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Kapitel 19 (Tigerauge)

~Gustavs Sicht~

Wie lange, bitte was? Hab ich das gerade richtig gehört? War das sein ernst? Meinte Georg gerade wirklich, das der Arzt sagte, ich solle drei Tage im Bett liegen bleiben?

Ich liege seit etwa vier Stunden hier, ok dreieinhalb davon habe ich geschlafen, aber dennoch langweilt es mich jetzt schon. Und dann der Urlaub. Was soll das für ein Urlaub sein. Das ist ja mal ein totaler Reinfall.
Puh, warum wird es hier so warm? Nicht noch eins dieser Symptome des Sonnenstiches. Erst warm und dann kalt. Ich grinse in mich hinein. Wie lächerlich sich das anhört. Sonnenstich, man hatte zwar schon davon gehört, aber nie geglaubt es könnte einen selbst treffen.
„Gustav…hey Gustav“ jemand rüttelt an mich. Perplex schaue ich in Georgs Gesicht. „Sag mir nicht dein Gehörsinn hat auch unter dem Sonnenstich gelitten“ sagt Georg und runzelt die Stirn. Haha, sehr witzig mein Guter, wenn ich könnte würde ich ihn erwürgen, aber meine Kräfte lassen zu wünschen übrig. „Ähm…was hast du gerade gesagt“ ignoriere ich seine letzte Aussage. „Ich hab gesagt das Bill und Tom, als du im Land der Träume warst,  für kurze Zeit im Aufzug stecken geblieben sind“
„Unsere beiden Scheißer?“ frage ich verblüfft; „die haben das überlebt. Die haben doch voll Platzangst“ fange ich an zu lachen und auch Georg muss grinsen. Allein das Lachen zehrt an meinen Kräften. In dem Moment fällt mir wieder etwas ein. Der Kuss!! Oh Gott, wie soll ich dir nur bloß gegenüber treten. Einfach so tun als wäre nichts gewesen, kann ich nicht machen oder doch?
„Was ist los Gustav“ reißt mich Georg abermals aus den Gedanken. Fragend schaue ich ihn an und erkenne seinen Blick. Den Blick des Grauen, der Blick der durch einen hindurch sieht, in die Seele und dem Anschein gibt einem die geheimsten Dinge offenbaren zu müssen. „Was…was meinst du?“ tue ich scheinheilig und  versuche seinem Blick auszuweichen.
„Lüg mich nicht an. Dich bedrückt doch etwas. Sprich mit mir“
Ja, mich bedrückt etwas und zwar sehr. Es bedrückt mich so sehr, das ich glaube es erdrückt mich bald. Ich versinke darin, finde keinen Weg daraus, schreie in meinem Inneren nach Hilfe, nach Erklärung, doch keiner hilft mir. Sprechen, sprechen wenn das so einfach wäre wie es aus seinem Munde klingt. Ich will sprechen, doch wie. Wie soll ich jemandem erklären was in mir vorgeht. Jemand soll MIR erklären was in mir vorgeht. Ich weiß es nicht und das ist fast schon beängstigend. Du machst mich irgendwie seelisch fertig und ich weiß nicht warum. Dein Gesichtsausdruck, wenn du mich siehst, deine leeren Augen, die damals immer so schön leuchteten und Lebensenergie ausstrahlen, sind verblasst. Es schmerzt dich so zu sehen und frisst mich ebenfalls auf. Wenn du leidest leide ich mit. Aber warum? Warum bist du mir nur so verdammt wichtig. Klar Georg und Tom sind mir auch wichtig, ebenso wie meine Familie, aber nicht so wichtig wie du. Hört ihr…hört ihr wie albern sich das anhört. Noch nie war mir jemand so wichtig und ich frage mich was das bedeutet.
„Du bist in letzter Zeit so in Gedanken versunken. Was ist los?“ redet Georg weiter
„Es ist so kompliziert Georg. Ich weiß es doch auch nicht“ gebe ich traurig entgegen und ziehe die Knie an meine Brust heran.
„Probier es.“
Mit leerem Blick schaue ich aus dem Fenster und versuche die passenden Worte zu finden.
„Ich habe in der Höhle Bill geküsst“ rutsch es mir plötzlich aus dem Mund und ich senke meinen Blick. Zu sehr schäme ich mich in irgendeine weise dafür. Im Zimmer herrscht totenstille.
„Warum?“ ungläubig starre ich Georg in die Augen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Mit einem –spinnst du- oder – wie kannst du einen jungen küssen- aber nicht damit. Erleichtert und ihm sehr dankbar bin ich, aber jetzt? Was soll ich auf sein Warum antworten? Warum, echt gute frage, die stelle ich mir auch.
„Ich weiß nicht…irgendwie kam es über mich. Ich hatte so ein verlangen. Verlangen nach ihm. Ihn einfach mal zu spüren. Georg hilf mir, was hat das zu bedeuten? Ich kann so nicht weiter leben.“ Noch nie habe ich so offen über meine Gefühle geredet. Noch nie habe ich meine Gefühle so offen gezeigt. Ich bin und war ein Typ, der seine Gefühle nicht gerne zeigt, der nicht einfach mal so anfängt zu weinen oder etwas des gleichen.
„Ich würde das Liebe nennen“ erwidert er keine zwei Sekunden später. Schockiert, als ob er gerade sagte die Welt würde unter gehen,  schaue ich ihn an und mein Unterkiefer klappt nach unten.
„Du hast dich in Bill verliebt, Gustav“
Seine Erkenntnis schmerzt. Doch warum? Sagen nicht alle immer Liebe fühlt sich so gut an, jemanden zu lieben, richtig lieben. Es kann keine Liebe sein, nein und schon gar nicht in Bill…ein Junge.
Energisch schüttle ich den Kopf: „Quatsch ich bin doch nicht in Bill verliebt. Da irrst du dich gewaltig“
„Bist du dir sicher?“ meint er ruhig, „du weißt ich hab recht und wenn du mir nicht glaubst mach einen Test.“
„Ein Test?“ hacke ich nach.
„Geh zu ihm, küss ihn noch einmal und konzentriere dich darauf was du fühlst. Wenn dir ganz warm wird, es kribbelt, dann würde ich sagen ich habe recht, wenn aber nichts der Gleichen passiert, war’s dann wohl nur son kurzes Verlangen, was nichts zu bedeuten hatte“
Ein Kusstest? Ich soll zu dir und dich noch einmal küssen???!!!! Ne…nein das kann ich doch nicht tun. Damit mache ich doch nur alles schlimmer. Schlechter Plan, Georg, sehr schlecht.
„Spinnst du. Ich kann doch nicht einfach zu ihm und ihn küssen. Was hält er dann von mir und außerdem empfinde ich nichts für ihn, also nicht so wie du glaubst. Es ist nur Freundschaft“ Irgendwie regt es mich gerade sehr auf. Unnötig finde ich, aber ich kann es nicht wirklich kontrollieren. „Nein, nein, nein…“ sage ich immer und immer wieder und von Wort zu Wort wird es ein Ton lauter.
„Gustav beruhig dich“ meint Georg mit besorgten Miene.
„NEIN“ brülle ich so laut, dass mich wohl das ganze Hotel hören konnte. Georg ist total geschockt über meine Reaktion und selbst ich bin es. Was ist los mit mir?
„Frische Luft“ nuschle ich, erhebe mich vom Bett und laufe in den Balkon raus. An der Reling stütze ich mich ab und atme einmal kräftig ein. Wie erfrischend…

Hinter mir vernehme ich Schritte, die nur zu Georg gehören können. Es tut mir so verdammt leid, dass ich ihn eben so angeschrieen habe, obwohl er reingarniecht getan hat. Auf wackligen Beinen drehe ich mich um, um mich bei einem Freund zu entschuldigen. Dabei wird mir mal wieder so schwindelig, doch das wird gekonnt ignoriert.
„Gustav…hey…alles in Ordnung mit dir…“ Georgs Worte werden immer unverständlicher. Es fällt mir schwer sie zu verstehen. Seine Lippen bewegen sich zwar, aber ich höre rein gar nichts und zudem wackelt alles um mich. Ich sehe gerade noch so wie Georg auf mich zustürzt, ehe ich nur noch schwarz vor mir sehe, Pechschwarz die Welt.

„Oh man Gustav verpass mir nie wieder so einen Schrecken.“ Höre ich Georg mir schon fast ins Ohr brüllen. Gesicht verzehrend versuche ich mich zu ordnen und mich daran zu erinnern was passiert war, was mir nicht wirklich gelingt.
„Was…was ist passiert?“, krätze ich, da sich meine Lunge wie ausgetrocknet anfühlt.
„Sag mir nicht du weiß es nicht. Du bist auf dem Balkon zusammengeklappt. Der Arzt hatte recht. drei Tage Bettruhe würden dir gut tun.“
Mit höllischen Kopfschmerzen rapple ich mich auf dem Bett auf. Wie lange war ich wohl Weggedrehten? Nun ja, draußen ist es stock dunkel, ne Zeit lang schon.
Plötzlich klopf es an der Tür und ich schaue Georg fragend an. Der kratzt sich an der Stirn und ich weiß was das zu bedeuten hat. Böse funkle ich ihn an.
„Wer ist das?“ frage ich skeptisch.
„Besuch für dich. Ich werde dann mal gehen“ Schnell wie der Wind steht Georg schon an der Tür und öffnet diese. „Hi und Tschüs“, höre ich Georg noch sagen und da verschwand er schon aus dem Zimmer. Noch kann’s ich die Person hinter der Tür nicht erkennen. Wieso zögerte derjenige so? Und da kamst du. Georg du sau, glaubt der wirklich ich mache diesen albernen Kusstest, auf keinen fall.

Du setzt einen Schritt nach dem Anderen und deine Harre liegen total zerzaust in alle Richtungen. Hast du geschlafen? Ein kleines Grinsen kann ich mir bei deinem Anblick nicht verkneifen.
Jetzt stehst du da. Keine fünf Meter von mir entfernt. So nahe, das ich glaube deinen Atmen spüren zu können, deine Nähe…Gustav SCHLUSS!! Was ist los mit mir? Hat Georg recht, habe ich mich in Bill verliebt? Nein, das ist völliger Unsinn, wie ich es schon des Öffteren sagte. Nehmen wir mal an ich habe mich in Bill verliebt, was unter keinen Umständen dir Fall ist, er würde doch überhaupt nichts von mir wollen. Bill steht auf Frauen, ebenso wie ich und dies ist Tatsache. Mehr als Freundschaft läuft da nicht und außerdem wäre, wenn was zwischen uns laufen würde, was nie der Fall sein wird, unser schöner Ruf zerstört. Tausende Mädchenherzen würden wir brechen, viele wären sehr schockiert und das möchte keiner von uns. Es bleibt so wie es ist, denn so ist es für alle am Besten.
„Wie geht es dir?“ sagst du so leise, dass ich dich fast nicht höre.
„Es geht. Ich fühle mich noch geschwächt“ erwidere ich normal. Ja, genau so geht es. Einfach normal miteinander reden.
„Ein Sonnenstich, deswegen der Kuss stimmts?“ meinst du plötzlich uns lächelst traurig.
Äh…äh…warum jetzt diese Thema, es fing doch so gut an und jetzt ist alles dahin.
„Ja“ erwidere ich kleinlaut, „du musst wissen ich bin den ganzen Tag wie in Trance Rumgelaufen und wusste nicht was ich da tat. Verzeih mir. Es tut mir leid“
„Muss es nicht“ Wieder lächelst du so traurig. Dein Augen sind so traurig, dass es mir in meinem Herzen schmerzt.
„So Schluss damit.“ Fügst du bei und streckst dich herzhaft. Die Traurigkeit in deinen Augen ist verschwunden, einfach so, wie auf Knopfdruck.
„Hast du schon das mit Tom und mir gehört, dass wir im Fahrstuhl stecken geblieben sind“ lachst du auf und setzt dich schwunghaft aufs Bett.
„Ja, Georg hat es erwähnt.“ Antworte ich perplex. Auf Gustav tu es ihm gleich. Erfreu dich am normalen Gespräch mit ihm, so wie früher. „Wie habt ihr das nur überlebt, ihr zwei Angsthasen“ winsle ich rum und grinse nun aus tiefstem Herzen und auch du musst grinsen. Wie schön das es wieder so harmonisch zwischen uns ist, auch wenn es sehr plötzlich kam.
Wie früher redest du ununterbrochen und ich komme nicht wirklich oft zu Wort, doch es macht nichts. Ich finde es schön dir zuzuhören, so wie immer und dich zu ärgern macht doppelt so viel spaß, aber meine Kräfte sind sehr schwach und mein Körper wird immer schlaffer.
„Du Bill sei mir bitte nicht böse, aber ich würde gerne schlafen, mein Körper will nicht ganz so wie ich“
„Klar, kein Problem. Ruh dich aus und werd wieder ganz gesund, wir brauchen unseren Drummer doch noch. Also dann gute Nacht“ Ich verabschied mich auch noch von dir und schließlich trittst du aus dem Zimmer.

Nach fünf Minuten höre ich es abermals an der Tür klopfen. Hast du was vergessen? Herein, rufe ich und sofort wird die Tür aufgemacht. Und wer kann das wohl sein, na klar Georg. Er streckt nur seinen Kopf ins Zimmer. „Und?“ fragt er neugierig. „Was und?“ tue ich nichts raffend. „Na du und Bill. Was ist jetzt, hast du es ihm gesagt?“  „Was gesagt?“ ist meine Gegenfrage und es ist schwer nicht loszulachen. „Ach komm schon du weißt was ich meine“ erwidert Georg und passt auf das keiner, außer ich, ihn höre kann. „Nichts. Ich hab’s dir doch schon gesagt. Bill und ich sind nur gute Freunde und sonst nichts. Vergiss einfach was ich dir gesagt habe ok und jetzt gute Nacht ich bin müde“ antworte ich und kuschle mich demonstrativ unter die Decke. Georg seufzt laut auf und zu guter letzt höre ich wie die Tür ins Schloss fällt. Endlich ruhe…

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