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Kapitel 28 (Ariean)

~Bills Sicht~

 Immer noch schaue ich wutentbrannt auf das Mädchen, das ein paar Meter vor mir liegt und sich erschrocken die schon leicht rot gefärbte Wange hält. Ich hab mich nicht mehr unter Kontrolle, wurde sie am liebsten noch hoch zerren und sie fragen was das soll, doch ihre nächste Reaktion macht mich stutzig und lässt mich sekundenschnell versteinern.

Sie saß nicht mehr geschockt da, nein, das Mädchen rappelte sich inzwischen wieder auf und besaß wieder ihr stolzes fieses Grinsen. Was hat das zu bedeuten. Besitzt sie wirklich Fotos, ich dachte sie hätte keine Kamera dabei gehabt?! Und was hat sie jetzt mit mir vor?

Doch das was sie dann macht zerbricht mir mein Herz. Sie kam weder näher, noch bewegte sie etwas anderes außer ihren Lippen, dennoch stechen mir die Worte wie Messer in die Brust, verpassten mir Tritte und Schläge, lassen mich auf meine Knie sinken und einfach nur weiter in die stechenden Augen meines Gegenübers blicken.

Es hörten sich an wie unbedeutende Worte, so wie sie es sagte, wie sie mit ihrem Gesicht gestikulierte, doch der Satz der wie in einem Luftstrom zu mir in mein Ohr geschlichen ist, ist weitaus mehr als nur einfaches daher Geschwafel, das spüre ich sofort.

Dieser Satz „Ups, da reagiert ja wer ganz anders als sein lieber Freund gestern Abend!“ so ironisch, so hämisch, so verletzend, dass es ich es kaum fassen kann. Ich will ihr nicht glauben, darf ihr nicht glauben, sie lügt doch bestimmt nur… aber tief in mir spüre ich, dass das alles die reine Wahrheit ist. Es ist mein Gefühl von gestern Abend, was wieder hochkommt, gestern Abend an dem du mich betrogen haben sollst, gestern Abend, wo es mir so schlecht ging, so ganz ohne Grund.

Ich schluchze leise auf, versuche mit aller Kraft es zu unterdrücken, wehre mich krampfhaft gegen die Tränen die meine Augen immer mehr füllen, doch es ist sinnlos. Die in mir entstehende Leere kann ich nicht mehr aufhalten, sie breitet sich mit jeder Sekunde in der ich deine Tat weis weiter in mir aus, nistet sich in jedem Winkel meiner Seele ein und macht keine Anstallten wieder aus mir zu verschwinden. Warum?? Warum musste das sein, hättest du nicht mit ihr reden können?? Reden, einfach nur REDEN??

Ich spüre, wie meine Seele von mir weicht und mit der Leere verschmilzt, spüre, wie meine Tränen stoppen, wie ich aufhöre zu schluchzen und wie ich mich, wie von vielen kleinen Fäden die an mir befestigt sind, aufrichte, sie an ihren Schultern greife und einfach aus dem Zimmer stoße. Denkt die jetzt ernsthaft ich mache das selbe wie du? Jetzt, nachdem es eh zu spät ist? Sie hatte doch schon dich, warum gibt sie sich damit nicht zufrieden, warum will sie mich auch noch, warum will sie mich kaputt machen?

Die Tür schließt sich mit einem Knall und mit Aufgerissenen Augen stehe ich einfach nur vor dieser. Viele kleine Bilder schießen vor meine Augen, spiegeln die letzte Zeit wieder, wie du und ich uns aus dem weg gegangen sind, wie wir den anderen erst vorgespielt hatten, dass wir schwul seien, wie ich dir meine Liebe gestand, spüre unseren ersten Kuss auf meinen Lippen, rieche das salzige Meer, sehe wie du dich über mich beugst und mich aufforderst mit mir zu schlafen, spüre deinen heißen Atem auf meinem Bauch… sehe wie du mich anlächelst, mir zuwinkst und dann zu dem Mädchen gehst, ohne dich noch ein weiteres mal zu mir umzudrehen.

Die Leere verschwindet, doch mit diesem Verschwinden kommt der Schmerz. Schmerzen, Zweifel und Angst. War es für dich nur ein Spiel? Hat es dir nichts ausgemacht, mich einfach zu betrügen? Waren deine Gefühle nicht echt? Hab ich mich so in dir getäuscht?

Tausend frage strömen auf einmal in mich hinein, stärken meinen Glauben, dass es dir nicht ernst mit mir war, lassen keinen Platz für Hoffnung und rauben mir sämtliche Kraft, die ich durch das Schlafen geschöpft hatte. Wieder falle ich auf meine Knie, stütze mich mit dem rechten Ellenbogen auf und schlage mit der linken Hand verzweifelt auf den Boden.

„Warum?“ entfährt es mir leise und kläglich „WARUM SCHEINT SICH ALLES IMMER GEGEN MICH ZU WENDEN??“

Und schon wieder heule ich. Du hast mich so verletzlich gemacht, dass ich dir so vertraut habe, dass ich ganz ´nackt´  vor dir stand (symbolisch), doch es scheint ein Fehler gewesen zu sein. Ich war ganz ohne Schutz, als mich die Waffen trafen. Wenn du doch wenigsten kommen würdest; wenigstens erklären würdest, warum du dich auf sie eingelassen hast, ob das alles nur ein Spiel war, aber du kommst nicht.

Immer noch knie ich auf dem Boden, immer noch laufen die Tränen unaufhörlich über meine Wangen und tropfen auf den Teppich, immer noch will mich der Schmerz nicht in Ruhe lassen.

Ich war doch gerade so glücklich, dachte, dass wir, du und ich, Gustav und Bill, das schon schaffen würden, dass wir ernsthaft zusammen wären, dass es zwar schwer werden würde das vor den  Fans geheim zu halten, aber dass wir, egal was käme, zusammen halten würden… Denken ist nun mal Glückssache…

Langsam richte ich mich wieder auf. Meine Beine fangen an zu kribbeln, wollen nicht aus der Starre erwachen, doch ich zwinge sie dazu, bewege mich in keinen, wackligen Schritten auf mein Fenster zu. Draußen verzieht sich der Himmel zu einer großen grauen Wolkenschicht und schon prallen die ersten Tropfen gegen die kalte Scheibe, fließen vorsichtig und leise hinunter und ziehen eine feuchte spur hinter sich her.

Ich wende mich dem Fenster ab, gehe zur Balkontür und trete an die frische Luft. Kalter Wind bläst mir ins Gesicht, gemischt mit dem feuchten Wasser des Himmels, doch es tut gut. Eine Gänsehaut ziert meinen Körper während ich auf dem kahlen und weißen Liegestuhl platz nehme und in die Höhe schaue. Der Regen kommt gleichmäßig von oben auf mich herab und spült alle Gedanken aus mir heraus. Langsam schließe ich die Augen und versuche mich zu entspannen.

Etwas rüttelt an meinem Arm. Wieder willig schaue ich auf, doch es bist immer noch nicht du, der zu mir gekommen ist. Es ist Tom der neben mir steht und ein genervtes Gesicht zieht.

„Bill, willst du etwa krank werden? Warum liegst du überhaupt hier draußen rum, komm sofort rein, zieh dir was Trockenes an und helf uns Gustav zu finden! Der ist nämlich nicht da und wir haben schon überall gesucht. Was ist heute bloß los mit euch? DU liegst hier im regen und Gustav ist nicht auffindbar! Habt ihr euch gestritten, oder was? Man ihr seit doch gerade erst zusammen gekommen und Georg und ich haben uns solche Mühe gegeben…“

Mit leerem Blick schaue ich meinen Zwilling an, will ihm nicht sagen was los ist. Es genügt schon, dass ich mir selber den Kopf zerbreche! Also zucke ich nur die Schultern, richte mich auf und gehe an ihm vorbei in mein Zimmer.

Du bist also verschwunden… mit dem Mädchen? Oder… oder bereust du das was du getan hast? Bereust du, dass du mit diesem Mädchen geschlafen hast? Aber verdammt noch mal, warum kommst du nicht zu mir und redest mit mir, sagst mir einfach, was jetzt mit uns ist?? ICH WILL DOCH EINFACH NUR WISSEN, OB DEINE LIEBE ECHT WAR ODER NICHT?

Tom schaut mich misstrauisch von der Seite an, doch ich reiße mich zusammen, lasse keine Träne mehr aus meinen Augen rinnen. Wir müssen das erst selber klären und vielleicht, vielleicht liebst du mich ja doch… vielleicht…

Langsam trotte ich meinem Bruder hinterher in die Eingangshalle, wo Georg auch schon wartet. Ich weiß genau, dass Tom und Georg meinen, dass wir nur Probleme machen, aber es tut mir ja auch leid.  Ich will das ja auch nicht. Ich will mich nicht ständig mit dir streiten, obwohl das hier ja noch nicht mal ein richtiger Streit ist. Es ist etwas viel schlimmeres, was du getan hast und vielleicht weißt du ja noch nicht mal, dass ich davon weiß, vielleicht wirst du so tun as wäre nichts, wenn wir dich finden. Vielleicht sagst du sofort, dass es dir mit mir nicht erst war und gehst zu dem Mädchen, aber würdest du damit nicht auch die Band zerstören? Haben wir nicht alle noch letztens gesagt, die Band geht vor??

Mir wird klar, dass das was passiert ist, auch ganz klare Folgen auf unser weiteres Leben haben wird. Egal was du machen wirst, egal wie ich reagieren werde, in jedem Fall wird sich etwas verändern, dass spüre ich. Das weiß ich auch, doch es ist zu spät etwas dagegen zu unternehmen. Ist dir das auch klar? Und Tom und Georg… die wissen ja noch überhaupt nichts davon. Es tut mir so leid.

„Lass uns uns aufteilen!“ reißt mich eine Stimme aus meinem Gedankengang und 2 Gesichter schauen mich auffordernd und fragend an. Sie merken auch, dass etwas nicht stimm, das ist mir klar, aber ich kann es ihnen nicht sagen. Ich weiß zwar nicht ob das besser oder schlechter ist, aber ich kann es trotzdem nicht. Meine Nerven liegen schon blank genug, als dass ich mir noch irgendein dummes Gelaber von dehnen anhören wollte/könnte.

Langsam schlendre ich draußen umher, weiß nicht wo du sein könntest, wo ich dich suchen soll, laufe einfach kreuz und quer durch die Gegend, bis ich irgendwann völlig die Orientierung verloren habe, da ich mich auch nicht wirklich auf den Weg konzentriere. Es regnet noch immer leicht doch in der weiten ferne ist schon wieder ein klarer Himmel zu sehen. Kalt ist es trotz des Regens nicht mehr, es weht sogar eine warme Prise.

Die Stille beruhigt mich und als ich durch Glück am Strand ankomme, setze ich mich einfach hin und betrachte die Wellen des Meeres und die weiß-gelben Felsen neben mir. Ich soll dich suchen, dass weiß ich, und ich will dich auch finden, doch wo bist du?

Während ich tief in dem rauschenden Meer versinke, fangen mein Herz und meine Seele wieder an, Hoffnung zu schöpfen. Vielleicht ist das ganze ja auch nur ein Missverständnis? Vielleicht hat das Mädchen ja auch einfach nur die Tatsache nicht akzeptiert, dass Gustav und ich zusammen sind und wollte uns auseinander bringen, aber… mein Gefühl von vorhin hat etwas anderes gesagt. Vielleicht sollte ich einfach nicht darauf hören und hoffen? Doch warum bist du dann nicht da? Wenn alles in Ordnung wäre, wärst du dann nicht schon längst zu mir gekommen, hättest mich in den Arm genommen und gesagt, dass alles gut ist?

Ich schaue nach rechts auf die Felsen und entdecke unten die Kleine Höle, in der du mich zum ersten mal geküsst hast. Der kanal der Liebe… bewirkt er wirklich solche Wunder, dass er liebende Leute zusammen bringt? OK, bei uns hat es ja geklappt, aber hm… Trotzdem bin ich mir nicht sicher.

Ich gehe mit meinen Augen die Felsen entlang und plötzlich stocke ich. Nicht weit von mir sitzt eine Gestalt mit angezogenen Knien und einem starren Blick aufs Meer und auf die langsam verziehenden schwarzen Wolken, es bist du. Ich habe dich jetzt also gefunden, doch was soll ich machen? Warum bist du hier? Warum wirkst du so wie ein gefallener Engel? Vorsichtig richte ich mich auf. Dein Anblick lässt mich für einen Augenblick vergessen, was los ist,- weshalb ich so niedergeschlagen bin und so klettre ich leise zur dir auf den Felsen. Als ich mich leise neben dich setze und auch in die Ferne schaue, scheinst du mich immer noch nicht bemerkt haben. Wie lange du hier wohl schon so sitzt?

Stumm bleibe ich einfach sitzen und warte darauf, dass du mich bemerkst…

 

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