…was machst du denn hier?“ stotterte ich immer noch perplex und krame meine Gedanken zusammen.
Du hast meinen Blick fest im Zaun, doch lange kann ich diesen nicht stand halten und senke ihn beschämt. Ich habe angst du könnet etwas aus meinen Augen lesen, könntest in meine Seele schauen und erfahren was passiert ist.
„Ich hab mir sorgen um dich gemacht. Du warst gestern schon so komisch, dann konnten wir dich heute nicht finden“ Leicht hebe ich meinen Kopf und sehe wie du mich immer noch fixierst. Es ist keine Besorgnis drin zu sehen, keine Freude, rein gar nichts nur kühle. Wieso nur? Weiß er e…nein...oder hat sie doch…nein ich bilde mir das nur ein. Ich komm mir so elend vor. Er macht sich sorgen und ich habe nichts Besseres zu tun, als ihn zu betrügen.
„Tut mir leid ich war nur so früh wach und da hab ich ein kleinen Spaziergang gemacht“ erwidere ich und versuche fröhlicher zu wirken. Es ist ja nicht mal gelogen, ich konnte nicht schlafen und hab einen Spaziergang gemacht, ich verheimliche nur weshalb ich das gemacht habe.

Dieser Blick, dieser Blick mit dem er mich ansieht. Diesen Blick habe ich bisher noch nie an ihm gesehen, daher habe ich auch keine Ahnung was er zu bedeuten hat. Voller Scham senke ich meinen Blick und starre den Boden an. Ich kann ihm einfach nicht in die Augen schauen.

„Wo warst du gestern?“ ruckartig schnallt mein Kopf nach oben und schaue ihn verwirrt an. Was soll diese Frage?
„Ich…ich…warum fragst du?“ entgegne ich völlig vor den Kopf gestoßen.
„Hab mich nur gefragt, du warst gestern so komisch und hattest wohl noch etwas dingendes vor“ Diese Worte lassen mich schwer schlucken. Sie verlassen seine wunderschönen geschwungenen Lippen kühl und verachtend.
Ertappt fühlend streichelt meine Hand über den Steinboden, was eher meine Nervosität darstellt.
„Ähm…ich…du weißt…ich wollte noch mit der Frau reden“ stottere ich mit zittriger Stimme und hoffe dies verrät mich nicht.
„Und was kam dabei raus?“
Wieso ist er so gelassen, wieso fragt er so neutral ohne irgendwelche Neugierde, Hoffnung oder Nervosität darin zu finden. Vorletzte Nacht reagierte er noch vollkommen schockiert und voller Furcht und jetzt scheint ihm die Tatsache, dass eine deutsche Urlauberin uns erwischt hat, nicht mehr schlimm…uninteressant.
„Es ist alles geklärt und wir brauchen keine Angst zu haben das es in Deutschland rumkusiert“ antworte ich wahrheitsgemäß, doch mit einem flauen Gefühl im Magen.
„Nur mit reden“ flüstert er mehr, als zu sprechen. Schockiert starre ich ihn an, sein Blick ist auf den Horizont gerichtet- glaube dabei in seinem Augen etwas aufblinzeln zu sehen- und mein Herz macht einen Aussetzer, so wie mein Atem.
„Wie bitte“ murmele ich heißer und zwinge mich nicht irgendwie zu verraten.
„Na ich meine wie hast du nur mit reden geschafft, das sie ihre Klappe hält. Du könntest ja auch mit ihr ins Bett gestiegen sein um sie zum Schweigen zu bringen. Es ist doch ein reizvoller Deal. Du steigst mir ihr in die Kiste, hast wohl dabei auch noch deinen Spaß und sie hält ihre Klappe.“ Wirft Bill mit Worten um sich und seine Stimmer hebt sich von Wort zu Wort, „Da hattet ihr beide doch euren spaß“ Mit seinen letzten Worte richtet er seinen Blick auf mich, der so hasserfüllt ist wie ich es noch nie gesehen habe, seine Augen sind wässrig, doch er hält stand. Sein Blick sticht mir mitten ins Herz und läst es von einer zur anderen Sekunde in tausend Stücke zerspringen.  Mit aufgerissenen Augen schaue ich ihn fassungslos an. Woher weiß er das? Wie…ein mächtiger Klos fängt an sich in meinem Hals zu bilden. Versuche etwas zu sagen, doch mein Mund öffnet und schließt sich tonlos.
„Na hat’s spaß gemacht“ donnert er mir abermals entgegen und hätten ich meine Finger nicht schon längst im Stein eingebohrt, wäre ich durch diese Worte den Abhang hinunter gerutscht.

„Bill…wo..“
„Woher ich das weiß?“ fällt er mir ins Wort und gibt einen bitteren Lacher von sich.
„Also stimmt es“ murmelt er und wirkt für einen kurzen Augenblick voller Trauer.
Schuldbewusst kämpfe ich gegen die Tränen und will ihn halten. Denjenigen, den ich liebe festhalten und nie wieder loslassen, doch es geht nicht.
„Bill…ich kann dir das erklären“ versuche ich verzweifelnd die Fassung zurück zu erlangen.
„Du brauchst mir nichts zu erklären“
Meine Hand versucht sich auf seine Schulter abzulegen „Fass mich nicht an“ zischt er jedoch und sofort reiße ich diese wieder an mich.
„Bitte ich…es…“ Ich kann nicht glauben was hier gerade geschieht. Ich wollte mich davor wie ein Feigling drücken, doch jetzt kam es schneller als erhofft und total unvorbereitet, doch wie kann man sich auf so etwas vorbereiten?
„Gustav wie konntest du nur.“ Seine Enttäuschung ist ihm deutlich zu vernehmen.
„Es ging nicht anders“ Meine Stimme ist so brüchig und gefüllt voller Verzweiflung.
„Es ging nicht anders. Zu mir kams sie doch auch. Hat mit Fotos gedroht, aber ICH bin NICHT gleich mit ihr ins Bett gestiegen.“ Schreit er mir die letzten Worte entgegen und mir entweicht jegliche Farbe aus dem Gesicht. Meine Welt ist mit einem Schlag zusammengebrochen. War es das wert, war es wert Bill zu verletzte und in ihn vielleicht auch noch zu verlieren? Nur für ein paar beschießende Fotos!!
„Bill es tut mir-“
„DU KANNST DIR DEINE ENTSCHULDIGUNG SONST WO HIN STECKEN“ brüllt er, erhebt sich und setzt zum gehen an.
„Nein, bitte warte“ flehe ich und greife nach seinem Arm, den ich letzter Sekunde noch ergreife, doch aus dem er sich gleich wieder entreißt und voller Enttäuschung und Wut in meine Augen starrt. Eine kleine Träne beginnt seine Wange hinunter zu rollen und ununterbrochen stoßen Pfeile durch mein Herz.
„Nein Gustav du hast mich verarscht. Dir hat nichts an mir gelegen. Dir hat’s wohl auch noch spaß gemacht mich zu verletzten“
„Nein so war es nicht…“ „Bitte hör auf mich zu belügen. Gibs zu, hätte ich es nicht erwähnt, hättest du mir davon nie etwas erzählt und wer weiß wärst danach gleich wieder zu dieser Schlampe ins Bett gehüpft“
Vorsichtig begebe auch ich mich auf meine wackeligen Beinen und habe große mühe mich auf diesen zu halten.
„Glaubst du wirklich ich habe das aus spaß gemacht, glaubst du wirklich ich habe das freiwillig getan“ flüstere ich und auch ich kann meine Tränen nicht mehr zurück halten.
„JA Gustav, du hättest nein sagen können, aber das hast du nicht.“ Die letzten Silben nehme ich neben dem glühenden Schmerz, der sich  allmählich an meiner Wange ausbreitet, nur wage zur Kenntnis, denn seine Hand, die soeben meine Wange getroffen hat, ist deutlich zu spüren.

„Es ist vorbei, obwohl ich nicht mal weiß ob da überhaupt etwas war.“
„Bill ich-“ doch meine Worte werden von seinen verschluckt.
„Ich hätte das niemals von dir gedacht“
„Bill ich-“ „Hör auf. Ich HASSE DICH“ brüllt er mich an. Sein Tränenunterlaufendes Gesicht gibt mir den Rest, sodass meine Knie unter mir nachgeben und mich darauf sinken lassen.
„…ich…“
„Geh zu deiner Schlampe. Du warst ein großer Fehler!“ wirft er mir noch an den Kopf, ehe er auf den Absatz kehrt macht und davon stürmt. Ich bleibe regelungslos an Ort und Stelle zurück. Die Umgebung nehme ich nicht mehr wahr, das Rauschen des Meeres höre ich nicht mehr, den Wind spüre ich nicht.
„…liebe dich!“ beende ich den Satz, den ich versucht habe so oft über die Lippen zu bringen, doch immer von Bill unterbrochen wurde.

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