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Kapitel 27 (Tigerauge)

 ~Gustavs Sicht~

Die Menschenmassen amüsieren sich am Strand. Die Kinder spielen im Sand, die Erwachsenen genießen die letzten Sonnenstrahlen und erholen sich von ihren Strapazen.

Seufzend betrachte ich mir die Menschen vom Fenster aus und wünschte auch sorglos und gelassen den Urlaub genießen zu können.
„Auf was wartest du“ ertönt die weibliche Stimme im Raum und klingt recht amüsiert. Diesem Miststück macht es auch noch spaß. Meine Hände ballen sich krampfhaft zu Fäusten und nur dank meiner Beherrschung erwürge ich sie nicht gleich auf der Stelle.
„Erst will ich die Bilder sehen“ knurre ich und drehe mich zu ihr um. Ihr fieses Grinsen vergeht ihr keineswegs, sondern wird immer breiter.
„Du bist nicht auf den Kopf gefallen“ lacht sie schwach auf und kramt ihr Handy aus der Hosentasche „ob du die wirklich sehen willst“

Ich schlucke schwer und hoffe inständig das unsere Gesichter drauf nicht zu erkennen sind, sie zu dunkel sind oder irgendwie unscharf, egal welche der Möglichkeit, Hauptsache ich muss ihrer Erpressung nicht nachkommen. Mit butterweichen Beinen gehe ich die paar Schritte auf sie zu und spüre wie mein Herz unkontrolliert schnell gegen mein Brustkorb hämmert und droht zu zerspringen. Meine Augen kleben an dem kleinen Display des Handys und weitern sich vor entsetzten. Dieses scheiß Ding besaß eine hervorragende Kamera. Auf den Fotos sah man zu genüge, was uns und unsere Band ruinieren könnte.
„Lösche sie“ zische ich und wende meinen Blick davon ab.
„Na na na nicht so schnell. Erst bekomme ich das was ich will und dann komme ich deiner Bitte nach, nicht anders“
Zornig beiße ich mir auf die Unterlippe und kämpfe gegen mein Gewissen, mein Herz, einfach gegen alles in meinem Innersten, das mich davon abhalten will, abhalten will einen Fehler zu machen, Bill zu verletzten, aber letztendlich schalte ich diese Dinge ab. Fixiere mich nur noch auf den Gedanken, uns das schrecklich Schicksaal, das uns erwarten würde, wenn die Fotos in Umlauf kämen, zu ersparen.

„Aber eins musst du mir vorher noch versprechen. Bill darf gar nichts davon erfahren und anschließend wirst du uns zufrieden lassen“
„Tse, tse Gustav, Ehrlichkeit gehört zu einer guten Beziehung“ ermahnt sie mich und schüttelt gespielt empört den Kopf.
„Halt den Mund“ presse ich durch meine Lippen und will das alles einfach nur so schnell wie möglich hinter mich bringen.
„Nicht so unhöfflich, wobei ich zugeben muss so etwas törnt mich sehr an“
Sie verkleinert den Abstand zwischen uns und schaut mir verführerisch in die Augen.
„Versprich es“ betone ich nochmals deutlich und erwidere den Blick kühl.
„Keine Sorge ich werde deinem kleinen Freund schon nicht erzählen“ haucht sie entgegen, verschließt den Abstand zwischen uns und streicht mir durch das Haar. Schwerfällig verbanne ich alles aus dem Kopf um es nicht noch schwerer zu machen, als es eh schon ist.
„Genug geredet, kommen wir zur Sache“ und mit diesem Satz presst sie ihre Lippen auf die meine…
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 

Seelenlos liege ich im Bett und starre die Decke an. Ich habe es getan, ich habe es wirklich übers Herz gebracht. Es war für eine gute Sache, aber verdammt noch mal es tut so sehr weh. Andauernd sehe ich Bill vor mir. Wie er mich verachtet, mich hasst für meine Tat. Nein, er darf es nicht erfahren, unter keinen umständen. Er würde mich verlassen, egal für was das auch gut war. Hätte Bill es getan, hätte er mit dem Miststück geschlafen, wenn die ihn vor die Wahl gestellt hätte? Laut seufzend setze ich mich im Bett auf, stemme meine Beine auf den Boden ab und vergrabe mein Gesicht in den Händen. Schmutzig und mies fühle ich mich. Ein verdammtes Arschloch bin ich, aber was hätte ich denn tun sollen!?
„Ach komm so übel war’s doch gar nicht“ lacht Mia höhnisch auf, krabbelt hinter mich, streift mit ihrer Hand einem meine Wirbelsäule entlang und wandert weiter abwärts nach vorne. Ehe sie im Intimbereich ankommt umgreife ich ihr Handgelenk und schiebe ihre Hand beiseite.
„Du hattest deinen spaß“ meine ich trocken.
„Ach komm..“ säuselt sie und legt ihre Hand auf meiner Schulter ab, die ich ohne zu zögern weg schlage.
„Lösche sie jetzt“ zische ich und betone das Jetzt besonders. Das Bett wackelt unter ihren Bewegungen bis sie einen Augenblick  später wieder neben mir auf dem Bett auftaucht und ihr Handy in der Hand hält. Sie fängt an darauf rumzutippen und zeigt mir wie sie jedes einzelne Bild löscht. Erleichtert sehe ich dabei zu. Wenigstens für etwas war es gut.
„Das waren auch wirklich alle. Du hast die nicht irgendwo anders noch gespeichert“ frage ich vorsichtshalber nach.
„Keine Sorge das waren alle. Ich habe ja bekommen was ich wollte“ grinst sie siegreich und ich könnte bei dem Anblick kotzen. Nicht weiter meine Zeit hier zu verschwenden, erhebe ich mich, suche meine Klamotten zusammen und streife sie mir so schnell wie möglich über.
„Du hast es ja eilig“ lacht sie und rekelt sich auf dem Bett, doch das ignoriere ich gekonnt und schlüpfe zu guter letzt in meine Schuhe.

Einen letzten Blick wage ich noch zu ihr, um ihr zu zeigen wie sehr ich sie verabscheue und verachte.
„Hat mich gefreut deine Bekanntschaft gemacht zu haben“ flötet sie rum und ehe ich mich wirklich noch übergebe verlasse ich schnurstracks das Zimmer.

Beim Verlassen des Hotels stoße ich mit Tom zusammen, doch nehme seine Rufe nicht wahr und laufe einfach weiter nach draußen. Die Dunkelheit bricht herein und der Strand wird nur noch von wenigen Personen besiedelt. Ich laufe, laufe und laufe. Mein Weg führt mich zu der Klippe, an der ich fast mal abgestürzt wäre, wenn Georg mich nicht gehalten hätte. Vielleicht hätte ich abstürzen sollen, so wäre uns einiges erspart geblieben. Kurz vorm Abgrund bleibe ich stehen und balle meine Hände abermals zu Fäusten. Vor mir erbreiten sich die letzten roten Strahlen der untergehenden Abendsonne. Mein Zorn ist unbeschreiblich enorm und den Größten Hass habe ich auf das Wesen das Gott genannt wird. Wenn es den wirklich gibt, wieso läst er so etwas zu, wieso muss er mein Glück zerstören, wieso nur. Ich habe nie viel verlangt, doch da bin ich mal glücklich und es wird auf einem zum Anderen Tag zerstört.

„DU SCHEIß KERL. VERADMMT WARUM MUSSTE DAS SEIN? WAS HABE ICH DIR JE GETAN; DASS DU MICH SO BESTRAFST. ICH HASSE DICH DU ARSCHLOCH. DU HAST ALLES ZERSTÖRT. ICH VERACHTE DICH“ brülle ich mit ganzer Kraft gen Himmel entgegen. Wutentbrannt schreie ich mir alles von der Seele bis ich schließlich kraftlos auf die Knie sacke und mit den Fäusten auf den Boden einschlage, bis sie blutig sind, doch das juckt mich herzlich wenig. Ich spüre diesen Schmerz noch nicht mal, der seelische Schmerz ist dafür viel zu groß. Mit letzter Kraft schlage ich ein letztes Mal auf den Boden und allmählich laufen mir warme Tränen aus dem Augen und fallen geräuschlos auf den Steinen auf. Wie soll es nur weiter gehen, wie soll ich Bill nur unter die Augen treten? Kann ich das überhaupt?? Einfach unbeschwert weiter machen, als wäre nie etwas gewesen. Dieser Schmutz, der Schmutz des Betrügens klebt an mir und läst dich nicht s einfach abwaschen.

Eine ziemlich lange Zeit verharre ich in dieser Position. Die Sonne ist vollkommen verschwunden und Sterne schmücken den klaren Nachthimmel. Ein ganz besonders heller Stern strahlt mich an und erinnert mich an dich. Wie wir gestern am Strand saßen und diesen Stern sahen. Was war bloß in mich gefahren dich zu bitten mit mir zu schlafen? Ich war noch nie so stürmisch, noch nie so schnell, wieso habe ich dich das gefragt. Konnten wir das angenehme Feeling nicht einfach nur genießen, mussten wir es gleich so weit treiben? Ich bin schuld, ich hätte dich das nicht fragen dürfen, dann wäre jetzt alles in Ordnung. Niemand hätte und mit Fotos erpresst und ich wäre auch nicht mit ihr ins Bett gestiegen. Ja, ich bereue was wir letzter Nacht gemacht haben, egal wie schön es auch war. Zu glauben, nur weil wir in einem anderen Land sein, das uns hier keiner beobachtet, war ein sehr großer Fehler. Ein Fehler, der nicht mehr gut zu machen ist. Ein Fehler für den ich einbüßen musste.

Leblos laufe ich irgendwann am Abend zurück ins Hotel. Ehe ich an meinem Zimmer ankomme, tritt deine Zimmertür im mein Blickfeld. Meine Berührung, wie ich über die Tür streiche, ist fast schob zärtlich. Beschämt leg ich meine Stirn auf de Holztür ab und…ja was mache ich da nur. Stumm rollt eine Träne über meine Wange.
„Gustav was machst du da?“
Ruckartig schnalle ich einen Schritt zurück und blicke in das verdutzt ausschauende Gesicht von Georg.  Muss der hier rumirren?
„Hast du geweint?“ fragt er besorgt und wagt einen Schritt auf mich zu. Schnell wische ich mir die Träne weg und quäle mir ein Lächeln auf die Lippen.
„Ne mir ist nur was ins Auge geflogen“ rede ich mich raus, doch nach Georgs Blick zu urteilen kann ich sehr schlecht lügen.
„Ich geh ins Bett bin hundemüde“ winke ich ihn ab und laufe schnell im mein Zimmer, eher er nachfragt. Im Zimmer lehne ich mich mit rasendem Herz an die Tür und atme tief ein.

Ohne weiter über irgendetwas nachzudenken, stürze ich mich ins Bad, direkt unter die Dusche. Irgendwie muss dieser Dreck doch abzubekommen kriegen. Krampfhaft reibe ich mir das Duschgel ein. Reibe, kratze, reiße mir die Haut schon fast ab. Verstört tue ich immer mehr Duschgel dazu, aber der Schmutz will nicht weg. Er ist ganz tief in meinen Kopf gebrannt. Wenn sie geöffnet sind, wenn sie geschlossen sind, den Schmutz sehe ich trotzdem immer und immer wieder.
Aus meinen Augen treten Tränen hinaus. Ich kann das alles nicht mehr steuern, mein Körper macht was es will. Langsam rutsche ich an den Fließen herunter und sitze wie ein Häufchen Elend da und die Tränen wollen nicht aufhören…

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